TMD Friction zielt auf MEAAP-Region

Der Spezialist für Bremsbeläge hat sich in den vergangenen Jahren auf das stark wachsende Aftermarket-Geschäft der Region Mittlerer Osten, Afrika, Asien & Pacific (MEAAP) ausgerichtet. Im Fokus der Vertriebsaktivitäten steht die Berücksichtigung regionaler Unterschiede.

Die TMD Friction Partner-Werkstatt in Taipeh, Taiwan. | Bild: TMD Friction.
Die TMD Friction Partner-Werkstatt in Taipeh, Taiwan. | Bild: TMD Friction.
Claudia Leistritz

Die südostasiatischen Regionen und Afrika zählen auch im Automotive Aftermarket weltweit zu den bedeutendsten Wachstumsmärkten. Als einer der größten Anbieter für Bremstechnologie für den Erstausrüster- wie den Ersatzteilmarkt hat sich der Konzern mit deutschen Standort in Leverkusen strategisch mit eigenen regionalen Verkaufsteams, aber auch Produktions- und Lagerstätten dorthin orientiert. Denn mit der Nähe zum Kunden könne man den dortigen Bedarf wesentlich schneller, besser und direkter abdecken, berichtet das Unternehmen.

Verantwortlich für den dortigen Vertrieb unter Berücksichtigung regionaler Eigenheiten ist Marco Loth, Vice President und Commercial Director MEAAP bei TMD Friction, der die Gebiete seit 18 Jahren kennt. Denn zentralistisch gesteuerte, europäische Organisationsstrukturen könne man heute kaum noch in anderen Ländern etablieren, die über ganz unterschiedliche Marktgrundlagen verfügten. Um zukunftsfähig zu bleiben, müsse man sich sowohl an der Dynamik der dortigen Märkte wie den spezifischen Bedürfnissen der Kunden und Vertriebspartner orientieren.

Seit 2016 eigene Standorte

So habe man sich vor sieben Jahren an einer Ausrichtung am Kunden entschieden, um die eigenen Marken entsprechend der Marktanforderungen, Fahrzeugsegmente und Preisklassen zu positionieren. In diesem Zug startete der Bremsenspezialist, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der japanischen Unternehmensgruppe Nisshinbo Holdings, im Jahr 2016 die Installierung eigener Präsenzen in den genannten Gebieten. Mittlerweile hat das Unternehmen eigene Verkaufsbüros in Dubai, Singapur und Shanghai eingerichtet, in denen laut Bericht insgesamt mehr als 30 Mitarbeiter beschäftigt sind. Warenlager betreibt TMD Friction zudem in Shanghai und Qingdao, eigene Produktionsstätten in China, die unter eigener Aufsicht oder derjenigen des Mutterkonzerns Nisshinbo stehen.

Ansehen gesteigert

Mit der Präsenz lokaler Mitarbeiter und der damit einhergehenden, wachsenden Akzeptanz der Produkte in der MEAAP-Region habe man seine Position stärken und für ein weiteres Wachstum ausbauen können, um die sich abzeichnenden riesigen Potenziale bedienen zu können. Laut dem Datenspezialisten im Automotive Aftermarket TecAlliance kommt allein China auf 20 Millionen Neuzulassungen jährlich und verfügt über insgesamt 244 Millionen Zulassungen; knapp zwei Drittel davon (155 Millionen) sind asiatische, der Rest (89 Millionen) nicht-asiatische Modelle. Das durchschnittliche Alter dieser Fahrzeuge beträgt etwa fünf Jahre und lasse für den Aftermarket einen großen Zuwachs erwarten. Im Vergleich dazu werden in Deutschland jährlich knapp drei Millionen Pkw zugelassen, mit einem Durchschnittsalter von 10 bis 11 Jahren, berichtet TMD Friction. Daneben liessen aber auch Indonesien und Afrika mit einer wachsenden, wohlhabenden Mittelschicht zukünftig einen hohen Bedarf für den Aftermarket erwarten.

Regionale Vorlieben

Die mehr als fünf Milliarden Einwohner der riesigen MEAAP-Region würden jedoch trotz der Mentalitätsunterschiede oft den gleichen Fahrzeugtyp nutzen; so finde man beispielsweise den baugleichen Toyota sowohl in Kenia wie in Ghana, Malaysia, Japan oder China.

Unterschiede zeigten sich dann aber in den Kundenwünschen. Im Gegensatz zur Betonung beispielsweise von Performance in Europa würden Autofahrer in Asien und im Mittleren Osten mehr Wert auf den Gesichtspunkt Komfort legen wie geringe Staubentwicklung und Geräuscharmut beim Bremsen. Weit vorne stehe auch das Prestige. Daher sorge das Unternehmen zum Beispiel mit einer speziellen Reibmittelkategorie bei den Bremsbelägen dafür, dass der Abrieb und somit die Ablagerung von Bremsstaub auf den Alufelgen bei dennoch hoher Bremsleistung gering bleibt.

Unterschiede im Geschäftsablauf

Auch müsse man auf die noch geringe Digitalisierung der einzelnen Regionen eingestellt sein, denn vielfach würden Bestellungen noch in Papierform übermittelt. Zudem gebe es im Unterschied zu den mittlerweile vielfach gebündelten Aktivitäten im globalen, vor allem US-amerikanischen oder europäischen Ersatzteilgeschäft dort mit einer Abdeckung von etwa 80 Prozent im Handel noch viel mehr Familienbetriebe mit einem hohen Stellenwert von persönlichen Beziehungen. Mit einheimischen Sales-Mitarbeitern könne man daher auch leichter Vertrauen aufbauen, bestehende Geschäftsbeziehungen durch einen guten Kundendienst erhalten. Die Präsenz reduziere auch den zeitlichen Aufwand in der Kommunikation von Büros und Kundenstandorten, vor allem auch weil die Mitarbeiter mit Sprache und Kultur vertraut sind.

Verfügbarkeit sichergestellt, auch in der Pandemie

Zentraler Gesichtspunkt sei auch die Produktverfügbarkeit. Denn als Premiumhersteller wolle man auch Premiumservice bieten, meint Loth: „Das bedeutet unter anderem Produktqualität, hohe Liefersicherheit und hohe Verfügbarkeit der Waren.“

Diesen Kundendienst könne man durch die eigenen Produktionsstätten und Lager vor Ort leisten. So habe TMD Friction auch in der Coronakrise die Kapazitäten nicht reduziert, sondern aufgestockt und die bestmögliche Verfügbarkeit gewährleistet. Wegen der Direktlieferung von Markenprodukten aus den asiatischen Werken konnte sogar die Lieferfrist in den Mittleren Osten von sechs auf zwei Wochen verkürzt und auch die Höhe der Frachtkosten verringert werden. In der Vergangenheit seien dagegen die gefertigten Produkte zunächst erst einmal nach Europa verschifft, dort gelagert und erst später zum Zielort transportiert worden.

Bandbreite an Premium- und Budget-Produkten

TMD Friction stellt Bremsbeläge im Premiumsegment für Pkw wie Lkw bereit, sowohl für den Automotive Aftermarket wie direkt als Erstausrüster für die europäischen Automobilmarken. Der Mutterkonzern Nisshinbo spielt in Asien als Erstausrüster eine große Rolle. Das Markenportfolio beider Unternehmen deckt somit den Großteil der Fahrzeuge im Pkw- und Nfz-Segment ab.

Produktionssteigerung der Marken Textar und Nisshinbo

Wichtigste TMD-Friction-Marke für den Aftermarket in der MEAAP-Region ist laut eigenen Angaben Textar, die im europäischen Aftermarket für Premiumfahrzeuge bereits seit Jahrzehnten etabliert ist. Um die Marke zu stärken werde die Produktpalette zudem laufend ergänzt. Da der Aftermarket für asiatische Fahrzeugprodukte stark wächst, will man laut Pressebericht außerdem in den nächsten 12 Monaten die Lagerkapazitäten in China für die Produkte des Mutterkonzerns Nisshinbo noch weiter ausbauen.

Drei Preissegmente

Als Erstausrüster asiatischer Fahrzeuge mit der Marke Nisshinbo hat TMD Friction laut eigenen Aussagen in der Region bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad, das komme dem Ruf als Anbieter von Qualitätsprodukten zugute. Alle Artikel von TMD Friction unterliegen den Tests und Freigaben gemäß der OE-Richtlinien. Dabei wird die Marke Textar final in Europa freigegeben, Nisshinbo dagegen am Hauptsitz in Japan. Das Unternehmen bietet zudem preisgünstigere Alternativen unter den Marken Mintex für das mittlere und DON für das Budgetsegment an.

Aftermarket für Lkw

Produkte für Lkw offeriert TMD Friction zudem im Ersatzteilgeschäft der Regionen Afrika, Mittlerer Osten, Australien und Neuseeland: Im Premiumsegment die Marke Textar, für die Budgetsparte DON. Und auch hier, so das Unternehmen, greife man wegen der damit verbundenen Qualität bevorzugt auf die als Erstausrüster etablierte Marke zurück.

Mehr zum Unternehmen: tmdfriction.com

Zur Nisshinbo-Gruppe: nisshinbo.co.jp/english/index.html

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