Automotive-Sparte reduziert: Rheinmetall baut Konzernstruktur um

Der Technologiekonzern und Automobilzulieferer teilt sich in fünf Divisionen auf, die unter direkter Leitung des Vorstands die strategische Neuausrichtung voranbringen sollen.

Die Zentrale des Rheinmetall-Konzerns in Düsseldorf. Foto: Rheinmetall.
Die Zentrale des Rheinmetall-Konzerns in Düsseldorf. Foto: Rheinmetall.
Claudia Leistritz

Im Zuge der Transformation zum integrierten Technologiekonzern will sich Rheinmetall bei seiner Umstrukturierung an den großen Themen Digitalisierung und Elektrifizierung orientieren. Das konzerneigene Produktspektrum soll künftig laut Pressebericht noch stärker an diesen Trends ausgerichtet sein. Den Prozess begleiten soll die Investmentbankingfirma Goldman Sachs.

Der Düsseldorfer Konzern nimmt bei dieser Maßnahme drei Kernpunkte in den Blick: Erstens soll der Automotive-Anteil am Gesamtumsatz vor allem um Produkte für den Verbrennungsmotor reduziert werden, zweitens will man ein Profitabilitätsniveau von mindestens zehn Prozent in allen Geschäftseinheiten durchsetzen, bezogen auf die operative Umsatzrendite, und schließlich habe sich das Portfolio dann stetig entsprechend an den ersten beiden Zielen auszurichten.

Zuvor war das Unternehmen in die beiden Bereiche automobilbezogene sowie Verteidigungs- und Rüstungskomponenten beziehungsweise Automotive und Defence getrennt gewesen. Der Teilbereich Rheinmetall Automotive wird nun aufgelöst und in den Konzern integriert, womit die Trennung entfällt.

Nachhaltigkeit und Wachstum im Fokus

„Wir geben Rheinmetall ein klares, einheitliches Profil und öffnen mit der Zusammenführung beider Sparten ein neues, bedeutendes Kapitel in der Firmenhistorie. Die neue Konzernstruktur gibt uns alle Chancen, unser technologisches Sprektrum auszuweiten und unsere Positionen in den globalen Märkten auszubauen“, so Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG.

Mit dieser Umstellung soll mittelfristig nachhaltiges Wachstum und zugleich hohe Profitabilität sichergestellt werden. Die Gliederung in die fünf Teilbereiche soll vor allem den Technologietransfer zwischen den einzelnen Sparten fördern, um die Kräfte verstärkt auf die "nachhaltige Wertsteigerung" auf dem Gebiet zukunftsfähiger Technologien und Geschäftsfelder richten zu können.

Umsatzsteigerung als Ziel

Die fünf Divisionen lauten Weapon & Ammunition, Electronic Solutions, Vehicle Systems, Sensors & Actuators und Materials & Trade. Als weiteres, nicht im Kernbereich liegendes Geschäft soll der Kolbenbereich weiterlaufen. Bereits im letzten Jahr hatte man angekündigt, die strategische Ausrichtung für eine Weiterentwicklung der bisherigen Division Hardparts mit Fokus auf Klein- und Großkolben zu überprüfen.

Der von Goldman Sachs geleitete Prozess soll bis zur Mitte des Jahres erste, vom Rheinmetall-Vorstand zu bewertende Ergebnisse liefern.

Neu festgelegt wurden auch die mittelfristigen Finanzziele. So soll beispielsweise der Umsatz von etwa 5,8 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf rund 8,5 Milliarden Euro im Jahr 2025 steigen und die operative Umsatzrendite bei über zehn Prozent liegen.

Schwerpunkte Sicherheit und Elektromobilität

Vor allem die Sicherheitstechnologie sowie die Elektromobilität werde als besonderer Wachstumstreiber gewertet, daher soll der Anteil am Konzernumsatz in diesen Bereichen gesteigert, der Bereich Verbrennungsmotoren dagegen an die neuen Marktgegebenheiten angeglichen werden. Bis 2025 rechnet man in der Sicherheitstechnologie mit einem von 63 Prozent im Jahr 2020 auf 70 Prozent gestiegenen Anteil am Konzernumsatz. Der Umsatz im Bereich Verbrennungsmotor soll dagegen von derzeit etwa 30 Prozent auf unter 20 Prozent fallen.

CO2-neutral will man bis zum Jahr 2035 sein. In diesem Zug soll unter anderem der  Energieverbrauch stark verringert, der Wasserverbrauch um zehn Prozent gesenkt werden. Auch will man verstärkt in die von der EU erstellten Nachhaltigkeitsrichtlinien, die ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance), investieren.

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