Lkw automatisiert bremsen und stoppen: Daimler bringt neue Fahrassistenten

Zur Steigerung der Sicherheit auf den Straßen hat Mercedes-Benz Trucks zwei weitere Fahrassistenten entwickelt: Den Active Sideguard Assist mit automatisierter Bremsfunktion und den Active Drive Assist 2 mit automatisierter Nothaltfunktion.

Wird ein Fußgänger übersehen, leitet der neue Assistent auch beim Abbiegen die Bremsung ein. (Foto: Daimler AG)
Wird ein Fußgänger übersehen, leitet der neue Assistent auch beim Abbiegen die Bremsung ein. (Foto: Daimler AG)
Claudia Leistritz
(erschienen bei Transport von Christine Harttmann)

Beide Assistenz-Systeme sollen im Juni 2021 auf den Markt kommen. Dabei soll der Active Sideguard Assist mit automatisierter Bremsfunktion den Abbiege-Assistenten der meisten Baumuster von Actros und Arocs ergänzen und so das Risiko eines Abbiegeunfalls im Stadtverkehr nochmals vermindern. Bereits jetzt warnt der Abbiege-Assistent die Fahrer, sofern sich in der auf der Beifahrerseite liegenden Überwachungszone zum Beispiel ein vom System erkannter Radfahrer oder Fußgänger befindet. Ab Juni 2021 gibt zusätzlich den Active Sideguard Assist (ASGA). Das neue System warnt den Fahrer nicht nur. Er leite darüber hinaus eine Bremsung ein, sofern der Fahrer auf die Hinweistöne nicht reagiere und eine Abbiegegeschwindigkeit von 20 km/h nicht überschreite, beschreibt der Hersteller. Der ASGA könne über den Lenkwinkel die Notwendigkeit des Eingriffs erkennen und im Idealfall eine mögliche Kollision verhindern. Mercedes-Benz Trucks erklärt, damit der erste Lkw-Hersteller zu sein, der ein solches System mit aktiver Bremsfunktion anbiete.

Als Weiterentwicklung in Sachen Sicherheit präsentiert der Stuttgarter Lkw-Bauer außerdem seinen Active Drive Assist (ADA). Das System erlaubt dem neuen Actros teilautomatisiertes Fahren nach Level 2 erlauben. Es unterstützt unter bestimmten Voraussetzungen den Fahrer aktiv bei der Längs- und Querführung seines Fahrzeugs und kann automatisiert Abstand halten, beschleunigen sowie lenken, sofern die dazu notwendigen Systembedingungen wie etwa ein ausreichender Kurvenradius oder deutlich sichtbare Fahrbahnmarkierungen gegeben sind. Kommt der Fahrer einem vorausfahrenden Fahrzeug zu nahe, kann der ADA den Lkw selbstständig auf den eingestellten Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug abbremsen. Ist dann wieder genügend Abstand zum „Vordermann“ vorhanden, kann das System das Fahrzeug erneut bis zur festgesetzten Geschwindigkeit beschleunigen.

Ab Juni 2021 kann die neueste Generation, der ADA 2, außerdem einen Nothalt einzuleiten, wenn es erkennt, dass der Fahrer während der Fahrt etwa aufgrund gesundheitlicher Probleme dauerhaft nicht mehr in das Fahrgeschehen eingreift. Zunächst fordere das System den Fahrer optisch und akustisch auf, die Hände an das Lenkrad zu nehmen, so der Hersteller. Reagiere der nach 60 Sekunden auch nach mehrmaliger Warnung nicht mit Lenken, Gas geben, Bremsen oder der Bedienung von Fahrzeugsystemen etwa über die Lenkradtasten, könne der Lkw in der Spur bis zum Stillstand verzögern und dabei den nachfolgenden Verkehr mittels Warnblinker warnen. Den vom System eingeleiteten Nothalt kann der Fahrer durch einen Kick-Down jederzeit abbrechen. Kommt der Lkw zum Stillstand, kann das System automatisch die neue elektronische Feststellbremse einlegen. Außerdem werden die Türen entriegelt, damit bei einem medizinischen Notfall die Rettungssanitäter oder andere Hilfeleistende direkt zum Fahrer gelangen können.

Nicht zu verwechseln sind der automatisierte Bremseingriff des Active Sideguard Assist beziehungsweise der automatische Nothalt des Active Drive Assist 2 mit der Notbremsfunktion des Active Brake Assist 5. Der ABA 5 arbeitet dabei mit einer Kombination aus Radar- und Kamerasystem und kann gegenüber dem ABA 4 auf sich bewegende Personen nicht mehr nur mit einer Teil-, sondern bis zu einer Fahrzeuggeschwindigkeit von 50 km/h mit einer automatisierten Vollbremsung reagieren.

Erkennt der ABA 5 die Gefahr eines Unfalls mit einem vorausfahrenden Fahrzeug, einem stehenden Hindernis oder einer querenden, entgegenkommenden, in der eigenen Spur laufenden oder vor Schreck plötzlich stehenbleibenden Person, kann zunächst eine optische und akustische Warnung des Fahrers erfolgen. Reagiert der Fahrer nicht adäquat, kann das System in einem zweiten Schritt eine Teilbremsung mit drei Metern pro Sekunde einleiten – das entspricht etwa 50 Prozent der maximalen Bremsleistung. Droht trotzdem eine Kollision, kann der ABA 5 innerhalb der Systemgrenzen eine automatisierte Vollbremsung ausführen und bei Stillstand die neue elektronische Feststellbremse einlegen.

Für alle Assistenzsysteme von Mercedes-Benz Trucks gilt: Stets sind sie so ausgelegt, dass sie den Fahrer innerhalb der Systemgrenzen so gut wie möglich unterstützen, er aber – wie es auch das Gesetz vorschreibt – zu jeder Zeit die Hoheit über sein Fahrzeug hat und ebenso in der letzten Verantwortung für seinen Lkw steht.

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