TÜV Süd: Runderneuerte schwächeln beim Sicherheits-Test

Recycelte Reifen sind vergleichsweise günstig und gelten als positiver Beitrag zum Klimaschutz. Ob das wiederaufbereitete Material auch bei der Sicherheit mithalten kann, hat der TÜV Süd nun zusammen mit der auto-illustrierten getestet.

Beim Härtetest Aquaplaning schneidet der chinesische Goodride besser ab. Foto: TÜV Süd.
Beim Härtetest Aquaplaning schneidet der chinesische Goodride besser ab. Foto: TÜV Süd.
Claudia Leistritz

Bei der Herstellung von Runderneuerten sind, von der strengen Auswahl bis zur Endkontrolle, aufwendige Prozeduren zu durchlaufen. Im Wesentlichen wird dabei der Altreifen von der abgefahrenen Lauffläche befreit und das übrige Gerüst, die Karkasse, mit einem neuen Profil aus einer per Heizpresse aufgebrachten Rohgummimischung versehen.

Die aufbereiteten Pneus sind günstiger in der Anschaffung und könnten sogar mehrmals wiederbereift werden. Zudem soll das Recycling die Umwelt schonen, weil aufgrund der Weiterverwendung des Unterbaus weniger wertvolle Rohmaterialien wie Gummi oder Stahl bei der Herstellung verbraucht werden. Die Einsparungen, so Experten, seien vor allem im Nutzfahrzeugsektor mit seinen schwergewichtigen Reifen spürbar. Auch werde bei der Herstellung von Runderneuerten weniger Wasser, Rohöl und Energie benötigt als bei der Herstellung neuer Reifen.

Als Nachteil wird beispielsweise das möglicherweise unberechenbare Fahrverhalten wegen der unterschiedlichen Zusammensetzungen der Karkasse und der daraus resultierenden uneinheitlichen Verbindung zwischen Unterbau und Lauffläche genannt.

Wie die recycelten Reifen bei der Fahrsicherheit tatsächlich abschneiden, hat der TÜV Süd nun gemeinsam mit der schweizer Fachzeitschrift auto-illustrierte im Rahmen der jährlichen auto-illu-Reifentests im Pkw-Segment auch an einigen Runderneuerten untersucht. Ergebnis: Im Vergleich zum Premiumreifen gibt es starke Qualitätseinbußen in Bezug auf Fahrsicherheit und Performance, so die Pressemeldung.

Testbedingungen

Testfahrzeug war ein VW Golf VIII mit 150 PS. Geprüft wurde Bremsen und Handling jeweils nass und trocken, Aquaplaning und Kreisbahn nass sowie Dauerlauf und Hochgeschwindigkeit auf dem Prüfstand.

Prüfobjekte waren die zwei runderneuerten King-Meiler Streax aus deutscher Produktion und der chinesische Goodride SA37, die gegen den Premiumreifen Goodyear EfficientGrip Performance2 antraten.

Sicherheitslücke bei hoher Geschwindigkeit

Unter der extremen Belastung auf dem Trommelprüfstand beim Hochgeschwindigkeitstest platzte überraschenderweise der aufbereitete King-Meiler-Reifen, wie Experte Thomas Salzinger vom TÜV Süd berichtet:

„Damit haben wir nicht gerechnet. Immerhin ist der runderneuerte Reifen bis 270 Stundenkilometer zugelassen und er kommt aus deutscher Produktion mit hohen Qualitätsstandards. Der Verkauf der Reifen ist nun bis zur genauen Klärung gestoppt, die Erforschung der Schadensursache wurde sofort professionell gestartet. In Sachen Fehlermanagement ist dem Hersteller hier bislang kein Vorwurf zu machen.“

Längerer Bremsweg

Im Rückstand gegenüber dem Premiumreifen bleiben die runderneuerten beide beim Trockenbremsen aus 100 km/h und übertreffen die 36 Meter des Goodyear um 80 Zentimeter beim Goodride und über 2 Meter beim King-Meiler.

Auch beim Bremstest unter nassen Bedingungen fallen die beiden recycelten Pneus zurück: Aus 80 km/h braucht der Goodride 40 Meter zum Halt, der King-Meiler einen halben Meter mehr. Der Premiumreifen dagegen stoppt bereits nach 35,1 Metern.

Kaum Unterschiede auf der nassen Kreisbahn

Hier weichen die Testreifen vom Premiumobjekt mit 14,33 Sekunden als Rundenzeit mit 14,77 beim King-Meiler beziehungsweise 14,79 Sekunden beim Goodride nur wenig ab. Allerdings verfüge der neue Reifen über deutlich mehr Seitenhalt, so die Tester.

Beim Aquaplaning ragt einer der runderneuerten heraus

Bessere Ergebnisse erreicht der runderneuerte Goodride beim Aquaplaning mit acht Millimeter Wassertiefe gegenüber dem Goodyear: Erst bei einer Geschwindigkeit von 82,4 km/h verliert der Reifen den Kontakt zum Boden. Dagegen rutscht der Goodyear schon bei 79,3, der King-Meiler bei 78,2 km/h weg.

Labortests

Im Labor wurden die Reifen im 34-Stunden-Dauerlauftest sowie im Schnelllauftest geprüft, wobei die für die Zulassung wichtige ECE-Methode zur Anwendung kam. Dabei wird die Geschwindigkeit auf 240 km/h gebracht, von dort aus stufenweise bis 270 km/h gesteigert und dann 20 Minuten lang auf diesem Niveau gehalten. Zufriedenstellende Ergebnisse gab es hier für den Runderneuerten aus Deutschland nur beim Dauerlauftest. Dagegen hätten Goodyear und Goodride im Härtetest ebenfalls keine Defekte davongetragen, so der Bericht.

Fazit: Billigreifen aus China vor King-Meiler

Im Ergebnis, so Salzinger, falle der deutsche runderneuerte deutlich nicht nur gegenüber dem Premiumreifen, sondern auch der Konkurrenz aus China ab, vor allem in Bezug auf die Höchstbelastung auf dem Prüfstand sowie der Beständigkeit an der Belastungsgrenze.

Die Labortests wurden auf dem TÜV Süd-eigenen Prüfstand in Garching bei München sowie auf dem Goodyear-Testgelände im französischen Mireval durchgeführt.

Die genauen Test-Ergebnisse veröffentlicht die auto-illustrierte ab dem 31. Juli in der August-Ausgabe.

Der TÜV Süd betreibt eigenen Angaben zufolge in Garching bei München als längjähriger kompetenter Partner für die Reifen- und Fahrzeugindustrie das größte unabhängige Reifen-/Räder-Labor seiner Art in Europa. Das Unternehmen ist mit über 25.000 Mitarbeitern an über 1.000 Standorten in etwa 50 Ländern weltweit in der Optimierung von Technik und Systemen sowie von technischen Innovationen wie Industrie 4.0, autonomes Fahren oder Erneuerbare Energien tätig.

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