Würth-Gruppe meldet historischen Umsatzrekord

Der Konzern, weltweit agierender Spezialist für Werkzeug, Werkstattausrüstung und Baumaterial, verstetigt seinen Wachstumskurs. Für das Geschäftsjahr 2021 sind in manchen Bereichen historische Rekordergebnisse zu verzeichnen.

2024 soll der Bau des neuen Verwaltungsgebäudes in Künzelsau beginnen. | Visualisierung: ©ORANGE BLU building solutions.
2024 soll der Bau des neuen Verwaltungsgebäudes in Künzelsau beginnen. | Visualisierung: ©ORANGE BLU building solutions.
Claudia Leistritz

Wie das Unternehmen aus Künzelsau berichtet, liegt im vorläufigen Konzernabschluss das Ergebnis beim Umsatz um 18,5 Prozent (währungsbereinigt 19 Prozent) höher als im Vorjahr, in Euro 17,1 Milliarden, gegenüber 14,4 Milliarden 2020.

Im Ausland noch erfolgreicher

Alleine auf Deutschland bezogen kommt die Würth-Gruppe im Jahr 2021 mit 6,9 Milliarden Euro auf 14,1 Prozent mehr Umsatz gegenüber 6,1 Milliarden Euro im Vorjahr. Ein noch stärkeres Wachstum verzeichnet das Ausland: So wuchs bei den Würth-Gesellschaften der Umsatz von 8,3 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf 10,2 Milliarden Euro 2021.

Schwerpunkt Elektronik

Der Grund für die hohen Wachstumsraten in Süd- und Westeuropa liegt laut Bericht in den pandemiebedingt sehr hohen Umsatzeinbrüchen in Ländern wie Spanien, Italien und Frankreich im Jahr 2020 . Mit einem Plus von 36,8 Prozent geht hier der Löwenanteil auf das Konto der Wörth Elektronik eiSos Gruppe sowie mit 28,8 Prozent auf die Geschäftseinheit Elektrogroßhandel.

Einen Außenumsatz von 2,1 Milliarden Euro und somit ein Plus an 11,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwirtschaftete die Adolf Würth GmbH & Co. KG (AW KG) als größte Einzelgesellschaft im Konzern und eigenen Angaben zufolge führender Hersteller von Befestigungstechnik für Handwerk, Bau und Industrie.

Über eine Milliarde Euro

Als derzeitiges Betriebsergebnis der Würth-Gruppe meldet der Konzern einen Anstieg von 775 Millionen Euro im Jahr 2020 auf 1,2 Milliarden Euro 2021 und führt den Erfolg im Wesentlichen auf starkes Umsatzwachstum und die Steigerung der Produktivität zurück. Es hätten aber auch Faktoren wie die im Zuge der Corona-Einschränkungen entfallenen Kosten für Reisen, Messen und Konferenzen zum positiven Ergebnis beigetragen.

Vorbildfunktion

Dass aus den derzeit schwierigen Marktbedingungen dennoch gute Ergebnisse hervorgingen, beweise die kundenorientierte Ausrichtung des Konzerns mit seinen „passgenauen“ Produkten und Serviceleistungen, sagt Robert Friedmann, Sprecher der Konzernführung der Würth-Gruppe. Entscheidend in Krisenzeiten sei aber auch die Präsenz der Konzernleitung:

„Wichtig ist auch, in einer Krise Ruhe und Sicherheit zu vermitteln. In einem Familienunternehmen wie der unsrigen nehmen Prof. Reinhold Würth und Bettina Würth dabei eine entscheidende Rolle ein.“

Stärkung der globalen Marktposition

Weltweit hat der Konzern in den letzten zehn Jahren etliche neue Niederlassungen errichtet und mit einer Anzahl von derzeit 2.497 mehr als verdoppelt. Über diese Standorte können Kunden innerhalb der Multi-Kanal-Strategie des Unternehmens ihre Materialien beziehen. Parallel dazu wurde der Bereich E-Business mit dem Onlineshop, E-Procurement und der Würth App forciert und kommt nun mit einem Anteil von knapp 20 Prozent oder in Euro 3,4 Milliarden am Konzernumsatz ebenfalls auf einen neuen Höchstwert.

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Mit dem Wachstum stieg auch die Anzahl der Mitarbeiter der Würth-Gruppe um 4.044 auf 83.183, davon sind 25.438 in Deutschland, 33.000 im weltweiten Außendienst tätig.

Weitgehend unabhängig von Lieferketten

Durch eigene Produktionsbetriebe könne man in weitestmöglicher Unabhängigkeit von den globalen Lieferketten agieren, sagt Friedmann. So würden bereits 80 Prozent der Waren des Unternehmens in Europa hergestellt. Beispielsweise bestimmte Holzbauschrauben bei der Konzerngesellschaft SWG Schraubenwerk in Gaisbach. „So sind wir nicht auf chinesische Stahlimporte angewiesen“.

Ganz unbeeinflusst von Lieferengpässen kann aber zumindest in manchen Bereichen auch die Würth-Gruppe nicht bleiben. So wirkte sich natürlich der allgemeine Chipmangel auch auf die entsprechend von der Automobilindustrie und die direkte Belieferung der OEMs abhängigen Unternehmen aus.

Innovationszentrum, Parkhaus, Verwaltungsgebäude

Parallel zum Expansionskurs der Würth-Gruppe sollen auch großangelegte Produkt-Neu- und Weiterentwicklungen herauskommen. Zu diesem Zweck will man im dritten Quartal 2022 in Künzelsau-Gaisbach ein neues Innovationszentrum eröffnen mit dem Ziel, die „Innovationszyklen“ zu beschleunigen um neue Produkte in noch kürzerer Zeit auf den Markt bringen zu können, heißt es. So soll „den Kunden noch mehr Lösungen mit Mehrwert“ geboten werden.

Gleichzeitig entsteht am Firmensitz ein neues Parkhaus mit insgesamt 752 Stellplätzen, davon 48 E-Ladeplätze.

Weiters will das Unternehmen mit Baubeginn 2024 ein neues Verwaltungsgebäude mit 375 Arbeitsplätzen errichten, in „nachhaltiger und kreislaufwirtschaftlicher Bauweise“, wie es heißt. Das 49 Meter hohe Gebäude ist als „Holzhybrid“-Konstruktion geplant, mit einem hohen Anteil an vorgefertigten Holzelementen, die den „CO2-Fußabdruck“ reduzierten, so der Konzern.

Digitalisierung und eigene Produktion als Wachstumstreiber

Für 2022 erwarte das Familienunternehmen eine weiterhin angespannte Lage am Beschaffungsmarkt, so der Pressebericht. Die Entscheidung der Bundesregierung in Hinsicht auf eine allgemeine Impflicht werde maßgeblichen Einfluss auf „die Entwicklung der Pandemie und damit das Wirtschaftsgeschehen“ haben.

Man rechne aber dennoch mit einem neuen Rekordumsatz und „angemessenem Ergebniswachstum“ im kommenden Geschäftsjahr, „da wir mit unserer Multi-Kanal-srategie, der weitreichenden Digitalisierung und der Vielzahl eigener Produktionsbetriebe jetzt und auch zukünftig unabhängig aufgestellt sind“, meint Friedmann.

Eine Bilanzpressekonferenz der Würth-Gruppe ist für Mittwoch, den 11. Mai 2022 geplant.

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