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Zare: Altreifen sollen nur zertifizierte Fachbetriebe entsorgen

Der Verband aus Unternehmen des Reifenhandels macht schon seit Jahren auf die Problematik des noch weitgehend umweltschädlichen Umgangs mit Altreifen aufmerksam. Nun fordert man auch politische Lösungen und wendet sich mit Vorschlägen an das Umweltministerium.

Eine gesetzliche Regelung für die fachgerechte Sortierung und Aufbereitung der jährlich rund 600.000 Tonnen Altreifen in Deutschland fordert der Verband Zare. | Bild: Recyclind/Pixabay.
Eine gesetzliche Regelung für die fachgerechte Sortierung und Aufbereitung der jährlich rund 600.000 Tonnen Altreifen in Deutschland fordert der Verband Zare. | Bild: Recyclind/Pixabay.
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Claudia Leistritz

Jedes Jahr werden alleine in Deutschland über 600.000 Tonnen Altreifen aussortiert, dann aber in der Regel nicht nach Brauchbarkeit geordnet; auch werden zum Schaden der Umwelt zunehmend zerschlissene Reifen illegal auf Deponien abgelegt, weil keine Nachweispflicht besteht. Derzeit regelt bundesweit noch kein Gesetz Behandlung und Entsorgung des Altmaterials. Stattdessen kümmern sich manche Einrichtungen lediglich um das Einsammeln. Die Willicher Initiative Zare (Zertifizierte Altreifen Entsorger) weist seit ihrer Gründung 2015 auf diesen Mißstand und fordert nun auch von der Politik, auf ihre Vorschläge zum fachgerechten Umgang mit dem in wachsender Menge anfallenden Material einzugehen und endlich einheitliche Regelungen aufzustellen. Das berichtet der Verband mit Hauptsitz nahe Düsseldorf in seiner neuesten Pressemeldung.

Mischung aus verschiedenen Substanzen

Zu diesem Zweck wurden dem Umweltministerium Mitte Oktober neue Ideen und Vorschläge für eine nachhaltige Altreifenentsorgung unterbreitet die darauf abzielen, nur zertifizierte Entsorger mit der Aufgabe zu betrauen. Das im Wesentlichen aus einer Mischung aus Kautschuk, Stahlgewebe und Kunstfasern bestehende Material enthält je nach Erfordernis und Marke in unterschiedlichem Grad weitere Füllstoffe wie Ruß, Silica, Kohlenstoff sowie Öle, Harze und Chemikalien, die einerseits eine hohe Haltbarkeit ermöglichen, andererseits stellenweise für eine ausreichende Verformbarkeit sorgen sollen. Die Aufgabe, dieses Konglomerat entsprechend einzuordnen und in ihre Bestandteile zu zerlegen, soll nun nach Wunsch von Zare per Gesetz qualifizierten Fachbetrieben übertragen werden.

Neuer Umgang mit zerschlissenem Reifengummi

Daher wandte sich die Initaitive im Oktober gemeinsam mit Vertretern des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse), des Wirtschaftsverbands der deutschen Kautschukindustrie e.V. (wdk) und des Bundesverbands Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V. (BRV) an das Bonner Umweltministerium. Dabei stellte man sein neues Konzept „zertifizierte Entsorgungsfachbetriebe plus“ vor, das einem professionelleren Umgang mit dem Thema Altreifenentsorgung den Weg bereiten soll.

Mehr als 90 Prozent weiter nutzbar

Man fordert nun, dass nur noch per Entsorgungsfachbetriebeverordnung (EfbV) mit „besonderer Eignung zur Reifensortierung“ (EFB plus) bewertete Entsorgungsfachbetriebe die Aufgabe der Reifenentsorgung übernehmen dürfen. Eine solche Regelung biete zum Beispiel den Vorteil, dass mit diesem Know-how ausgestattete Einrichtungen das abgefahrene Material dann mit Sicherheit fachgerecht beurteilten und den jeweils „nachhaltigsten“ Verwertungswegen zuführten. Von diesen wird dann also entschieden, ob die Reifen runderneuert noch weiterverwendbar sind und wenn nicht, in welcher Weise sie dann verwertet werden: stofflich, chemisch oder thermisch.

„Durch eine fachgerechte Sortierung könnten nach aktueller Schätzung mehr als 90 Prozent des Altreifenaufkommens weiterverwendet, wiederverwendet und recycelt werden“,

heißt es in dem Bericht. Zertifizierte Entsorger würden jeden Reifen einzeln begutachten und so eine Datenlage schaffen, die auch zur Grundlage von Prognosen dienen könnte: „daraus ließen sich belastbare Mengenbilanzen für die Zukunft erstellen“. Man könne so nicht nur dem Problem der zunehmenden illegalen Reifenablagestellen zuverlässig entgegenwirken, sondern auch durch das Altreifen-Recycling wertvolle Ressourcen schonen.

„Dieses Modell EFB plus stärkt die Wertschöpfung innerhalb Europas, reduziert die Rohstoffabhängigkeit, trägt zur Energieeffizienz bei und sorgt dafür, dass so viel Reifen wie nur irgend möglich wiederverwertet werden“,

so Zare. Nun hofft der Zusammenschluss mit Zare-Netzwerkkoordinatorin Christina Guth, dass das Anliegen im Umweltministerium nach der Anhörung auch auf fruchtbaren Boden fällt. „Wir sind guter Dinge, dass wir Anfang nächsten Jahres eine Entscheidung des Ministeriums erhalten“.

Gegründet wurde Zare, ein Verbund aus derzeit 19 im Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V. (BRV) organisierten Unternehmen, um in Deutschland das Bewusstsein für eine professionelle Aufbereitung des Altreifenmaterials durch Recycling zu schärfen. Dazu werden mittlerweile nahezu flächendeckend an 26 bundesweiten sowie niederländischen Standorten der Initiative die Autofahrer aufgeklärt. Zudem informiert die Initiative die Öffentlichkeit mit ihrem eigenen Internetauftritt über die Thematik und die verschiedenen Möglichkeiten und Verfahren im Umgang mit der Gummimischung und hält für Reifenservicebetriebe und Kfz-Werkstätten Aktionspakete mit Informationsmaterial bereit.

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