Weniger CO2-Ausstoß: Bosch, VW und Shell bringen neuen Treibstoff

Noch dieses Jahr soll der neue Kraftstoff mit der Bezeichnung Blue Gasoline zum Einsatz in allen Ottomotoren auch an regulären Tankstellen beziehbar sein. Laut Pressebericht besteht der Sprit aus bis zu 33 Prozent erneuerbaren Anteilen.

Der neue Kraftstoff für Ottomotoren soll noch dieses Jahr an die Tankstellen kommen. Foto: Bosch.
Der neue Kraftstoff für Ottomotoren soll noch dieses Jahr an die Tankstellen kommen. Foto: Bosch.
Claudia Leistritz

Die drei Konzerne Bosch, VW und Shell haben zusammen einen neuen Ottokraftstoff entwickelt. Dieser enthalte, wie der R33 Blue Diesel, ebenfalls bis zu 33 Prozent erneuerbare Anteile. Damit lasse sich entlang der Produktionslinie von der Quelle bis zum Rad eine CO2-Ersparnis von mindestens 20 Prozent erreichen, berichtet Bosch. Würden bestehende Fahrzeuge damit fahren, könnten deren CO2-Emissionen somit deutlich reduziert werden.

In seiner Rechnung kommt das Unternehmen für eine Flotte von 1.000 VW Golf VIII 1,5 TSI und einer Jahreslaufleistung von jeweils 10.000 Kilometern auf eine Einsparung von über 230 Tonnen CO2 pro Jahr. Die verbleibenden CO2-Emissionen würde Shell über „zertifizierte Kompensationsmaßnahmen“ ausgleichen. Im Laufe des Jahres will man den neuen Kraftstoff zunächst in Deutschland zum Verkauf an die regulären Tankstellen bringen.

Auf dem Weg zur klimafreundlichen Mobilität dürfe man auch nicht die kleinste technische Möglichkeit in der ganzen Bandbreite der Antriebe von der Elektromobilität bis zu erneuerbaren Kraftstoffen aussparen, äußert sich dazu Dr. Uwe Gackstatter, Chef der Antriebssparte bei Bosch. „Jedes bisschen“ eingespartes CO2 könne helfen, die Klimaziele zu erreichen.

„Wir freuen uns, das Pendant zu R33 Bue Diesel vorstellen und damit auch für Benzinmotoren bezüglich Nachhaltigkeit einen großen Schritt nach vorne gehen zu können“,

meint Felix Balthasar, Leiter Sonderkraftstoffe bei Shell.

Und Sebastian Wimmer, Leiter Verbrennungsmotorenentwicklung bei Volkswagen, hält Blue Gasoline für einen „weiteren Baustein zur wirkungsvollen Senkung der CO2-Emissionen“ bei bestehenden Fahrzeugen.

Besonders eigne sich der Stoff auch für Plug-in-Hybride, da Blue Gasoline seine Eigenschaften durch eine längere Lagerung im Tank nicht verliere. Denn durch mehr Lademöglichkeiten und größere Batterien würden diese Fahrzeuge zukünftig überwiegend elektrisch betrieben und weniger Sprit benötigen.

Normiert und freigegeben

Der neue Kraftstoff entspricht laut Bosch der Norm EN 228/E10 und würde die Vorgaben in wichtigen Punkten sogar übertreffen, beispielsweise in der angesprochenen Lagerstabilität und im Siedeverhalten. Eine hochwertige Zusammensetzung des Treibstoffs gewährleiste Motorsauberkeit, biete aber auch einen besonders hohen Schutz vor Korrosion.

Verwendet werden könne das neue Benzin in allen Neu- und Bestandsfahrzeugen, die für den Betrieb mit Super 95 E10 Benzin freigegeben sind, so Bosch weiter.

Biobasierte Ausgangsstoffe, umfangreiche Tests

Die „bis zu 33 Prozent erneuerbaren Anteile“ bestünden aus einem biobasierten Naphta oder Ethanol, bescheinigt vom Zertifizierungssystem ISCC (International Sustainability and Carbon Certification). Die Stoffe würden unter anderem aus den Nebenprodukten bei der Herstellung von Zellstoffen wie beispielsweise für Papier gewonnen. Alternativ dienten als Ausgangsbasis auch weitere Rest- und Abfallstoffe. Laut Bericht wurde der Kraftstoff mit Blick auf die motorischen wie auch die nachhaltigen Anforderungen entwickelt und intensiv auf Prüfständen und Teststrecken eingesetzt. Die Ergebnisse dieser Tests seien durchweg positiv gewesen.

Super 95 E10 wird ersetzt

So werde Bosch noch in diesem Monat Mai den neuen Treibstoff an seine Werktankstellen bringen, beginnend mit Schwieberdingen. Folgen sollen dann noch in diesem Jahr die Standorte Feuerbach und Hildesheim. Mit Einführung von Blue Gasoline werde das Angebot des konventionellen Super 95 E10 Ottokraftstoffs dann sukzessive auslaufen.

Der R33 Blue Diesel werde bereits seit Ende 2018 an den Werktankstellen von Bosch verwendet, als einzig verfügbarer Diesel-Kraftstoff für Firmenautos und Fahrzeuge des internen Lieferverkehrs. Dieser Dieselkraftstoff sei aber in Deutschland auch an immer mehr regulären Tankstellen verfügbar, derzeit insgesamt acht, so Bosch.

Sinnvoll, aber kein Ersatz für Elektromobilität

Bosch betont, erneuerbare Kraftstoffe, also CO2-reduzierte oder CO2-neutrale, seien kein Ersatz für Elektromobilität. Sinnvoll seien sie „grundsätzlich für alle Verkehrsträger“, allerdings vor allem für diejenigen, die nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten noch nicht elektrifiziert werden könnten. Dazu gehören beispielsweise Schiffe, Flugzeuge, vor allem aber auch Schwerlasttransporte und Bestandsfahrzeuge. Zudem aber auch alle Fahrzeuge, die derzeit noch mit Verbrennungsmotor oder Hybridantrieb gebaut werden.

Eine Möglichkeit, den CO2-Ausstoß zu verringern

Um die möglichst schnelle Verbreitung nachhaltigerer Kraftstoffe im Markt voranzubringen konzentriere man sich auf biogene und synthetische Bestandteile, die gemäß der Kraftstoffnormen in möglichst hohen Anteilen beigemengt werden könnten, so der Mobilitätskonzern. Bosch habe mit den Entwicklungen Blue Diesel und Blue Gasoline gezeigt, dass nicht nur Neufahrzeuge, sondern auch der Fahrzeugbestand einen Beitrag zur Reduktion des CO2-Ausstoßes im Verkehrssektor leisten könne, um die Klimaziele zu erreichen.

Printer Friendly, PDF & Email