Intelligente Hinterachslenkung: Schaeffler kooperiert mit Bosch

Der Automobilzulieferer Schaeffler erweitert in Zusammenarbeit mit Bosch Automotive Steering sein Angebot um intelligente Hinterachslenkungen und will seine Marktchancen als Vorreiter auf dem Gebiet nachhaltig ausbauen.

Dr. Keiwan Kashi, Leiter Geschäftsbereich Mechatronische Systeme bei Schaeffler und Dr. Stefan Waschul, Leiter Produktbereich Pkw-Lenksysteme der Robert Bosch Automotive Steering GmbH besiegeln das gemeinsame Engagement rund um die Hinterachslenkung mit der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages. Foto: Schaeffler.
Dr. Keiwan Kashi, Leiter Geschäftsbereich Mechatronische Systeme bei Schaeffler und Dr. Stefan Waschul, Leiter Produktbereich Pkw-Lenksysteme der Robert Bosch Automotive Steering GmbH besiegeln das gemeinsame Engagement rund um die Hinterachslenkung mit der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages. Foto: Schaeffler.
Claudia Leistritz

Als Ziel für die Kooperation mit dem Technologiekonzern nennt das Unternehmen ein Gesamtpaket von Hinterachs-Lenksystemen für Kunden. Durch die Entwicklungskooperation entstand eine mechatronische Hinterachslenkung (iRWS), deren Software und Elektronik namens Steering Control Unit die Bosch Automotive Steering beisteuert. So sollen die Stärken beider Konzerne zusammenwirken, um den Markt auf diesem Gebiet dominieren zu können.

„Für Schaeffler ist die intelligente Hinterachslenkung ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg, bevorzugter Technologiepartner im Bereich Fahrwerksysteme zu werden“,

so Matthias Zink, Vorstand Automotive OEM bei Schaeffler.

Innovationen seit 2015

Schaeffler brachte bereits 2015 den mechatronischen Wankstabilisator (iARC) auf den Markt, der sich seitdem etabliert habe. Die daraus gewonnenen Erfahrungen dienten als Grundlage für die Entwicklung der mechatronischen Hinterachslenkung. Das Produkt entstand gewissermassen aus dem Zusammenwirkung des Schaefflerschen Mechatronik-Know-how mit ihrer Kernkompetenz auf dem Gebiet der Industrialisierung mechanischer und mechatronischer Bauteile. So sei ein je nach Kundenwunsch modifizierbares Produkt entstanden, meint Dr. Keiwan Kashi, Leiter Geschäftsbereich Mechatronische Systeme bei Schaeffler.

Mehr Komfort

Die mechatronische Hinterachslenkung biete vor allem im ausgreifenden Stadtverkehr mehr Fahrkomfort und Sicherheit. Beispielsweise verringere das Lenken der Hinterachse in die entgegengesetzte Richtung zur Frontlenkung den Wendekreis – so könne man besser manövrieren und einfacher Parkplätze finden. Auch könnten unterstützende Lenkbewegungen der Hinterachse die Handhabung vereinfachen, das Fahrverhalten stabilisieren und damit die Sicherheit erhöhen.

Leicht und leise

Die Hinterachslenkung ist mit einem Systemgewicht von bis zu acht Kilogramm verhältnismässig leicht, so Schaeffler. Möglich wird das durch den Einsatz von Leichtbautechnologien. Im Mittelpunkt des Systems verhindert ein Planetenwälzgewindetrieb durch „selbsthemmendes Verhalten“, dass sich die Hinterachslenkung ohne ausdrücklichen Fahrerbefehl verstellt und garantiere zudem einen besonders hohen Wirkungsgrad. Zudem sei das Design so geräuscharm konzipiert, dass sich die Anwendung auch in leisen E-Fahrzeugen bewähre.

Bewährte Mechatronik

Das Steering Control Unit, das Bosch entwickelt hat, ist als skalierbares Modulsystem aufgebaut, beinhaltet ein Steuergerät, einen Elektromotor sowie die Software und diene als Grundlage vieler Fahrerassistenzfunktionen, so Schaeffler. Die von Bosch mit Sicherheitsfunktionen gegen Cyber-Angriffe ausgestattete mechatronische Steuerung in der Vorderachslenkung habe sich bereits millionenfach bewährt. Eine Aktualisierung neuer Funktionen geschehe über die „Over-the-air“-Technologie. Bereits in dritter Generation werde der Steering Control Unit von Bosch seit vergangenem Jahr erfolgreich in Vorderachslenkungen eingesetzt.

„Diese Expertise bringen wir für die Hinterachslenkung in die Kooperation mit ein. Als Marktführer für Lenkungssysteme steuern wir zudem unsere Erfahrung und unser Know-how in den Breichen Software und E/E-Architektur bei“,

so Dr. Stefan Waschul, Leiter Produktbereich Pkw-Lenksysteme der Robert Bosch Automotive Steering GmbH.

Multiple Datenerfassung für die Servosteuerung

Die Lenkungssteuerung funktioniert über einen Drehmomentsensor, der die Lenksignale erfasst. Das elektronische Steuergerät errechnet daraus die optimale Lenkunterstützung und steuert den Elektromotor so, dass die aus diesen Daten berechnete, erforderliche Kraft zur Verfügung gestellt wird. Dabei fliessen in die Berechnung der Servounterstützung nicht nur die Bewegungen des Lenkrads, sondern „viele zusätzliche Fahrzeugparameter“ ein, so Schaeffler.

Schaeffler zählt zu den weltweit führenden Automobil- und Industriezulieferern und bietet Produkte aus dem Bereich Präzisionskomponenten und Systeme in Motor, Getriebe und Fahrwerk sowie wälz- und Gleitlagerlösungen für Industrieanwendungen. Schaeffler arbeitet zudem an der „Mobilität für morgen“ mit innovativen Technologien auf den Gebieten Elektromobilität, Digitalisierung und Industrie 4.0. Eigenen Angaben zufolge erwirtschaftete das Unternehmen im Jahr 2019 einen Umsatz von 14,4 Milliarden Euro. Das Familienunternehmen beschäftigt etwa 84.200 Mitarbeiter an rund 170 Standorten in über 50 Ländern. Mit etwa 2.400 Patentanmeldungen im Jahr 2019 belegte der Konzern nach DPMA (Deutsches Patent- und Markenamt) Platz zwei unter den innovationsstarken Unternehmen Deutschlands.

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