Werbung
Werbung

ASA-Verband: Überarbeitete Norm EN 1493 für Fahrzeug-Hebebühnen kommt nicht vor 2025

Für die in Werkstätten unabdingbaren Fahrzeug-Hebebühnen gelten in der EU hohe Sicherheitsanforderungen. Seit Jahren schon strebt man eine Modernisierung der entsprechenden Richtlinie an, doch unterschiedliche Einflüsse verhinderten bisher die Umsetzung. Um die Hersteller bei der Vorbereitung zu unterstützen , plant man nun eine Veröffentlichung in zwei Stufen.

Vor dem ersten Quartal 2025 ist nicht mit Veröffentlichung der Revision der Fahrzeughebebühnen-Norm EN1493 zu rechnen, sagt Wolf-Erik Schmitt, Leiter des Fachbereichs Hebebühnen beim ASA-Verband. | Bild: ASA-Verband.
Vor dem ersten Quartal 2025 ist nicht mit Veröffentlichung der Revision der Fahrzeughebebühnen-Norm EN1493 zu rechnen, sagt Wolf-Erik Schmitt, Leiter des Fachbereichs Hebebühnen beim ASA-Verband. | Bild: ASA-Verband.
Werbung
Werbung
Claudia Leistritz

Fahrzeughebebühnen gehören zur Grundausstattung in Werkstätten, Autohäusern und bei Prüforganisationen. Aufgrund des Umgangs mit schwerem Gewicht können die Arbeitsgeräte bei Fehlfunktion jedoch für das Werkstattpersonal zur Gefahr werden, daher gelten in der EU besondere Sicherheitsvorgaben. Festgehalten sind diese Vorschriften in der EG-Maschinenrichtlinie, die mit der DIN EN 1493 speziell die „Fahrzeug-Hebebühnen“ behandelt.

Seit 2011 müssen die Hebeanlagen in den EU-Mitgliedsstaaten gemäß dieser Verordnung regelmäßig einem Sicherheits-Check durch Fachleute unterzogen werden. Nun wird schon seit Jahren zur höheren Sicherheit der Arbeitsumgebung an einer Modernisierung der Norm gearbeitet, doch der Inkraftsetzung standen immer wieder verschiedene Einsprüche entgegen. Wie der Bundesverband der Hersteller und Importeure von Automobil-Service Ausrüstungen (ASA) als einer der an der Überarbeitung beteiligten Organisationen in seiner neuesten Pressemeldung berichtet, soll nun ein zweistufiges Verfahren die Umsetzung neuen Richtlinie ein wenig beschleunigen.

Langwieriges Projekt

Laut Wolf-Erik Schmitt, Leiter des Fachbereichs Hebebühnen beim Bad Reichenhaller ASA-Verband, ist man schon seit fast zehn Jahren mit einer Revision der im Jahr 2010 ratifizierten Sicherheitsnorm EN 1493 für in Europa verkaufte derartige Anlagen befasst:

„Die Norm beinhaltet sicherheitstechnische Festlegungen und ist maßgeblich für die Konformitätsprüfung von für den Verkauf in Europa vorgesehenen stationären, fahrbaren und ortsveränderlichen Fahrzeug-Hebebühnen“,

so Schmitt. Die Revision der „EN 1493:2010“ wurde 2015 in Angriff genommen, nachdem sechs EU-Länder einer Überarbeitung zugestimmt hatten. Seit 2021 stehen die wichtigsten Änderungspunkte der neuen Richtlinie fest, die unter der Bezeichnung „EN 1493:2024“ neben der Steigerung der Sicherheit auch Missverständnisse oder sicherheitsbedenkliche Ausreizungen der Auslegungsspielräume bei der Produktion der Anlagen eingrenzen soll. Man verspricht sich damit einen sichereren, aber auch effizienteren Betrieb von Fahrzeug-Hebebühnen, so dass es zu weniger Unfällen und Verletzungen in der Arbeitsumgebung von Technikern und Mechanikern kommt. Die Änderungen sind in sieben Punkten zusammengefasst:

  1. So sind die Bedienelemente nun in der drahtgebundenen wie in der drahtlosen Anwendung klarer angeordnet, um Fehlerquellen zu reduzieren
  2. Zur stärkeren Absicherung beim Heben von Fahrzeugen mit außergewöhnlicher Lastverteilung, hat man die Werte für das Lastrechteck, mit dem man die Wirkkräfte auf 2-Säulen-Hebebühnen unter Belastung abschätzt, wieder strenger ausgelegt. „Durch die Rückkehr zum ursprünglichen Lastrechteck wird die Tragfähigkeit und Stabilität dieser Hebebühnen verbessert, was Unfälle oder Schäden verhindern kann“, heißt es.
  3. Auch hat man neuere Fahrzeuge wie geländegängige Quads in die aktualisierte Norm miteinbezogen, um den Anwendungsbereich der Hebebühnen zu erweitern. Damit wurden für diese Fahrzeuge spezifische Sicherheitsstandards ergänzt.
  4. Um den verschiedenen Anwendungsszenarien Rechnung zu tragen, sind in Ausnahmefällen wie beispielsweise bei TÜV-Untersuchungen oder bei schienengebundenen Varianten ausnahmsweise Personen auf angehobenen Fahrzeugen erlaubt.
  5. Jeder Hebebühnentyp verfügt über eigene Angaben zur maximal zulässigen Fahrzeugneigung, um ein Kippen zu verhindern.
  6. Mit der Möglichkeit, Betriebsanleitungen auch digital zur Verfügung zu stellen, will man den Zugang zu wichtigen Sicherheitsinformationen erleichtern und damit auch die sichere Nutzung unterstützen.
  7. Der letzte Punkt umfasst mehrere spezielle Prüfvorschriften, die sich auf Aspekte wie Armauszug bei 2-Säulen Hebebühnen und seitliches Spiel der Tragarme beziehen. Laut Bericht geht es hier um stärkere Qualitätssicherung und darum, „eine zuverlässige Funktionalität der Hebebühnen“ zu gewährleisten.

Formalien stehen der Umsetzung im Weg

Der ASA-Verband äußert sich auch zu den Gründen, die eine schlussendliche Festsetzung der sicherheitssteigernden Richtlinie seit Jahren verhindern:

So bremste beispielsweise 2018 die Prosafe-Initiative (für Product Safety) die Inkraftsetzung aus. Prosafe ist eine Nichtregierungsorganisation (NGO) mit Sitz in Brüssel, die sich nach eigenen Angaben seit 2006 dafür einsetzt, die Sicherheit von Produkten und Dienstleistungen im Europäischen Wirtschaftsraum (European Economic Area; EEA) für die Anwender kontinuierlich zu verbessern. Dazu werden gemeinsame Aktionen verschiedener Marktbeobachtungsorganisationen innerhalb des EEA koordiniert. Die von der Europäischen Kommission finanziell unterstützten Projekte zur technischen Produktsicherheit verteilen sich auf über 21 Bereiche, beispielsweise Spielzeug, Aufzüge, Kosmetik, Textilien, elektrische Komponenten oder Maschinen verschiedener Kategorien. Zu den konkreten Kritikpunkten, die zur Verzögerung geführt haben, macht der ASA-Verband keine Angaben.

Laut Bericht hatten zudem auch die Harmonized Standard Consultants, also die Sachverständigen, die die Übereinstimmung der Vorgaben mit dem europäischen Harmonized Standard System (HAS) überprüfen, noch einiges am Entwurf auszusetzen. Das HAS enthält die von einer europäischen Normungsorganisation erstellten technischen Normen, die die Gesetzgebung in der Europäischen Union in Bezug auf Produktsicherheit umsetzen helfen sollen, um den freien Warenverkehr im Europäischen Binnenraum zu fördern. Produkte, die diese „harmonisierten Normen“ einhalten, erfüllen also die grundlegenden Anforderungen der jeweiligen EU-Verordnungen und erhalten somit einen erleichterten Zugang zum europäischen Markt. Der Einspruch der Harmonized Standard Consultants im Jahr 2021 nun erforderte noch zusätzliche inhaltliche Überarbeitungen und Anpassungen.

Beschleunigungsmaßnahme

Die Arbeitsgruppe, die sich mit den Normen im Maschinenbau mit Teilbereich Fahrzeughebebühnen in Europa befasst, nennt sich CEN/TC (Technisches Komitee) 98/WG (Arbeitsgruppe) 3. Die Abkürzung CEN steht für das in Brüssel ansässige Europäische Komitee für Normung (Comité Européen de Normalisation), dem verschiedene europäische Mitglieder wie beispielsweise das Deutsche Institut für Normung (DIN) angehören. Das Team der CEN/TC 98/WG 3 hat nun, um die Umsetzung der Norm endlich voranzubringen, eine 2-stufige Veröffentlichung beschlossen:

Zur Vorbereitung auf dem Weg zur endgültigen Revision soll nun in einer ersten Stufe die nicht harmonisierte, im März 2023 veröffentlichte Version zum Zug kommen. Darin enthalten ist eine verbesserte Norm, die sich an sogenannte Notified Bodies sowie Hersteller richtet und als Grundlage für Baumusterprüfungen dient. Notified Bodies sind staatlich benannte und staatlich überwachte Organisationen wie zum Beispiel Inspektionsstellen, die im Auftrag der Hersteller die Konformitätsbewertung von Industrieerzeugnissen begleiten und kontrollieren.

In der zweiten Stufe plant man dann die Umsetzung der endgültigen, harmonisierten Version. Deren Veröffentlichung, ergänzt um die berücksichtigten Kommentare der HAS Consultants, wird laut Meldung allerdings erst für 2025 erwartet.

Es bleibt also für die Konformitäts-Verfahren bei Herstellern und Anwendern immer noch die aktuell gültige Norm EN 1493:2010 maßgeblich, solange die neue harmonisierte Norm nicht vorliegt. Nach neun Jahren der Überarbeitung scheint das Verfahren nun jedoch endlich auf die Zielgerade zuzusteuern.

Im August 2023 gaben die HAS Consultants ihre Kommentare ab, die vom Cenvenor (Koordinator) Marco Daudenberg bewertet wurden. Die nächsten Schritte stellen die formale Abstimmung dar, die im April 2024 erfolgte, sowie die Finalisierung der Norm, die im Zeitraum Juli bis September 2024 erwartet wird. Schmitt meint, mit einer Veröffentlichung der endgültigen Fassung der EN 1493 sei im ersten Quartal 2025 zu rechnen. Ab dem Zeitpunkt der Veröffentlichung der neuen Norm bleibt die alte Norm EN 1493:2010 dann noch für eine Übergangsfrist von 18 Monaten gültig.

Umsetzung neuester Standards gebremst

Vor allem Hersteller von Hebebühnen hängen nun zwischen den Stühlen. Für die Produktion ihrer Anlagen müssen sie sich an die alte Norm halten, obwohl diese nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik entspricht. Die neue steht praktisch schon fest, darf jedoch noch nicht zum Zug kommen. Daher orientieren sich laut Schmitt nun immer mehr Hersteller an der im März 2023 veröffentlichten, aber nicht harmonisierten „Zwischenlösung“ der Norm.

Auch zur Grundlage für Konformitätsbewertungen neuer Produkte diene die noch nicht harmonisierte Ausarbeitung mittlerweile, heißt es. Zwar können Hebebühnen, die vor Ende der Übergangsfrist von 18 Monaten homologiert wurden, weiterhin verkauft werden, so der Bericht abschließend. Doch wollen die Hersteller natürlich stets auf dem neuesten Stand sein und moderne Anlagen mit den bestmöglichen Sicherheitsstandards anbieten – der raschen Umsetzung neuester Richtlinien zugunsten der Anwender stehen somit bürokratische Hürden im Weg.

Printer Friendly, PDF & Email
Werbung
Werbung