Werbung
Werbung

Reifenproduktion komplettiert: Continental übernimmt Spezialisten für Formenbau

Mit der Übernahme des slowakischen Formenbauers EMT Púchov erweitert der Reifenkonzern seine Kompetenzen in der Formentechnologie speziell für Nutzfahrzeug- und Spezialreifen. Damit will das Unternehmen unabhängiger von äußeren Einflüssen sein.

Dr. Bernhard Trilken, Leiter Produktion und Logistik des Reifenbereichs von Continental, bezeichnet die Implementierung der Formentechnologie in das Unternehmen als "strategischen Vorteil". | Bild: Continental.
Dr. Bernhard Trilken, Leiter Produktion und Logistik des Reifenbereichs von Continental, bezeichnet die Implementierung der Formentechnologie in das Unternehmen als "strategischen Vorteil". | Bild: Continental.
Werbung
Werbung
Claudia Leistritz

Technologiekonzern und Reifenspezialist Continental hat mit Anfang April 2024 den nordslowakischen Formenbauer EMT Púchov (European Mold Technologies) übernommen. Das berichtet das Hannoveraner Unternehmen in seiner Pressemeldung von Montag. Eine entsprechende Vereinbarung für die Übernahme war mit den Anteilseignern, darunter Mehrheitsaktionär Dynamic Design aus Rumänien, getroffen worden. Mit dem Kauf des Unternehmens bleiben alle 107 dort auf Formenbau spezialisierten Facharbeiter weiterhin beschäftigt. Über die Details wurde Stillschweigen vereinbart.

Modernste Frästechnologie

EMT hat seinen Sitz in der Slowakei in Púchov nahe der Grenze zu Tschechien und zählt laut Continental zu den wichtigsten Experten auf dem Gebiet der Formenherstellung. Das Unternehmen entwickelt und produziert seit 40 Jahren im Wesentlichen Formen für Nutzfahrzeug- und Spezialreifen, aber auch für weitere Produkte wie Behälter oder Kugellager. Nach eigenen Angaben werden die Metallformen unter Anwendung modernster Maschinen und Technologien aus Stahl gefräst.

Sämtliche Formen für Pkw- und Nfz-Reifen

Als Eigentümer des Experten für Formenbau erweitert Continental nun sein Technologie-Portfolio und kann „ab sofort bei Bedarf Reifenformen für sämtliche Anwendungszwecke eigenständig herstellen“. Wichtige Schritte für diese Kompetenzerweiterung, heißt es weiter, seien die Übernahme der deutschen Firma A-Z Formen im Jahr 2014 und des tschechischen Formenspezialisten VFC bereits im Jahr 1993 gewesen. Beide sind ebenfalls auf die Formenherstellung von Reifen spezialisiert, allerdings im Segment Pkw.

Mit der Übernahme von EMT kann Continental nun ganz unabhängig von externen Anbietern und vor allem weitgehend unabhängig von äußeren Einflussfaktoren jederzeit bei Bedarf jegliche Formen selbst produzieren. Dr. Bernhard Trilken, Leiter Produktion und Logistik des Reifenbereichs von Continental, sagt hierzu:

„Die Expertise für jegliche Formentechnologien im Haus zu haben, ist ein strategischer Vorteil, angesichts der weltweiten Unsicherheiten.“

Bei der Reifenherstellung werden die Formen benötigt, um den Rohkautschuk durch Hitze und Druck (Vulkanisation) in biegsamen und elastischen sowie zugleich widerstandsfähigen Kautschuk oder Gummi zu verwandeln. Durch die Formen erhält der Reifen hierbei seine gewünschte Stabilität und Form.

Länger bestehende Partnerschaft

Julia Sadrina, im Reifenbereich von Continental verantwortlich für die weltweite Beschaffung und Herstellung von Reifenbauformen, meint:

„Wir freuen uns über die technologische Verstärkung, die das EMT-Team mitbringt. Als langjähriger Partner ist die Beziehung zu Continental bereits sehr eng.“

Ein neben dem Fräsen von Formen für Trucks, Busse und landwirtschaftliche Zwecke weiteres Betätigungsfeld von EMT besteht in der Übertragung von Reifenprofilen in dreidimensionaler Form auf den Computer. Mit dieser Aufgabe ist ein eigenes CAD/CAM-Team von IT-Spezialisten und Designern befasst. In den Jahren 2011 und 2019 erhielt EMT von Continental die Auszeichnung „Supplier of the Year“. Der in der Regel jährlich vergebene Preis honoriert herausragende Leistungen von Zulieferern in Hinsicht auf Engagement, Qualität, sowie Liefer- und Einkaufsbedingungen.

Umfassender Transformationsprozess

Die 20 weltweit in 16 Ländern lokalisierten Reifenwerke von Continental werden derzeit nach eigenen Angaben konsequent digitalisiert und automatisiert. In diesem Zusammenhang wird auch an Forschungsprojekten gearbeitet. Vor allem in die Forschung und Entwicklung neuer Technologien, alternativer Materialien und umweltschonender Produktion investiert das Unternehmen in letzter Zeit verstärkt. So wird stetig das digitale Portfolio zu den Produkten ausgebaut, recyceltes PET-Flaschenmaterial für die Produktion verwendet oder für Altreifen ein neuer Einsatzzweck gesucht.

Und vor zwei Monaten berichtete der Reifenspezialist von einem neuen, vollautomatisierten Lager für sein Reifenwerk in Tschechien; eine Maßnahme, mit der man die „Gesamteffizienz der Logistikprozesse“ optimieren will. Manche aufgrund der ernüchternden wirtschaftlichen Lage zur Erhaltung der Profitabilität als nötig erachtete Sparmaßnahmen haben auch Stelleneinbußen zur Folge. Im Zuge seines Transformationsprozesses will Continental, wie es heißt, bis spätestens 2050 „100 Prozent Klimaneutralität entlang seiner gesamten Wertschöpfungskette“ erreicht haben.

Neben der Hauptkompetenz Reifen ist Continental heute als Technologiekonzern auch auf dem Feld der zukunftigen Mobilität mit elektromobilen, vernetzten und sicherheitstechnologischen Lösungen für die Automobilwelt aktiv. Das 1871 gegründete Unternehmen verfügt zudem über einen eigenen Geschäftsbereich für die Industriebranche und befasst sich in diesem Zusammenhang mit Produkten für Schienenverkehr wie Bergbau sowie „weitere wichtige Schlüsselindustrien“. Weltweit werden derzeit rund 200.000 Mitarbeiter in 56 Ländern und Märkten beschäftigt. An Umsatz erzielte man im Jahr 2023 insgesamt 41,4 Milliarden Euro.

Printer Friendly, PDF & Email
Werbung
Werbung