Bosch will ethische Grenzen für die Nutzung von KI setzen

Weltweit ist die Durchdringung der menschlichen Lebenswelt mit künstlicher Intelligenz (KI) als Antrieb für Wachstum und Fortschritt auf dem Vormarsch. Bei Bosch sollen bis 2025 alle Produkte mit KI arbeiten. Wegen auftauchender ethischer Fragestellungen in der Nutzung dieser Technologie hat das Unternehmen eine Art unternehmenseigenen Kodex als Leitlinie erstellt.

Foto: Bosch.
Foto: Bosch.
Claudia Leistritz

Demnach wolle man auf moralischer Grundlage der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEM) künstliche Intelligenz mit dem Bosch-Leitmotiv Technik fürs Leben in erster Linie als Hilfswerkzeug betrachten und nur mit übergeordneter menschlicher Kontrolle verwenden. KI soll nach einem dreistufigen Modell in verschiedenen Graden von Autonomie arbeiten.

Für die erste Stufe diene die Technologie als reines Hilfsmittel zur Klassifikation von Gegenständen oder Lebewesen, genannt Human-in-command. Als nächste Stufe treffe das System dann eigenständig Entscheidungen, in die aber der Mensch jederzeit eingreifen könne (Human-in-the-loop), wie es zum Beispiel beim teilautomatisierten Fahren mit einem Einparkassistenten geschieht. Bei der höchsten Stufe würden die Entwickler zwar mit bestimmten Parametern genau festlegen, inwieweit die Technik ein Eingreifen selbst bestimme, die letztliche Entscheidung wäre dann aber nicht mehr kontrollierbar, wie zum Beispiel beim Notbremsassistenten. Also die vollständige Autonomie des Systems unter voreingestellten Gesichtspunkten. Erst im Nachhinein prüfe dann der Entwickler, ob die Maschine die Vorgaben eingehalten habe und würde gegebenenfalls die Voreinstellungen verändern (Human-on-the-loop).

Man wolle mit seinen KI-Produkten und in Kooperation mit anderen Partnern das Vertrauen der Kunden in vernetzte und intelligente Produkte stärken, so der Pressebericht. Das werde erreicht, indem man die Technologie sicher, robust und nachvollziehbar mache. Denn wesentliches Qualitätsmerkmal sei das Vertrauen in einer vernetzten Welt, so der CDO und CTO von Bosch, Michael Bolle. Das Unternehmen will seiner Verantwortung durch Schulung von 20.000 Mitarbeitern nachkommen, die den KI-Kodex für verantwortungsvollen Einsatz einschließe. Der CEO des Konzerns, Volkmar Denner, bezeichnet den Kodex als Beitrag zur gesellschaftlichen Debatte um die künstliche Intelligenz, da die Technologie zukünftig alle Lebensbereiche verändern werde. Notwendig für Akzeptanz sei eine enge Zusammenarbeit mit Politik, Wissenschaft und Gesellschaft.

„Unser gemeinsames Ziel ist es, das Internet der Dinge sicher und vertrauenswürdig zu machen.“

Bosch engagiert sich in der High-Level-Expert-Group der Europäischen Kommission in Brüssel, die mit den ethischen Fragestellungen von künstlicher Intelligenz betraut ist. Bei dieser Kooperation sind insgesamt sieben Standorte sowie die Universität Amsterdam und die Carnegie Mellon University in Pittsburgh/USA an der Forschung von sicherer und vertrauenswürdiger KI beteiligt. Zudem gehört Bosch zu den Gründungsmitgliedern des Forschungsverbunds Cyber Valley in Baden-Württemberg und investiert dort nach eigener Aussage 100 Millionen Euro in den Bau des AI (Artificial Intelligence) Campus, wo zukünftig 700 Bosch-Experten, externe Forscher und Mitarbeiter von Start-ups zusammenarbeiten sollen. Ein vom Unternehmen gegründetes Digital Trust Forum mit elf Teilnehmern bringt außerdem internationale Verbände und Organisationen zum Austausch zusammen, als nächstes auf dem von Bosch initiierten Bosch ConnectedWorld 2020.

Die neuesten Trends und Entwicklungen will das Unternehmen am 19. und 20. Februar 2020 auf dem nächsten IoT (Internet of Things) - Branchentreff Bosch ConnectedWorld in Berlin mit über 80 Ausstellern und mehr als 170 Rednern vorstellen. So sollen unter anderem zum Beispiel durch KI-Analyse des Ladezustands und Optimierung der Batterienutzung Elektroautos länger fahren können. Für wasserstoffbetriebene Fahrzeuge will man die dazu benötigten Brennstoffzellen-Stacks künftig in Serie fertigen. Automatische Unfallerkennungen sollen per App Rettungskräfte informieren und in der industriellen Fertigung sollen intelligente Roboter künftig auch fähig sein, Geschick und Feinfühligkeit erfordernde Herstellungsprozesse zu bewältigen. Mit Home Connect will man Geräte in Gebäuden wie Heizungen und Rolläden oder auch Gartenarbeiten per App steuern. Zudem stehen auch Lösungen für smarte Landwirtschaft auf dem Plan.

Printer Friendly, PDF & Email