Teils besser als das Original: ADAC testet Bremsen aus dem Zubehörhandel

Bremsen aus dem Originalersatzteilmarkt bieten in der Regel gute Qualität, haben aber auch ihren Preis. Wie Ersatz-Produkte im Vergleich mit dem Original abschneiden, hat der ADAC anhand von fünf alternativen Marken an einem VW Golf 7 geprüft.

Der ADAC hat alternative Bremsen im Praxistest mit dem Original verglichen. Bild: jpj2000nl | Pixabay.
Der ADAC hat alternative Bremsen im Praxistest mit dem Original verglichen. Bild: jpj2000nl | Pixabay.
Claudia Leistritz

Ein Austausch verschlissener Bremsen kann je nach Fahrzeugmodell einige hundert bis mehrere tausend Euro kosten. Aber nicht immer werden die teuren Originale verwendet. Freie Werkstattketten bieten zuweilen günstige Bremsenwechsel an und setzen dabei Markenprodukte aus dem Zubehörhandel ein. Der ADAC hat fünf Bremssysteme anhand der Kategorien Sicherheit, Lebensdauer und Umweltverträglichkeit mit dem Original-Ersatzteil von VW an einem Golf 7 verglichen.

Tests am Prüfstand und auf der Strecke

Einerseits wurden Bremsleistung und Verschleiß am Prüfstand anhand der zwei Bremsenzyklen moderat und hoch beansprucht untersucht. Auf der Teststrecke ging es dann um den Einfluss der verschiedenen Bremssysteme auf das Fahrverhalten. In der Gewichtung wurden insgesamt die Bremsleistung mit 70 Prozent, der Verschleiß mit 30 Prozent bewertet.

Fünf Markenprodukte

Als Vergleich diente das Erstausrüsterprodukt von VW. Die getesteten Zubehörmarken waren die zwei Sportbremsen von Brembo (Xtra-Line) und Zimmermann (CoatZ), eine bremsstaubreduzierte Bremse von ATE (Ceramic), eine günstige Markenbremse von Bosch („hochgekohlt“) sowie eine Budgetbremse von Ridex. Alle Produkte erfüllen die europaweit geltende Norm UN-R 90.

Die Preisspanne für ein Set von vier Bremsscheiben reicht von 432 Euro bei VW bis zu 100 Euro bei Ridex. Zum Preis hinzuzuzählen sind dann noch die je nach Werkstatt mehr oder weniger stark abweichenden Einbaukosten.

Bremswege fast gleich

Von den fünf Zubehörmarken schnitten laut ADAC vier mit der Bewertung „gut“ ab und konnten sich mit dem teuren Originalprodukt messen lassen. Nur Ridex erhielt das Gesamturteil „befriedigend“.

Bei der Bremsleistung, die der ADAC bei allen als grundsätzlich gut beurteilt, brauchten vier Marken bei einer aus 100 km/h erfolgten Bremsung laut Bericht einen halben Meter mehr als das VW-Produkt, Ridex einen Meter. Allerdings habe die letztere Marke beim Heißbremsen im Labor einen schlechteren Reibwert erzielt. Den besten Wert, noch vor VW, erhielt hier Brembo mit der Note 1,3, den geringsten Ridex mit 4,1.

Beim Verschleiß landete ATE mit 1,0 ganz vorne, Brembo mit 4,7 am Ende, Ridex dagegen erhielt mit 2,2 den zweitbesten Wert.

Bremsassistent gleicht aus

Die geringen Unterschiede bei den Bremswerten führt der Verkehrsexperte auf den seit 2009 in allen neuen Pkw serienmässigen Bremsassistenten zurück, der ruckartiges Bremsen als Notsituation einstuft und sofort den Bremsdruck und damit die Verzögerung bis zum ABS (AntiBlockierSystem)-Regelbereich erhöht.

Die sportlicheren, gelochten Bremsscheiben hätten sich nicht auf Bremsleistung oder Verschleiß ausgewirkt, so der ADAC. Allerdings würden gelochte Scheiben weniger direkte Feinstaubemissionen freisetzen, da der Abrieb sich in den Löchern sammle, zu größeren Partikeln verklumpe und somit weniger in die Luft gerate.

Testsieger: ATE

Am besten bewertet der ADAC die Ceramic-Bremse von ATE. Sie neige zu geringem Verschleiß und wenig Felgenverschmutzung und weise den besten Reibwert auf. Auch bei den anderen Werten schneide sie immer noch gut ab. Bei hoher Belastung sei zwar die Verschmutzung so hoch wie bei den Vergleichsmodellen, der Bremsstaub ließe sich bei diesem Produkt allerdings am leichtesten entfernen.

Die Original-VW-Bremssscheibe schnitt in der Beurteilung bei allen Werten konstant gut ab und beweist damit damit laut ADAC hohe Sicherheit und gleichbleibende Bremsenreaktion. Allerdings sei die Lebensdauer mit dem hohen Belagverschleiß geringer und erfordere damit wohl häufigere Bremsenwechsel. Dennoch empfehle der ADAC das Originalprodukt für „alle Anwendungsfälle“, so der Bericht.

Die Sportbremse der italienischen Marke Brembo mit gelochten Scheiben erzielte auf dem Prüfstand die höchste Bremsleistung, kam jedoch unter Beanspruchung wegen Fading (temperaturbedingter Abfall des Reibverhaltens) auf einen noch unter der VW-Bremse liegenden Reibwert. Auch verschlissen hier Scheiben und Belag „um ein Vielfaches“ stärker als die Vergleichsprodukte, so der ADAC, und unterschritten bereits nach 2,2 Millimetern Dickenschwund die zulässige Scheibendicke.

Die gelochte Zimmermann-Bremse kommt im praxisnahen Betrieb zwar auf unterdurchschnittliche Werte und entwickelt unter Erhitzung leichtes Fading, wird aber insgesamt mit einer befriedigenden Leistung bewertet; und der Verschleiß bleibt im Test sogar unter hoher Belastung (wie Bremsen aus hoher Geschwindigkeit oder bei Passabfahrten) im Rahmen.

Bosch erreicht im Ergebnis eine noch knapp gute Bremsleistung. Zumindest bei moderater Belastung blieb der Verschleiß gering. Negativ werten die Tester die bei der Ermittlung des Hitzereibwerts gerissene Belagmatrix, die nach dem Ausbau der Beläge sichtbar wurde. Das stelle zwar keinen Sicherheitsmangel dar, so der ADAC, könne jedoch mit der Zeit bei steigendem Verschleiß problematisch werden. Die Experten empfehlen das Produkt dennoch als gute Alternative, falls wenig im Gebirge oder mit hoher Beladung gefahren wird.

Das mit der Marke Ridex günstigste Produkt zeigte im Test in Hinsicht auf den Reibwert unterdurchschnittliche Werte bei „kundennahen“ Bremssituationen. Noch stärker fiel dieser unter Last und beim Heißbremsen ab und zeigte deutliches Fading. Andererseits kam dieses Produkt in Hinsicht auf den Verschleiß laut Experten auf geradezu ideale Ergebnisse und landete hinter ATE auf dem zweiten Platz. Trotzdem ergab sich insgesamt mit 3,5 ein gerade noch befriedigendes Ergebnis.

Tipps zum Bremsenkauf

Der ADAC gibt in seinem Test einige Ratschläge zum Kauf von Bremsen. Neben der UN-R 90-Normung wichtig sind demnach beispielsweise vor allem Produkte von seriösen und zertifizierten Anbietern; auch sollte man die Bremsscheiben und –beläge nur von Fachleuten wechseln lassen. Nach dem Einbau neuer Bremsen sollten diese zudem erst einmal vorsichtig eingefahren werden, auch sei zu beachten dass neue Bremsen noch nicht gleich die volle Bremswirkung erzielten. Für eine gute Bremsleistung sei aber die korrekte Funktion anderer Fahrwerkskomponenten wie richtig eingestellte Achsen oder intakte Stoßdämpfer ebenso wichtig, wie auch der richtige Reifen oder die Fahrweise.

Zu den detaillierten Ergebnissen und weiteren Tipps

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