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Kreislaufwirtschaft: Die 4R-Strategie von Stellantis

Als Automobilkonzern hält Stellantis nach eigenen Angaben die Circular Economy für essentiell im Kampf gegen den Klimawandel und um das angestrebte Ziel von Netto-Null-CO2-Emissionen bis 2038 zu erreichen. Mit dem „Cradle-to-Cradle“-Konzept will man bis 2030 einen Umsatz von über 2 Milliarden Euro erzielen.

Wertstoffe im Zyklus: Stellantis plant für die Kreislaufwirtschaft und hat jetzt ein umfangreiches Programm vorgelegt. | Foto: Stellantis
Wertstoffe im Zyklus: Stellantis plant für die Kreislaufwirtschaft und hat jetzt ein umfangreiches Programm vorgelegt. | Foto: Stellantis
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Claudia Leistritz
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Der französische Autokonzern Stellantis hat einen umfassenden Plan für seine Circular Economy Business Unit angekündigt. Die neue Geschäftseinheit soll bis 2030 einen Umsatz von mehr als 2 Milliarden Euro erzielen und das ehrgeizige Ziel des Unternehmens vorantreiben, bis 2038 Netto-Null-CO2-Emissionen zu erreichen. Regionale Zentren und „lokale Kreisläufe“ sind geplant und die Lebensdauer von Teilen soll vervierfacht werden.

Als einer der sieben Geschäftsbereiche, die im Strategieplan Dare Forward 2030 angekündigt wurden, erweitert die Circular Economy Business Unit ihren konsequenten 360-Grad-Ansatz, der auf der 4R-Strategie – Reman, Repair, Reuse und Recycle – basiert. Damit werde das Unternehmen seiner ethischen Verantwortung für die Zukunft gerecht und schafft einen finanziellen Wert, heißt es.

„Mit unserem 4R-Mindset haben wir nun auch begonnen, unsere Kapazitäten, Teams und Einrichtungen konsequent auszubauen und ein intelligentes, integriertes Ökosystem zu schaffen, um die Materialknappheit besser zu bewältigen und unser Ziel der Kohlenstoff-Neutralität zu erreichen",

erklärte Alison Jones, Stellantis Senior Vice President, Circular Economy Business Unit.

Hauptziele der Circular Economy Business Unit seien die maximal mögliche Verlängerung der Lebensdauer von Fahrzeugen und Ersatzteilen sowie die Rückführung von Materialien und Altfahrzeugen in den Produktionskreislauf für neue Fahrzeuge und Produkte. Diese Methodik ergänzt die Grundsätze des „Designs für die Circular Economy“ auch rund um den neuen Citroën ‚oli’ [all-ë], einem vielseitig einsetzbaren konzeptuellen Familienfahrzeug, bei dem leichte und recycelte Materialien, nachhaltige Produktionsprozesse, Erschwinglichkeit, Langlebigkeit für eine verlängerte Nutzungsdauer und verantwortungsbewusste Recyclingfähigkeit am Ende der Nutzungsdauer im Mittelpunkt stehen.

Die 4R-Strategie der Circular Economy

Stellantis hat ein umfassendes 360-Grad-Geschäftsmodell entwickelt, das auf der 4R-Strategie basiert: Reman, Repair, Reuse und Recycle:

  • Reman (Wiederaufbereitung) – Abgenutzte, verschlissene oder defekte Teile werden komplett zerlegt, gereinigt und nach OEM-Spezifikationen wieder zusammengebaut. Nahezu 12.000 Ersatzteile aus 40 Produktlinien, einschließlich Batterien für Elektrofahrzeuge, sind verfügbar.
  • Repair (Reparatur) – Verschlissene Teile werden repariert und wieder in die Fahrzeuge der Kundinnen und Kunden eingebaut. An 21 Standorten auf der ganzen Welt arbeiten die E-Reparaturzentren an Batterien für Elektrofahrzeuge.
  • Reuse (Wiederverwendung) – Rund 4,5 Millionen Ersatzteile diverser Marken aus dem Bestand, die sich noch in gutem Zustand befinden, werden aus Altfahrzeugen zurückgewonnen und in 155 Ländern über die E-Commerce-Plattform B-Parts verkauft.
  • Recycle (Recycling) – Produktionsabfälle und Altfahrzeuge werden in den Herstellungsprozess zurückgeführt. In nur sechs Monaten hat der Geschäftsbereich die Marke von 1 Million recycelter Teile erreicht.

Zentren werden um „lokale Kreisläufe“ ergänzt

Der Plan der Circular Economy Business Unit von Stellantis sieht eine deutliche Steigerung des Volumens und die Expansion in neue Länder vor. Wie bereits im September angekündigt, wird Stellantis sein führendes Circular Economy Zentrum im Jahr 2023 am Standort Mirafiori in Italien eröffnen. Dies wird die Ausweitung der aktuellen Aktivitäten von Stellantis ermöglichen und das europaweite „Cradle-to-Cradle“-Geschäftsmodell unterstützen. Das Zentrum beherbergt die Aufarbeitung und Demontage von Fahrzeugen sowie die Wiederaufbereitung von Ersatzteilen. Eine weitere globale Expansion ist geplant. Die Ziele des Geschäftsbereichs werden zudem durch die im Jahr 2016 erfolgte Übernahme von Aramis ergänzt, einem europäischen Marktführer im Online-An- und Verkauf von Gebrauchtwagen diverser Marken, der (bis Jahresende) über sieben eigene 4R-Zentren verfügen wird, strategisch verteilt über West- und Zentraleuropa.

Wiederaufbereitung von Ersatzteilen

Zusätzlich zu den Zentren für Circular Economy soll der Geschäftsbereich „lokale Kreisläufe“ nutzen, um Produkte und Materialien innerhalb von Landesgrenzen zu bewegen und so die Lieferungen an die Kundinnen und Kunden zu beschleunigen. In Brasilien werden wichtige Ersatzteile, z.B. Anlasser und Lichtmaschinen von Fahrzeugen der Stellantis-Marken, wiederaufbereitet, vertrieben und über ca. 1.000 lokale Händler verkauft − was die Philosophie der Circular Economy und das Streben nach Kohlenstoff-Neutralität unterstützt. Dies baue auf den Kompetenzen des Unternehmens auf und sei ein weiterer wichtiger Schritt bei der Umsetzung des strategischen Plans für die Circular Economy Business Unit von Stellantis, der darauf abzielt, die Einnahmen aus der verlängerten Lebensdauer von Ersatzteilen und Dienstleistungen zu vervierfachen und die Recycling-Einnahmen bis 2030 im Vergleich zu 2021 zu verzehnfachen.

Eigene Marke: Einführung von SUSTAINera

Mit der Ausweitung der Aktivitäten im Bereich der Circular Economy führt der neue Geschäftsbereich auch sein SUSTAINera-Label für Ersatzteile und Zubehör ein, das eine Material- bzw. Energieeinsparung von bis zu 80 bzw. 50 Prozent im Vergleich zu entsprechenden Neuteilen bescheinigt. Die Werte werden durch eine Lebenszyklusanalyse des entsprechenden Bestsellers in jeder Produktfamilie nach einer von dem unabhängigen Unternehmen Sphera geprüften Methodik ermittelt.

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