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ZDK: E-Fuels und Biokraftstoffe könnten Lkw-Emissionen wirksamer reduzieren

Die ambitionierten Ziele des Europäischen Parlaments zur Emissionsreduzierung von schweren Nutzfahrzeugen scheinen gemäßigter auszufallen. Der ZDK moniert jedoch: unnötigerweise bleiben alternative Kraftstoffe immer noch unberücksichtigt. Die daraus folgenden höheren Transportkosten hätten letztlich die Verbraucher zu tragen.

Die CO2-Emissionen im Verkehrssektor sollen abgesenkt werden. In der Bewertung berücksichtigt die EU aber nur elektrische oder Wasserstoff-Antriebe. Dabei könnten mit E-Fuels oder Biokraftstoffen betriebene Verbrennerfahrzeuge wirksam und vor allem viel schneller die CO2-Emissionen senken helfen, so der ZDK. | Bild: Alexa/Pixabay.
Die CO2-Emissionen im Verkehrssektor sollen abgesenkt werden. In der Bewertung berücksichtigt die EU aber nur elektrische oder Wasserstoff-Antriebe. Dabei könnten mit E-Fuels oder Biokraftstoffen betriebene Verbrennerfahrzeuge wirksam und vor allem viel schneller die CO2-Emissionen senken helfen, so der ZDK. | Bild: Alexa/Pixabay.
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Claudia Leistritz

Ursprünglich hatte der Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (Envi) im Europäischen Parlament geplant, die Vorschriften im Zusammenhang mit den CO2-Emissionen von neuen schweren Nutzfahrzeugen noch strenger auszulegen. Vor den Plänen des mit 88 Mitgliedern größten der insgesamt rund 20 EU-Gremien hat der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) am 28. September 2023 gemeinsam mit 64 weiteren Verbänden und Unternehmen der Mobilitätsbranche in einem offenen Brief gewarnt. Der wichtige Beitrag von erneuerbaren Kraftstoffen an der Dekarbonisierungsstrategie werde komplett ausgeblendet, hieß es darin unter anderem. Das leichte Zurückrudern des Ausschusses in der nun am 24. Oktober 2023 erfolgten Abstimmung befürwortet der ZDK zwar, doch: der eigentlich wichtige Faktor in der Angelegenheit bliebe immer noch unberücksichtigt.

Chance verpasst

Das Dekarbonisierungsziel sei mit 90 Prozent Emissionsreduzierung nun ja realistischer ausgelegt, doch „die Gelegenheit, den Fortschritt weiter zu beschleunigen“, habe man trotzdem verpasst, meinte der Präsident des ZDK Arne Joswig in Reaktion auf das Ergebnis der Abstimmung am Dienstag, 24. Oktober 2023.

Denn wirksamer und umfassender könnten die CO2-Emissionen schlicht durch einen technologieoffeneren Ansatz herabgesenkt werden, nämlich den Einbezug von E-Fuels und Biokraftstoffen wie Bio-LNG, Bio-CNG, HVO100 oder B100, die zum Teil schon jetzt zur Verringerung von CO2-Emissionen beitragen. Speditionen, Tansport- und Busunternehmen könnten mithilfe dieser sowie auch künftiger „strombasierter synthetischer Kraftstoffe“ ihre Nutzfahrzeuge klimaneutral beziehungsweise emissionsarm betreiben. Auch Nebenaggregate am Fahrzeug wie beispielsweise Kühlgeräte liefen wesentlich emissionsreduzierter , wenn sie mit erneuerbaren Kraftstoffen betrieben würden.

Emissionsberechnungstool anpassen

Entsprechend müsse dem zur Emissionsberechnung dienenden Tool Vecto ein „Carbon Correction Factor“ (CCF) beigegeben werden. So meldet der Bonner Verband, der sich als Interessenvertreter für rund 36.420 Autohäuser und freie sowie gebundene Kfz-Werkstätten, mehrere tausend Karosseriebetriebe und ihre rund 434.000 Beschäftigten in Deutschland betrachtet. Joswig misst dem Potenzial von E-Fuels und Biokraftstoffen für die Dekarbonisierung des Verkehrssektors einen bedeutenden Wert bei:

„Diese Kraftstoffe bieten eine realistische und praktische Lösung insbesondere in der Übergangsphase zur Elektrifizierung und zu wasserstoffbasierten Technologien“.

In der Folge, also bei Berücksichtigung alternativer Kraftstoffe in der Emissionswertberechnung, würden die Unternehmen zu Investitionen in Technologien motiviert, die ganz erheblich dazu beitragen könnten, die „ehrgeizigen Klimaziele der Europäischen Union im Rahmen des Green Deal“ zu erreichen, wie auch schon im Vorfeld der Abstimmung im Aufruf von Ende September 2023 angesprochen.

Kein Nutzen für den Klimaschutz

Weiterhin spricht sich der ZDK für die Beibehaltung der E-Fuel-Definition aus, wie sie in der RED II (Erneuerbare Energien-Richtlinie) festgelegt ist. Denn um für Industrie und Investoren klare Rahmenbedingungen schaffen zu können, seien einheitliche Regelungen ausschlaggebend, die „Innovation und Vertrauen in nachhaltige Technologien“ förderten.

„Die alleinige Fokussierung auf batterieelektrische Antriebe bei schweren Nutzfahrzeugen wird die Logistikkosten weiter verteuern. Die Zeche zahlen am Ende Verbraucherinnen und Verbraucher durch deutlich höhere Preise“,

stellte Joswig klar. Erschwerend hinzu komme, dass der gegenwärtige Fahrzeugbestand an Diesel-Lkw immer länger genutzt werde. Ohne Verwendung auch alternativer Kraftstoffe in diesen Fahrzeugen aber bedeute die aktuelle Abstimmung folglich, dass auch dem Klimaschutz selbst, den alle die geplanten Regelungen ja angeblich fördern sollen, letzten Endes schlecht gedient sei, so der ZDK-Präsident abschließend.

Offener Brief vom 28. September 2023: Technologieneutralität ausschlaggebend

Im offenen Brief vom 28. September 2023 hatte man für einen „Carbon-Correction-Factor“ plädiert, der die Anwendung von „erneuerbaren“ Antriebsmitteln wie E-Fuels oder Biokraftstoffen berücksichtige, die schon jetzt einen großen Beitrag an der Einschränkung verkehrsbedingter CO2-Emissionen leisteten. Die unterzeichnenden Unternehmen und Verbände der Logistik- und Busbranche, der Kraftstoff-, Nutzfahrzeug- und Zulieferindustrie unterstützten zwar „nachdrücklich das Ziel der Kllimaneutralität bis 2045“, doch nur durch „schnellen Hochlauf aller denkbaren klimaneutralen Technologien“ könne „ein schneller und effektiver Klimaschutz im Verkehrssektor“ gelingen, äußerte sich ZDK-Präsident Arne Joswig zu dem Dokument.

Man müsse bedenken, hieß es außerdem, dass die Verbreitung "emissionsfreier" schwerer Nutzfahrzeuge nur schleppend voranginge, die Flottenbetreiber immer noch nicht von deren Marktakzeptanz überzeugt seien und auch ein ausreichendes Tank- und Ladenetz zur Stromversorgung noch nicht zur Verfügung steht. Daher sollten "alle Optionen für einen wirksamen Klimaschutz" ins Auge gefasst und ermöglicht werden.

Einsatz erneuerbarer Kraftstoffe wird bestraft

Der Kommissionsvorschlag jedoch fixiere sich technologisch ausschließlich auf batterieelektrische und brennstoffzellenelektrische Antriebe sowie Wasserstoffmotoren – was die Fahrzeughersteller und Zulieferer praktisch zum Umstieg auf diese Antriebe zwinge, um die CO2-Reduktionsziele zu erreichen. Denn der zu bewertende Emissionsausstoß wird ausschließlich am nur Verbrennerfahrzeugen eigentümlichen Endrohr („Auspuff“) gemessen. Dagegen werde der Einsatz erneuerbarer Kraftstoffe in Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor „nicht berücksichtigt und letztlich bestraft“, und diese Antriebe würden folglich unabhängig von der Antriebsenergie benachteiligt, so der offene Brief.

Ungerechtfertigte Kosten

Daher müsse das Fahrzeug-Emissionsberechnungstool Vecto, das zur Grundlage der Bewertungen dient, um einen technologieneutralen Kraftstofffaktor ergänzt werden, da das Instrument „unter der irrtümlichen Annahme, dass Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ausschließlich mit fossilen Kraftstoffen betrieben werden“ arbeite, was der Realität in Europa nicht entspreche. Zum Beispiel stammten rund 15 Prozent der in der EU getankten Menge an CNG/LNG aus biogenen Quellen – doch dieser Beitrag bliebe unberücksichtigt und könne, eben wegen der falschen Annahme eines 100-prozentigen fossilen Kraftstoffs, unter Umständen unnötige hohe Strafzahlungen von bis zu 10.000 Euro zur Folge haben.

„Diese ungerechtfertigten Kosten führen schlussendlich zu vermeidbaren volkswirtschaftlichen Mehrbelastungen“,

hieß es weiter. Ein Carbon-Correction-Factor könne diese fälschliche Bewertungsgrundlage korrigieren. „Gemeinsame Anstrengungen und eine technologieneutrale Ausgestaltung der CO2-Regulierung lassen uns die ambitionierten Klimaziele erreichen und die Transformation des Nutzfahrzeugsektors in Europa gelingen“, schloss der offene Brief.

Unterzeichnet wurde das Schreiben, das an den Bundeskanzler Scholz, die Bundesminister Dr. Habeck, Dr. Wissing und Frau Lemke, alle Ministerpräsidenten sowie die Abgeordneten des Deutschen Bundestags gerichtet war, unter anderen von Verbänden wie dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), dem Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL), der eFuel-Alliance, dem Fachverband Biogas, dem CNG Club, dem Deutschen Bauernverband (DBV), dem Verband Zukunft Gas, dem ZDK und dem Wirtschaftsrat Deutschland. An Unternehmen beteiligten sich, um nur die bekanntesten zu nennen, beispielsweise Zulieferer wie Purem by Eberspächer, Mahle und die ZF Group, Schaeffler, Kögel, Schmitz Cargobull, die Krone Group, Motorenhersteller Deutz, Versanddienstleister wie UPS und die DHL Group sowie Lkw-Hersteller DAF und die Iveco Group an dem Aufruf.

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