Flexibel, kreativ, offen für Veränderungen: Wie Werkstätten die Krise managen

Die durch die Covid-19-Krise verursachte weltweite Unsicherheit und geänderte Versorgungs- und Auftragslage schlägt sich auch bei Werkstätten nieder. Um Ihren Betrieb am Laufen zu halten sind diese gezwungen, sich den schwierigen Umständen anzupassen. Einbrüche in der Ersatzteilversorgung sind nicht immer bereits spürbar, machen sich aber langsam bemerkbar.

Die Werkstätten stellen sich auf die Herausforderung ein. Foto: Ryan McGuire | Pixabay.
Die Werkstätten stellen sich auf die Herausforderung ein. Foto: Ryan McGuire | Pixabay.
Claudia Leistritz

Manche Lieferanten hätten bereits ihre Lieferungen eingestellt, berichtet Sven Aßmann, Geschäftsführer der Fahrzeuginstandsetzung Restemeier GmbH in Osnabrück, auf schaden.news. Um den Betrieb aufrechtzuerhalten reagiert die Werkstatt flexibel.

Alle Möglichkeiten ausschöpfen

So wurde beispielsweise ein Hol- und Bring-service eingerichtet und Besichtigungen bietet der Betrieb nun digital an. Um die Fahrzeuge zu desinfizieren, habe man mehr Reinigungspersonal eingestellt. Und zur Einhaltung der Vorschriften in Bezug auf die Ansteckungsgefahr arbeiten die Angestellten in Schichtarbeit – so halten sich zur gleichen Zeit weniger Personen am gleichen Ort auf.

Wie derzeit beispielsweise in Supermärkten auch habe man zudem im Kundenservice die Mindestabstände zwischen Personal und Kunde gekennzeichnet. Außerdem stehe man im steten Austausch mit den Ersatzteillieferanten, um sich über die Versorgung abzustimmen und auf Änderungen frühzeitig reagieren zu können.

Mitarbeiter einbinden

Wichtig sei auch der Austausch mit den Angestellten, so Aßmann. Gemeinsam würden die Entscheidungen besprochen, um alle Beteiligten aufzuklären, einzubinden und für alle passende Maßnahmen zum Umgang mit den geänderten Bedingungen zu finden, sei es in Bezug auf die Kinderbetreuung oder auch in Betracht kommende Kurzarbeit. Aßmann ist zuversichtlich, dass das Unternehmen die Krise so gemeinsam gut bewältigen wird.

Anders bei Danny Schramm, der bei Hamburg ein Schulungszentrum für sein PCP-System, einen abziehbaren Autolack, eröffnen wollte, wo Lackierer eine mehrtägige Ausbildung erhalten sollten. Nach Corona hätte er alle Schulungstermine absagen müssen, sein Team wurde in Kurzarbeit geschickt. Nun denkt er über ein möglicherweise per Videostream funktionierendes Online-Zertifizierungssystem nach.

Neue Wege finden

Man müsse ganz anders denken, so Schramm. Er versucht der Sache positive Seiten abzugewinnen und denkt über neue Schulungsmöglichkeiten nach. Nicht einfach, da sein Grundmaterial für den Lack derzeit von Lieferschwierigkeiten betroffen ist. Solange arbeitet er eben an bestehenden Lackieraufträgen weiter, zum Beispiel Keramikbeschichtungen für Sportwägen. Nach der Krise, meint er „geht es in meinem Unternehmen erst so richtig los – aber anders, als ursprünglich geplant.“

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