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Stellantis: Bis zu 400 Millionen Tonnen weniger CO2 mit E-Fuels

In einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Energiekonzern Aramco fand der Autohersteller heraus, dass ein großer Teil seiner Verbrennerfahrzeuge, mit kohlenstoffarmen E-Fuels betrieben, ganz wesentlich zur Einsparung von CO2-Emissionen beitragen könnte.

Stellantis und Aramco forschen am Potential von E-Fuels als kohlenstoffarmem Ersatz für fossile Treibstoffe. | Bild: Stellantis/Aramco.
Stellantis und Aramco forschen am Potential von E-Fuels als kohlenstoffarmem Ersatz für fossile Treibstoffe. | Bild: Stellantis/Aramco.
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Claudia Leistritz

Als einer der Hauptverursacher von schädlichen Treibhausgasen gelten Verbrennermotoren. Der weitaus größte Anteil an Fahrzeugen beruht trotz der zunehmenden Elektrifizierung derzeit und wohl noch auf viele Jahre hinaus auf dieser Technologie, die für den Betrieb in der Regel auf CO2-emittierende, fossile Kraftstoffe angewiesen ist. Einen Beitrag zur Senkung der Emissionen des Fahrzeugbestands könnten jedoch zum Beispiel synthetische Treibmittel, sogenannte E-Fuels darstellen, die sich umstandslos als Ersatz für Diesel oder Benzin verwenden lassen und als klimafreundlich gelten. Um die Eignung des Sprit-Ersatzes zumindest an seinen eigenen Fahrzeugmarken zu prüfen, hat sich Stellantis als einer der größten Autohersteller überhaupt mit dem weltgrößten Ölkonzern Saudi Aramco zu einem entsprechenden Forschungsprojekt zusammengetan.

Rund 28 Millionen Stellantis-Fahrzeuge E-Fuel-tauglich

Stellantis, das unter seinem Dach 14 Automarken wie Peugeot, Fiat, Citroën, Chrysler, Opel, Fiat, Lancia oder Alfa Romeo vereint, ging 2021 aus der Fusion von FCA (Fiat Chrysler Automobiles) und Peugeot hervor. Der Autohersteller mit Hauptsitz in den Niederlanden betreibt in Europa mehrere Testzentren, in denen man die Kraftstoff-Motorkombination mit E-Fuels des arabischen Erdölförder- und Chemiekonzerns Aramco mehrere Monate lang ausführlichen Prüfungen unterzog. Laut Pressemeldung stellte sich heraus, dass von allen europäischen Stellantis-Fahrzeugen insgesamt 24 Motorenfamilien, die seit 2014 (mit Abgasnorm Euro 6) produziert wurden, „mit den erwarteten E-Fuels-Zusammensetzungen kompatibel“ sind. Das heißt dass rund 28 Millionen auf den Straßen befindliche Fahrzeuge mit diesem „Drop-in“-Treibstoff einen Beitrag zur Dekarbonisierung leisten könnten, ohne dass dafür der Antriebsstrang in irgendeiner Weise verändert werden müsste. Man tankt an der Tankstelle einfach einen anderen Treibstoff.

Mindestens 70 Prozent weniger CO2-Emissionen

Die kohlenstoffarmen E-Fuels werden als synthetische Drop-in-Kraftstoffe dadurch hergestellt, dass direkt aus der Atmosphäre oder aus Industrieanlagen gewonnenes CO2 mit „erneuerbarem“ oder auch „grünem“ Wasserstoff reagiert. Der dafür verwendete Wasserstoff wurde also mit Strom aus erneuerbaren Quellen wie beispielsweise Windkraft, Solaranlagen, Biomasse oder Biokraftstoffen erzeugt. Diese kohlenstoffarmen E-Fuels können den Angaben zufolge die Kohlendioxidemissionen bestehender Verbrennerfahrzeuge „im Vergleich zu herkömmlichen Kraftstoffen über den gesamten Lebenszyklus um mindestens 70 Prozent senken“, wie die beiden Unternehmen berichten.

Stellantis will nach eigenen Aussagen bis 2038 „ein Unternehmen mit Netto-Null-CO2-Emissionen“ werden. Das bekräftigt Ned Curic, Stellantis Chief Engineering und Technology Officer. Für dieses Ziel prüfe man alle Lösungen, lege jedoch neben der Möglichkeit, die Fahrzeuge mit E-Fuels zu dekarbonisieren, den Schwerpunkt auf die Elektrifizierung:

„Unsere Priorität ist eine emissionsfreie Mobilität für alle mit Fokus auf die Elektrifizierung. Unsere Zusammenarbeit mit Aramco ist ein wichtiger und komplementärer Schritt auf diesem Weg für die bereits auf der Straße befindliche Fahrzeugflotte.“

Sofort möglich, leicht umsetzbar, wirksam

Mit der Verwendung dieser E-Fuels, die auch den Kraftstoffnormen entsprechen, könnten die CO2-Emissionen bestehender Fahrzeugflotten praktisch sofort drastisch vermindert werden, heißt es. Es wäre sehr leicht für Stellantis-Kunden, auf wirtschaftlich effiziente Weise ihren CO2-Fußabdruck zu optimieren. 

„Sie müssen lediglich eine andere Zapfsäule an der Tankstelle wählen, ohne dass ihre Fahrzeuge umgerüstet werden müssen.“

Die Kraftstoffmisschungen von Aramco seien so konzipiert, dass sie „den erwarteten E-Fuel-Eigenschaften in den vorhandenen Fahrzeugmotoren“ entsprächen, sagt Amer Amer, Aramco Tansport Chief Technologist. Die Testergebnisse hätten gezeigt, dass synthetischer Kraftstoff praktisch eine Sofortlösung für bestehende Fahrzeuge darstellen könnte:

„Wenn der synthetische Kraftstoff auf kohlenstoffarme Weise hergestellt wird, kann er eine wichtige Rolle bei der Verringerung der Kohlenstoffemissionen im Verkehrssektor spielen und eine geregelte Energiewende unterstützen.“

Der Autokonzern Stellantis selbst hat sich mit seinem langfristigen Strategieplan „Dare Forward 2030“ nach eigenen Angaben die Halbierung seiner CO2-Emissionen bis 2030 „im Vergleich zu 2021“ vorgenommen. Netto-Null-CO2-Emissionen sind bereits für das Jahr 2038 geplant.

Einsparung von 400 Millionen Tonnen CO2 bis 2050

Laut Angaben des Autobauers ließen sich, wenn diese rund 28 Millionen für E-Fuels geeigneten Stellantis-Fahrzeuge die kohlenstoffarmen E-Fuels tatsächlich alle verwendeten, im Zeitraum von 2025 bis 2050 in Europa rund 400 Millionen Tonnen CO2 einsparen.

Das umfassende Forschungsprojekt mit dem künstlich hergestellten Kraftstoff bezog sich auf eine Vielzahl von Faktoren und untersuchte beispielsweise Abgasemissionen, Startfähigkeit, Motorleistung, Zuverlässigkeit, Haltbarkeit, Ölverdünnung, Kraftstofftank, Kraftstoffleitungen und Filter sowie Kraftstoffleistung bei extremer Kälte wie auch hohen Temperaturen.

Nun ist Aramco gemeinsam mit dem saudi-arabischen Energieunternehmen Enowa (Neom Energy und Water Company) damit befasst herauszufinden, wie die Herstellung von kohlenstoffarmen synthetischen Kraftstoffen am besten zu bewerkstelligen sei. Dazu sind laut Bericht in Saudi-Arabien zwei Demonstrationsanlagen in Betrieb, die die Herstellung von synthetischem Benzin für Pkw vorführen sollen.

Straßentransport, Flugverkehr, Rennsport

Eine weitere Kooperation auf dem Gebiet besteht mit dem spanischen Mineralölkonzern Repsol. Dazu wird im nordspanischen Bilbao ebenfalls an der Herstellung von kohlenstoffarmem Kraftstoff geforscht, jedoch speziell fokussiert auf synthetischen Diesel sowie Kerosin für Fahrzeuge und Flugzeuge.

Und auch das Rennsportsegment hat Aramco ins Auge gefasst und testet nach eigenen Angaben mit Motorsportteams und Rennveranstaltern die Anwendungsmöglichkeiten der CO2-armen Treibstoffe als Drop-in-Lösung in deren Verbrennermotoren mit dem Ziel, den CO2-Ausstoß zu verringern.

Der europäische Automobilherstellerverband Acea verzeichnete im Jahr 2019 insgesamt rund 250 Millionen Pkw, 28 Millionen leichte Nutzfahrzeuge, 6,3 Millionen Lkw und 700.000 Busse auf Europas Straßen. Zum Antrieb dient bei Pkw etwa hälftig Benzin und Diesel, bei leichten und schweren Nutzfahrzeugen sowie Bussen zu mindestens 90 Prozent Diesel als Kraftstoff. Den weltweiten Fahrzeugbestand beziffern verschiedene Datenplattformen derzeit mit rund 1,4 Milliarden Kfz. Laut dem der google-Plattform angeschlossenen Forschungsinstitut Hedges & Company sind die Gebiete mit dem höchsten Anteil die USA (24 Prozent), Europa (EU-Länder alleine rund 20 Prozent, die „nicht EU-Länder“ eingeschlossen: 28 Prozent) und Asien (36 Prozent).

Mit dem Pariser Klimaabkommen von 2015, dem mehrere Übereinkommen vorangegangen waren, haben sich fast alle Länder der Welt (die EU-Länder ausnahmslos) dazu bereit erklärt, die Erderwärmung durch Minderung von als klimaschädlich eingestuften Gasen aufhalten zu wollen, vor allem CO2. Die 27 europäischen Mitgliedsstaaten haben sich in der Folge, initiiert von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, 2019 mit dem „European Green Deal“ dazu verpflichtet, bis 2050 „klimaneutral“ zu werden, also als „erster klimaneutraler Kontinent netto-null Emissionen“ auszustoßen. Das daraus hervorgehende „Fit-for-55“-Paket soll dazu führen, dass die Rechtsvorschriften der EU diesen Klimazielen angepasst werden und enthält „eine Reihe von Vorschlägen“, um dieses Vorhaben zu erreichen. Dazu will man nach eigenen Worten Wirtschaft und Gesellschaft umgestalten, sodass unter anderem die Netto-Treibhausgasemissionen der EU bis 2030 um mindestens 55 Prozent niedriger liegen als 1990.

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