Platooning bei Lkw macht nächste Schritte

Nutzfahrzeughersteller MAN und der Logistikdienstleister DB Schenker haben eine Platooning-Kooperation angekündigt. In Singapur will Scania eine umfassende Platooning-Lösung erproben.
Im Gänsemarsch: DB Schenker will gemeinsam mit MAN erste Pilotplatoons auf der Autobahn A9 einsetzen, um Erkenntnisse in der realen Praxis zu sammeln. (Foto: VW AG)
Im Gänsemarsch: DB Schenker will gemeinsam mit MAN erste Pilotplatoons auf der Autobahn A9 einsetzen, um Erkenntnisse in der realen Praxis zu sammeln. (Foto: VW AG)
Redaktion (allg.)

Die Partnerschaft soll dazu dienen, Platooning unter Alltagsbedingungen über einen längeren Zeitraum zu erproben und aussagekräftige Daten zu gewinnen, teilten die Partner mit. Zu diesem Zweck soll ab 2018 ein Lastwagen-Platoon auf der Autobahn A9 zwischen München und Nürnberg verkehren. Darüber hinaus soll der Platoon auch auf dem Werksgelände von DB Schenker in Nürnberg eingesetzt werden. Angesichts wachsender Verkehrsbelastung auf den öffentlichen Straßen bestehe großer Bedarf an einem verbesserten Verkehrsfluss, argumentierten die Kooperationspartner. Die Vorteile von Platooning lägen auf der Hand. Dank des niedrigen Abstands der Lkw von nur zehn bis fünfzehn Metern könne eine Kraftstoffeinsparung von bis zu zehn Prozent erreicht werden, mithin eine deutliche Reduzierung der CO2-Emissionen. Als weiteren Vorteil sieht man die verringerte Unfallgefahr.

„Die Pilotprojekte sind wichtige Bausteine für einen effizienteren Gütertransport auf der Straße. Nun ist der Gesetzgeber aufgerufen, den entsprechenden Rahmen zu schaffen, damit Platooning auf öffentlichen Straßen eingeführt werden kann“, forderte Andreas Renschler, Mitglied des Vorstands der Volkswagen AG und CEO der Volkswagen Truck & Bus GmbH. „Wir wollen gemeinsam mit DB Schenker zeigen, was Platooning im Alltag leisten kann“, ergänzte sein Kollege Joachim Drees, Vorsitzender des Vorstands der MAN SE und der MAN Truck & Bus AG.

Als Platooning bezeichnet man ein Fahrzeug-System für den Straßenverkehr, bei dem mehrere Lkw mit Unterstützung durch technische Fahrassistenz- und Steuersysteme in geringem Abstand hintereinander fahren können. Eine sogenannte elektronische Deichsel verbindet die beteiligten Lkw. Der Fahrer des ersten Fahrzeugs bestimmt Geschwindigkeit und Richtung. Jeder Platooning-Lkw hat einen Fahrer an Bord, der im Notfall eingreifen kann. Die Einführung von Platooning in Europa ist technisch ab etwa 2020 machbar. Die Umsetzung hängt von der Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen in den EU-Ländern ab. Ungeklärt sind auch etwaige Kompensationen für den „Platoon-Führer“ und den Einsatz von gemischten Flotten in Platoons.

Auch das MAN-Schwesterunternehmen in der VW Truck&Bus-Holding, Scania, will im Rahmen des weltweit größten Pilotprojekts dieser Art in Singapur eine umfassende Platooning-Lösung entwickeln und erproben. Dabei sollen Platoons von jeweils vier Fahrzeugen eine Distanz von zehn Kilometern über öffentliche Straßen zurücklegen, um Container zwischen verschiedenen Hafen-Terminals zu transportieren. Der Fahrer des ersten Lastwagens gibt Tempo und Richtung vor, die folgenden drei Fahrzeuge fahren autonom, skizziert der Hersteller. Auftraggeber für dieses Projekt sind die Hafenbehörde Singapurs und das Verkehrsministerium. Aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte und des Fahrermangels sei die Regierung von Singapur offen für technologiebasierte neue Transportlösungen, schildert der Anbieter den Hintergrund. Während der ersten Phase des Projekts werde die Scania-Technologie auf dem werkseigenen Testgelände in Södertälje, Schweden, an die lokalen Anforderungen angepasst. Nach erfolgreichem Abschluss sehe die zweite Phase Testeinsätze vor Ort vor.

(jr)
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