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Teil der Forschungslandschaft

Stetig steigende Fahrgastzahlen bewältigen die Dresdner Verkehrsbetriebe mit Bus, Tram und Fähre. Sogar eine Bergbahn hilft beim Personentransport. Die Sachsen sind weit vorne in der Beliebtheit beim Kunden. Auch Entwicklungspartner bedienen sich des Fuhrparks.

Die neue Dialogannahme am Betriebshof Gruna stand früher als Infohäuschen für die DVB-Fahrgäste am Dresdner Hauptbahnhof. | Bild: M. Schachtner
Die neue Dialogannahme am Betriebshof Gruna stand früher als Infohäuschen für die DVB-Fahrgäste am Dresdner Hauptbahnhof. | Bild: M. Schachtner
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Martin Schachtner

Die ankommenden Fahrer werden am Schichtende vom Personal des Betriebshof Gruna in der Dresdner Tiergartenstraße freundlich begrüßt. Die Dresdner Verkehrsbetriebe AG (DVB) leistet sich nämlich etwas, was man aus dem Pkw-Service kennt und was einer Verbesserung der Kundenzufriedenheit dient: Als kommunikationsförderliche Maßnahme gibt es inmitten des 56.000 Quadratmeter großen Areals eine – der Name deutet es bereits an – Dialogannahme. Das kleine Gebäude befand sich ehemals am Dresdner Hauptbahnhof und hat in Gruna eine neue Heimat sowie Bestimmung gefunden: „Von 18 Uhr bis 3 Uhr ist die Dialogannahme besetzt. Die Übergabestelle zwischen Fahrer und Servicepersonal ist Teil der Arbeitsvorbereitung“, erläutert Jürgen Gableske, Leiter der Kfz-Werkstatt auf dem DVB-Betriebshof Gruna. Die Fahrer melden Defekte und Mängel so genau wie möglich an den zuständigen Techniker, fügt er hinzu. Der Arbeitsvorbereiter eröffnet den Auftrag und steuert ihn in die Werkstatt ein.

Dieser Auftrag ist eine der Säulen für den guten Service, den die Verkehrsgesellschaft ihren Kunden anbietet. Die Nachfrage ist groß: Im Faktenblatt 2017 heißt es, an Werktagen nutzen über eine halbe Million Kunden das Angebot – jeder Dresdner steige rund 257 Mal jährlich in Straßenbahn oder Bus der DVB, heißt es in der Statistik. Insgesamt kommen die Sachsen auf 160 Millionen Fahrgäste pro Jahr. Das Gesamtliniennetz beträgt über 300 Kilometer bei den Bussen. Hinzu kommen 212 Straßenbahn-Kilometer.

Ausgezeichneter Service

Bei den Dresdner Verkehrsbetrieben legt man Wert auf Qualität. Das zahlt sich aus, wie die positiven Bewertungen bei der ADAC-Mobilitätstudie oder dem ÖPNV-Kundenbarometer belegen. Letztere Auswertung führt das Marktforschungsinstitut Kantar Infratest (vormals TNS Infratest) durch. Im vergangenen Jahr nahmen 41 Verkehrsanbieter aus ganz Deutschland daran teil. Bei den Verkehrsunternehmen belegte die DVB den ersten Platz. Auf Spitzenplatzierungen scheinen die Sachsen ein Abonnement zu haben, wie ein Blick auf die letzten Ergebnisse zeigt.

Dessen ist sich Robert Roch, Leiter Center Kraftfahrzeuge bei der DVB, durchaus bewusst: „Wir schneiden nicht deshalb so gut ab, weil unsere Busse und Straßenbahnen so schön gelb sind, sondern weil wir hohe Standards erfüllen. Beim Kundenbarometer belegen wir meistens den ersten oder zweiten Platz“, fasst der Diplom-Kaufmann zusammen. Man wechsle sich zumeist mit den Kollegen aus Münster ab. „Die Qualitätsführerschaft gegenüber der Preisführerschaft zu bevorzugen, ist meiner Meinung nach eindeutig die richtige Strategie.“ Einen Beitrag leistet auch das Center Kraftfahrzeuge. Zwar geben sich die Gesprächspartner bescheiden und sprechen davon, dass die Technik bloßer „Erfüllungsgehilfe“ sei. Dennoch sorgen indirekt auch das konsequente Innenreinigungskonzept oder die guten Kfz-Serviceprozesse in der 4.800 Quadratmeter großen Buswerkstatt dafür, dass sich die Bewohner und Besucher der Landeshauptstadt gern von der DVB mitnehmen lassen. Für Sonderfahrten stehen vier Oldtimer-Busse zur Verfügung: In Zusammenarbeit mit dem historischen Verein lassen sich ein „Büssing NAG 900N“, der „IFA Horch H6B/S“ sowie zwei „Ikarus“-Modelle (260 und 66.62) auch mieten.

 


Forschungspartner von TU 
und Fraunhofer-Institut

 

Die DVB profitiert vom Forschungsstandort Dresden – und umgekehrt. So gab und gibt es Kooperationen mit dem Fraunhofer Institut (IVI) sowie der TU Dresden. „Von dem Lehrstuhl von Professor Bernard Bäker haben wir die Einführung unserer E-Buslinie 79 wissenschaftlich begleiten lassen und im Projekt ‚Pilotlinie 64‘ an einer bidirektionalen Wärmepumpe für den Hybridbus von Mercedes-Benz gearbeitet. Außerdem haben wir an dem Projekt des Fraunhofer-Institut IVI und dem Maschinenbauer Schunk zur konduktiven Stromübertragung mittels fahrzeuggebundenem Pantografen mitgewirkt“, erklärt Roch. Man habe ein wenig Schützenhilfe geleistet und bei der Lieferung von Messdaten, Parametern und Toleranzen geholfen. Fazit: Die Stromabnehmertechnik funktioniert. „Die Firma Schunk hat ein gutes Produkt geliefert. Es macht schon Spaß, wenn man sieht, wie ein Kind das Laufen lernt“, so Roch. Jürgen Gableske ergänzt: „Mit dem Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik der TU haben wir an der Entwicklung eines Leichtbaurads als Praxispartner mitgewirkt.“ Gemeinsam mit der Forschungseinrichtung und dem Hersteller ThyssenKrupp Carbon Components testete man Felgen auf dem Lausitzring, die auf eine Gewichtsersparnis von rund 20 Kilogramm pro Stück kommen. „Wir verfügen hier über eine tolle Forschungsumgebung und wir werden von den Einrichtungen sehr unterstützt. Das macht Spaß und stellt für die Mitarbeiter eine schöne Abwechslung dar“, resümiert Roch.

Keine Teile-Experimente

Das Unternehmen bezieht für Wartung und Reparatur an den fast 150 Omnibussen der Marken Mercedes-Benz, MAN, Solaris und an sechs Hybridfahrzeugen von der Carosserie Hess aus der Schweiz einzig Originalteile. Es habe in der Vergangenheit Experimente mit Drittmarktteilen gegeben. Das lehnen die beiden Technikverantwortlichen aus Qualitätsgründen ab. „Wir haben uns im Einkauf neu organisiert“, erläutern die beiden. Auch aufgrund der Betriebsleiterhaftung. Robert Roch gibt ein Beispiel: „Es gab in der Vergangenheit einen Unfall, bei dem ein geplatzter Wasserschlauch ursächlich war. Glücklicherweise betraf es ein Originalteil.“ Man habe damals erlebt, wie sich die Justiz bezüglich der Bauteil-Qualität informiert hat. „Instandgesetzte Teile kommen für uns nicht infrage“, stellt der Werkstattleiter klar.

Bei den Arbeiten, die von DVB-Technikern durchgeführt werden, geht die DVB Kompromisse ein. Man kann, aber muss nicht alles in Eigenregie erledigen: „Wir haben eine ordentliche Instandhaltungstiefe. Dennoch geben wir gewisse Arbeiten nach außen“, so Gableske, der seit 1977 bei den Verkehrsbetrieben arbeitet. Das habe zumeist Kapazitätsgründe und liege nicht im mangelnden Know-how begründet. Im Center Kraftfahrzeuge werden keine kompletten Getriebeinstandsetzungen oder komplexe Motorreparaturen durchgeführt. Dafür fehlen die nötigen Prüfstände. Defekte Getriebe gehen den Ausführungen zufolge zum Spezialisten – im Fall der DVB setzt man auf ZF und Voith – und kommen überholt wieder. „Auch Komplettinstandsetzungen an Antriebsachsen vergeben wir“, so Gableske. Im Durchschnitt fallen zehn Getriebewechsel pro Jahr an. Bei der Werkstattsoftware arbeitet die DVB mit SAP Plant Maintenance. Das ist ungewöhnlich für einen Kfz-Instandhaltungsbetrieb. „Wir haben aber Mitarbeiter, die sehr gut damit umgehen können.“ Die Serviceverträge laufen über eine spezielle Modulerweiterung, die weitere SAP-Anwendungen und Aftersales-Portale der Fahrzeughersteller verknüpft. „Bei der Erprobung und Anpassung haben wir von den Erfahrungen der Schweizer Kollegen von Bernmobil profitiert. Federführend bei dem Projekt war unsere IT-Tochtergesellschaft“, so Roch. Ein Vorteil des EDV-Moduls ist beispielsweise die eigene Oberfläche zur Garantieabrechnung. Zudem werden ausstehende Zahlungen übersichtlich aufgeführt.

Zu Lande und zu Wasser

Die DVB-Techniker reparieren Busse, Wirtschaftsfahrzeuge und Straßenbahnen. Letztere erhalten ihren Service hauptsächlich auf dem Betriebshof Gorbitz. Eine Besonderheit sind darüber hinaus die Fährboote. Die Dresdner Verkehrsbetriebe bedienen drei Fährlinien mit fünf eigenen Booten, eines dient als Reserve. Zwei Schlosser kümmern sich von Gruna aus um die marinen Einheiten. Die Mechatroniker kennen sich zwar auch mit Bussen aus, sind aber spezialisiert auf Fährtechnik. Die Elbe und damit die Fährstellen sind etwa sieben Kilometer vom Betriebshof Gruna entfernt. In Kleinzschachwitz betreibt die Gesellschaft neben den Personenfähren der beiden anderen Linien auch eine Autofähre.

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Auch die Hybrid- und Hochvolttechnik hat ihre Besonderheiten. Der erste Bus mit Elektroantrieb war 2006 angeschafft worden. „Zu diesem Zeitpunkt gab es weder von der Politik noch von den Berufsgenossenschaften praktikable Empfehlungen. Wir wussten nicht, wie wir mit dem Thema umgehen sollen. Auch die Kollegen von der Straßenbahn konnten uns nicht viel weiterhelfen, geschweige denn die erforderliche verantwortliche Elektrofachkraft stellen“, erinnert sich Gableske. Mittlerweile habe die Bustechnik eigene Kompetenzen im Haus. Das gehe sogar so weit, dass Arbeiten unter Spannung ausgeführt und Traktionsbatterien ausgebaut sowie repariert würden. „Aktuell arbeiten in der Buswerkstatt fünf elektrotechnische Fachkräfte. Die meisten anderen Mitarbeiter sind qualifiziert für Arbeiten an frei geschalteten Fahrzeugen“, führt der gelernte Meister der Kraftfahrt-Instandsetzung aus. Seit 2015 wird ein Elektrobus getestet.

Neue Herausforderung

Mehr Elektrobusse im Fuhrpark können eine Verstärkung im Bereich Abschlepptechnik zur Folge haben. „Das wird oft vergessen, gerade in den Abteilungen, die für die Bewilligung von Fördergeldern zuständig sind“, betont Robert Roch. Seit 2001 ist eine Zugmaschine vom Typ „Mercedes-Benz Actros“ in Betrieb. Der Abschleppwagen verfügt über drei Achsen und einen Werkstattaufbau. Aktuelle Gelenkbusse mit drei Achsen und Dieselmotor können im Pannenfall auf herkömmlichem Weg abgeschleppt werden. Die hauseigene Pannenhilfe behilft sich zumeist mit einer Abschleppstange. Elektrobusse sind aber schwerer und haben den Schwerpunkt weiter vorne. Wenn dann noch die Lenkhilfe ausfällt, wird das Steuern schwierig. Aus diesem Grund muss in neue Abschlepptechnik investiert werden. Notwendig ist ein vierachsiges Zugfahrzeug, um die Vorderachse des defekten Fahrzeugs auszuheben.

Martin Schachtner

Fotos: M. Schachtner

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Artikel Teil der Forschungslandschaft
Seite 10 bis 15 | Rubrik WERKSTATT-PORTRÄT
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