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MAN fordert erneut: Nfz der Baujahre 2016 bis 2019 mit bestimmten Motoren sollten in die Werkstatt

Zum zweiten Mal ruft der Münchner Truckhersteller Kunden bestimmter Lkw und Busse mit D26-Motoren der Euro 6c-Norm dringend auf, ihre Fahrzeuge in der Werkstatt kontrollieren zu lassen.

Der MAN-Sitz in München. Die Halter der betroffenen Fahrzeuge wurden bereits ab Ende 2022 über mögliche Schäden aufgrund mangelnder Wartung informiert. | Bild: MAN Truck & Bus.
Der MAN-Sitz in München. Die Halter der betroffenen Fahrzeuge wurden bereits ab Ende 2022 über mögliche Schäden aufgrund mangelnder Wartung informiert. | Bild: MAN Truck & Bus.
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Claudia Leistritz
(erschienen bei busplaner von Claus Bünnagel)

Laut neuester Pressemeldung des Unternehmens hat Nutzfahrzeughersteller MAN Truck & Bus seine Kunden bestimmter Lkw und Busse mit Euro-6c-Motoren der Typen D2676LF51-53 oder D2676LOH35-37 erneut dazu aufgerufen, ihr Fahrzeug bei einer MAN-Fachwerkstatt überprüfen zu lassen.

Von dem Aufruf nicht betroffen seien Motorvarianten der späteren Abgasnormen Euro 6d und Euro 6e.

Schäden durch zu altes Öl

Bei den genannten Fahrzeugtypen der Baujahre 11/2016 bis 08/2019, die aufgrund neuer regulatorischer Vorgaben mit bleifreien Lagern ausgerüstet wurden, kann es laut MAN "in sehr seltenen Fällen" zu Motorschäden und, unter ungünstigen Umständen, auch zu nachfolgenden Motorbränden kommen.

"Schadensfälle können insbesondere dort auftreten, wo es zu einer übermäßigen Alterung sowie Verschmutzung des Motoröls und dadurch zu geschädigten Ölfilterbauteilen kommt – etwa durch Nichteinhaltung von Wartungsintervallen beziehungsweise nicht fachgerecht ausgeführten Wartungsarbeiten",

heißt es im Bericht.

Schäden aufgrund Fehlbehandlung und Einsatz von nicht herstellerkonformen Komponenten

Der Konzern führt noch weitere bekannte Ursachen für solche Schadensfälle an:

Besondere Betriebsbedingungen: hier insbesondere eine Überdrehzahl beim Lkw, Eindringen von (Kühl-)Wasser ins Motoröl, Motortuning, Verwendung nicht freigegebener Motoröle sowie deren Vermischung und die Verwendung von Wartungsteilen wie Motorölfilter, Luft- und Dieselfilter, die nicht den Herstellervorgaben entsprechen.

Bleifreie Lager als Grund

Die angegebenen Schadensbilder lassen sich dem Hersteller zufolge auf eine neue Gesetzgebung zurückführen, die für die genannten Baujahre bleifreie Lager vorschreibt, denn diese reagierten empfindlicher auf Verunreinigungen und verbrauchtes Öl. Wirkliche Schadensfälle seien jedoch nur zu erwarten, wenn zum Beispiel Wartungstermine hinausgezögert würden. Der Nfz-Spezialist schreibt:

"Bei Nichteinhaltung der Wartungstermine und der vorgesehenen Werkstattaktionen kann es nach einer längeren Laufleistung, in der Regel zwischen 400.000 und 500.000 Kilometer, zu ersten Schadensfällen kommen."

Wichtig: Servicetermine einhalten

Werden jedoch alle für diese Motorentypen vorgesehenen Service- und Ölwechseltermine fristgerecht eingehalten, könne MAN keine auffälligen Häufungen von Motorschäden feststellen, sondern im Gegenteil eine sehr hohe Robustheit über alle Motorbaureihen mit Laufleistungen von teilweise weit über einer Million Kilometern. Die Einhaltung vorgeschriebener Servicetermine ist also für die Zuverlässigkeit und Sicherheit der Fahrzeuge von höchster Bedeutung, betont MAN. In einem Schreiben an die betroffenen Halter habe das Unternehmen daher seine Kunden noch einmal extra darauf hingewiesen. 

Nach erster Warnung nur die Hälfte an Fahrzeugen geprüft

Wie MAN berichtet, waren die Halter der entsprechenden Fahrzeuge bereits seit Ende 2022 mehrfach informiert und aufgefordert worden, entsprechende Werkstattmaßnahmen zur Schadensprävention und Robustheitssteigerung zu durchführen zu lassen. In der Folge habe man bislang insgesamt über 60.000 Maßnahmen in den Werkstätten festgestellt. Dies entspreche jedoch nur etwa 50 Prozent der betroffenen Fahrzeuge. Für die sich im Feld befindlichen weiteren Fahrzeuge, so heißt es, wurden Werkstätten "hinsichtlich der Relevanz der Ölqualität sensibilisiert und gezielt instruiert".

Laut MAN wurden zusätzlich entsprechende technische Maßnahmenpakete wie zum Beispiel der vorsorgliche Tausch eines möglicherweise durch überaltertes Öl angegriffenen Ölfilterdeckels umgesetzt. Weiter lautet die Meldung:

"Wo dies durch besonders anspruchsvolle Nutzungsprofile erforderlich ist, wurden eine einsatzindividuelle Anpassung der Ölwechselintervalle und weitere Maßnahmen in direktem Austausch mit den Kunden eingeleitet".

Bei rund 125.000 betroffenen Fahrzeugen insgesamt 170 Brandfälle

MAN hat in Europa nach eigenen Angaben eine Flotte von rund 880.000 Fahrzeugen auf den Straßen. Davon sind rund 120.000 Lkw und über 5.000 Busse der Baujahre 2016 bis 2019 mit den genannten Motortypen ausgestattet. Bei zahlreichen Fahrzeugen seien in den vergangenen Jahren  schon Maßnahmen durchgeführt worden. Weiter heißt es:

"In der Grundgesamtheit kam es seit Markteinführung der genannten Motoren nach Erkenntnis von MAN zu 170 Brandfällen, die – neben anderen möglichen Ursachen – auf das genannte Motorschadensmuster zurückzuführen sein könnten. Im Jahr 2024 traten 18 Fälle auf, deren Ursache höchstwahrscheinlich im beschriebenen Schadensmuster liegt. Es waren bei allen Bränden Sach-, aber keine schweren Personenschäden zu verzeichnen."

Da man auch noch die restlichen Fahrzeuge in die Werkstatt bringen will, die im Rahmen dieses Serviceangebots noch nicht erfasst wurden, starte MAN nun noch einmal einen Aufruf an die betroffenen Fahrzeughalter.

Abschließend weist der Nutzfahrzeugexperte darauf hin, dass Brände ganz unterschiedliche Ursachen haben und daher auch auf andere Faktoren als die genannten zurückgeführt werden könnten. Dies müsse jedoch jeweils gesondert untersucht werden, unter Umständen durch die Expertise und Analyse von Sachverständigen.

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