Kostendruck: Mahle strukturiert sich neu

Der Stuttgarter Automobilzulieferer will den aus der Coronakrise resultierenden Umsatzeinbußen mit umfassenden Neustrukturierungen begegnen. Auch der technologische Wandel erfordere tiefgehende Anpassungen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die Stuttgarter Konzernzentrale von Mahle. Foto: Mahle.
Die Stuttgarter Konzernzentrale von Mahle. Foto: Mahle.
Claudia Leistritz

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Konzern Maßnahmen zur Kosteneinsparung und Neuaufstellung umgesetzt, die vor allem der technologischen Transformation geschuldet waren. Nun jedoch fordere die Corona-Pandemie in Folge der weltweit starken Markteinbrüche und Auftragseinbußen in der Branche weitere kostensenkende Anpassungen, so Mahle.

Eine Normalisierung der Situation auf das Vorkrisen-Niveau hält das Unternehmen erst in einigen Jahren für wahrscheinlich. Parallel zu den ökonomischen Gesichtspunkten bleibe jedoch weiterhin die beschleunigte Entwicklung der technologischen Transformation im Fokus.

7.600 Arbeitsplätze betroffen

Um das Feld für eine adäquate Strategie zur finanziellen Optimierung zu sondieren hat Mahle laut Bericht seine gesamten Abteilungen und Standorte nach ihrer Wirtschaftlichkeit untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass weltweit 7.600 Stellen eingespart werden könnten. Derzeit werde mit Arbeitnehmervertretern verhandelt, um die daraus resultierenden Konsequenzen umzusetzen.

Zur Situation äußert sich CEO und Vorsitzender der Mahle Konzerngeschäftsführung Dr. Jörg Stratmann:

„Wir haben es aktuell mit einer Krise zu tun, wie wir sie noch nicht erlebt haben. Trotz der damit verbundenen wirtschaftlichen Herausforderungen müssen wir unsere Zukunftsthemen in der Transformation weiter vorantreiben und investieren, um mit dem richtigen Know-how und Portfolio weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben. Gerade jetzt ist es daher wichtig, unsere Anstrengungen zur Kostensenkung konsequent fortzusetzen und unsere strategischen Ziele noch stärker in den Fokus zu nehmen. Die bereits umgesetzten Kapazitätsanpassungen werden nicht ausreichen.“

Von den ermittelten 7.600 „globalen personellen Überkapazitäten“ handle es sich in Europa um etwa 3.700, davon in Deutschland rund 2.000.

Die Maßnahmen fielen zwar schwer, seien jedoch unabdingbar, um der globalen Verantwortung und nachhaltigen Aufstellung des Konzerns nachkommen zu können, meint Anke Felder, Arbeitsdirektorin und Mitglied der Mahle Konzern-Geschäfsführung. Man will nun gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern sozialverträgliche Lösungen finden.

Mahle ist eigenen Angaben zufolge international führender Entwicklungspartner und Zulieferer der Automobilindustrie. Der Technologie will die Mobilität der Zukunft aktiv mitgestalten, beispielsweise durch die weitere Optimierung des Verbrennungsmotors, der Förderung der Nutzung alternativer Kraftstoffe und der flächendeckenden Einführung der Elektromobilität. Das Portfolio beinhaltet die wichtigen Bereiche entlang von Antriebsstrang und Klimatechnik. Der Konzern mit Sitz in Stuttgart beschäftigt weltweit über 77.000 Mitarbeiter an 160 Produktionsstandorten und 16 großen Forschungs- und Entwicklungszentren in mehr als 30 Ländern. Im Jahr 2019 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von etwa 12,0 Milliarden Euro.

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