"Partner müssen Service-Kernprozesse umsetzen"

Carat ist mit zwei Werkstattsystemen im Nfz-Segment unterwegs. Von sich reden machen die Mannheimer zudem mit ihrer Digitalisierungsstrategie. PROFI Werkstatt hat Systemleiter Ralf Gores zu beiden Themen befragt.

Ralf Gores ist seit 2010 bei Carat. Er ist aktuell für die Werkstattsysteme in den Segmenten Pkw und Nfz verantwortlich. (Bild: Carat)
Ralf Gores ist seit 2010 bei Carat. Er ist aktuell für die Werkstattsysteme in den Segmenten Pkw und Nfz verantwortlich. (Bild: Carat)
Martin Schachtner

 

PROFI Werkstatt: Lassen Sie uns mit ihren Werkstattsystemen ad truckdrive und Truck Services starten. Was erwartet die Carat von den Servicepartnern?
Ralf Gores: Wir erwarten von dem Servicepartner eine gewisse Grundausstattung, beispielsweise in Form von Werkstattausrüstung, Know-how, Gebäudetechnik oder auch Parkplätze. Beim Konzept Truck-Service gibt es weniger Anforderungen. Hier kommt es uns insbesondere auf das Fachwissen an. Auch eine Bereitschaft zur Weiterbildung sollte vorhanden sein. Außerdem erwarten wir, dass die Systempartner unserer Service-Kernprozesse umsetzen. Aus diesem Grund führen wir über unseren Außendienst Werkstatttests bei den ad truckdrive-Partnern durch. Sollten sich Lücken auftun, besprechen wir diese und bieten Schulungen an.

Wie viele Partnerbetriebe haben Sie denn in den beiden Systemen?
ad-Truckservice zählt 80 Betriebe, ad-Truckdrive hat aktuell 120.

Wie groß ist der Partnerbeirat?
Der Partnerbeirat besteht aus sechs ad-Truckdrive-Systempartnern. Gewählt wird alle drei Jahre. Wir planen, den Partnerbeirat künftig längere Zeit zu halten. Drei Jahre sind eigentlich zu kurz, schließlich haben die aktuell gestarteten Projekte eine längere Laufzeit. Wir möchten ausschließen, dass ein neuer Partnerbeirat die Projekte nach drei Jahren eventuell nicht genauso stark mitträgt. Außerdem gibt es zukünftig zwei Beisitzer – einfach weil wir eine große Teilnahme gewährleisten wollen.

Über wie viele Gesellschafter verfügt Carat?
Aktuell sind wir bei 124, Tendenz steigend. Wie Sie wissen, haben wir unser Herzstück ad-Cargo kooperationsübergreifend geöffnet. In der Vergangenheit konnten lediglich Carat-Gesellschafter Ersatzteile aus unserem Zentrallager ad-Cargo beziehen. Vor dem Hintergrund der Konsolidierungstendenzen im Teilehandel haben wir uns für diese Öffnung entschieden. Wir möchten mittelständische Händler unterstützen und eine Einkaufsalternative bieten. Natürlich ist uns daran gelegen, ernsthafte Bezieher und wirkliche Kommanditisten zu erreichen. Also solche, die bereit sind, als Miteigentümer ad-Cargo weiterzuentwickeln.

Externe Kunden sind nicht gleichbedeutend mit Gesellschafter, richtig?
Korrekt. Wir unterscheiden zwischen Carat-Kooperationspartner – und ein solcher ist der ad-Cargo Kommanditist –  und dem Carat-Gesellschafter. ad-Cargo-Kommanditisten haben als Miteigentümer eine Best-Preis-Garantie in der jeweiligen Umsatzstaffel. Von dem stetig steigenden Absatzvolumen profitieren Carat-Gesellschafter als auch ad-Cargo-Kommanditisten gleichermaßen. Das ist die Grundidee dahinter.

Wie groß ist der Anteil an Nutzfahrzeugteilen im Zentrallager in Castrop-Rauxel?
Die Lagerbestände umfassen ganz grob ein Stückzahl-Verhältnis von 70 Prozent Pkw-Teilen zu 30 Prozent Nkw-Komponenten. Beim Raumvolumen hält sich das Verhältnis in etwa die Waage. Lkw-Teile benötigen schließlich mehr Platz. Wir haben alle führenden Marken im ad-Cargo-Lager gelagert. Zudem führen wir die Handelsmarke Corexx. Im Nkw-Bereich bauen wir Corexx gerade stark aus, um uns weiter vom Markt zu differenzieren.

Gutes Stichwort. Was steckt hinter Corexx?
Corexx ist eine exklusive Handelsmarke der Carat, die sich binnen weniger Jahre zu einer festen Größe im Verschleißteilesegment entwickelt hat. Dieser Erfolg ist vor allem auf die Kombination aus  hervorragender Qualität und attraktiver Preisstellung zurückzuführen. Gerade die Qualität steht bei Corexx besonders im Fokus – sie wird permanent überwacht und unabhängige Tests belegen, dass Corexx auf dem Level der Erstausrüster einzustufen ist. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass wir so gut wie keine Reklamationen aus dem Markt erhalten. Zusammen mit unseren Vorlieferanten bauen wir das Sortiment immer weiter aus und bieten unseren Gesellschaftern sowie deren Werkstattpartnern eine echte Alternative bei preisumkämpften Warengruppen. Hierbei hat das umfangreiche Bremsensortiment für Pkw und Nkw die größte Bedeutung, letztlich werden aber alle wichtigen Warengruppen unter der Marke Corexx angeboten.    

Ich würde ganz gern noch ein bisschen über das Thema Digitalisierung sprechen. Da ist ja die Carat sehr weit vorne. Wie entwickelt sich Ihre Digitaltochter, die Mecanto GmbH?
Lassen Sie mich etwas ausholen: In 2017 wurde die Gründung der  Mecanto GmbH ebenso wie die Öffnung von ad-Cargo beschlossen.  In diesen zwei Jahren haben wir  in  einem intensiven Entwicklungs- und Lernprozess die ursprüngliche Shop-Idee über eine Werkstattplattform bis hin zu einer umfangreichen Mobilitätsplattform weiterentwickelt. Hierbei sind auch die teuren Erfahrungen anderer Anbieter eingeflossen, die leidvoll feststellen mussten, dass  Autofahrer nicht über geschlossene digitale Werkstattlösungen in den IAM gesteuert werden können. Nur wenn ein echter Nutzen und ein wertvolles Komforterlebnis angeboten werden, sind die Autofahrer auch bereit, solche Dienste über eine App zu nutzen. Über diese App sind also viele Mobilitätsdienstleistungen wie Bezahlfunktion an der Tankstelle, Parkplatzsuche oder auch eine Fahrtenbuchfunktion nutzbar und letztlich auch die Onlineterminvereinbarung und Buchung von Werkstattleistungen zum Festpreis möglich. Unter der Marke Drivemotive wird die Mecanto GmbH diese Dienste anbieten und sich hierbei auch ganz offen als Branchenlösung des IAM anbieten. D.h. der IAM muss hier mit vereinten Kräften eine digitale Mobilitätsplattform als Antwort auf die Steuerungsmaßnahmen der Fahrzeughersteller entwickeln, ansonsten wird das Reparaturvolumen tendenziell an den gebundenen Markt verloren gehen.

Mich interessiert natürlich noch der Nutzfahrzeugbereich. Als Schnittstelle im Pkw-Bereich fungiert der Dongle des Anbieters Pace. Im Nutzfahrzeugbereich nutzt Drivemotive die Lösung eTruck von Texa. Welche Informationen, Stand heute, werden denn schon abgefragt?
Das stimmt, im Nutzfahrzeugbereich fahren wir gerade ein Pilotprojekt mit dem eTruck von Texa. Wir bekommen bedeutend mehr Informationen als im Pkw-Bereich. Der eTruck-Dongle bietet auch mehr Möglichkeiten: So können aus der Ferne Fehlermeldungen gelöscht bzw. beeinflusst werden. Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Ein Temperaturfühler im Motor nimmt falsche Werte und das Motorsteuergerät reduziert in der Folge die Leistung. Aus der Ferne erkennt die freigeschaltete Werkstatt, dass es sich um eine bekannte, völlig unkritische Fehlfunktion des Motormanagement handelt. So kann eine Onlineverbindung genutzt werden, um  mit dem Fahrer Kontakt aufzunehmen. Nachdem er bzw. der Disponent akzeptiert hat, nehmen die Kfz-Techniker aus der Ferne Einfluss auf die Motorsteuerung und löschen den Fehlercode, so dass die maximale Motorleistung wieder zur Verfügung steht. Diese Art Hilfestellung geht im Moment im Pkw-Sektor nicht.

Herr Gores, danke für das Gespräch!

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