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Innovatives Reparatur-Werk

Die Fahrzeug-Werke Lueg AG blickt auf eine 150-jährige Historie zurück. Die Nfz-Werkstatt in Wattenscheid zählte bereits vor 50 Jahren zur größten ihrer Art. Um den Geschäftserfolg auch in Zukunft fortzuschreiben, nutzt der Daimler-Partner digitale Methoden.

 Das größte Nfz-Center im Unternehmensverbund befindet sich in Wattenscheid. Bild: Fahrzeug-Werke Lueg AG
Das größte Nfz-Center im Unternehmensverbund befindet sich in Wattenscheid. Bild: Fahrzeug-Werke Lueg AG
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Martin Schachtner
Fahrzeug-Werke Lueg AG

Die Fahrzeug-Werke Lueg AG ist einer der größten Mercedes-Benz-Partner in Deutschland und einer, der als besonders innovativ gilt. Das nimmt sowohl die Vorstandsetage der Daimler AG in Stuttgart als auch der für das Handels- und Servicegeschäft verantwortliche Mercedes-Benz-Vertrieb Deutschland (MBVD) wohlwollend zur Kenntnis. Zu den Feierlichkeiten anlässlich des 150-jährigen Jubiläums gratulierte sogar Dieter Zetsche: „Mit Lueg haben wir einen starken Partner, der zusammen mit uns Innovationen und den digitalen Wandel vorantreibt“, erklärte der Daimler-Vorstandsvorsitzende per Videobotschaft im Februar 2018.

Die Kennzahlen sind wahrlich bemerkenswert: Die Unternehmensgruppe setzte 2017 im Pkw- und Nfz-Bereich insgesamt 24.623 Fahrzeuge ab. Die Kfz-Technik kam über alle Standorte und Segmente hinweg auf 180.034 Werkstattdurchläufe und verzeichnete einen Nettoumsatz von 881 Millionen Euro. Beteiligt am unternehmerischen Erfolg waren 1.234 Mitarbeiter, davon 176 Auszubildende. Diese Erfolgsgeschichte dürfte fortgeschrieben werden, denn auch im Jubiläumsjahr startete Lueg zahlreiche innovative Projekte: So unterstützt man beispielsweise die Amazon-Transportpartner mittels digitaler Schadendokumentation und einer neuen eVito-Flotte. Passend dazu gab der Mehrmarkenhändler wenig später die Vermarktung von StreetScooter am Standort Essen bekannt. Darüber hinaus investiert die Lueg AG eigenen Angaben zufolge eine Million Euro in das Start-up UZE Mobility. Alleinstellungsmerkmal des RWTH Aachen-Spin-off ist das werbe- und datenfinanzierte Mobilitätskonzept. Die Kfz-Technik kam über alle Standorte und Segmente hinweg auf 180.034 Werkstattdurchläufe und verzeichnete einen Nettoumsatz von 881 Millionen Euro.

Hinzu kommen eine Vielzahl digitaler Prozesshelfer, die Vertrieb und Kfz-Service auf ein neues Level heben sollen. Ohne sich in Details zu verlieren, gibt Konzernprojektleiter Marcel Nölle PROFI Werkstatt beim Betriebsbesuch einen Einblick: „Wir streben eine zunehmende Digitalisierung sowohl in Unterstützungsprozessen als auch in der Operative an.“ Der Kunde stehe dabei im Mittelpunkt, denn es soll den Angaben zufolge um eine konstante und hochwertige Begegnungsqualität gehen. Digitale Prozesse ergänzen die Kernkompetenz des Handelshauses, die persönliche Betreuung der Kundschaft.

Automatisierte Schadendokumentation

Der Digital Vehicle Scan (DVS) ist ein mit über 20 Kameras ausgestattetes Portal, das den Fahrzeugzustand bei der Durchfahrt automatisch erfasst und gegebenenfalls Reparaturbedarf an Karosserie und Aufbau dokumentiert. Das System wurde von der Josef Paul GmbH & Co. KG sowie der Insisto GmbH aus Passau entwickelt und mit der Daimler AG ausgerollt. Neben dem Servicepartner aus Passau und Lueg in Bochum gibt es unseres Wissens derzeit zwei weitere Pilotprojekte in Augsburg sowie Sindelfingen.

Die tatsächliche Nutzung ist dabei individuell: Während das DVS-Portal in Sindelfingen die Dokumentation der Fahrzeuge ab Werk unterstützt, setzt Entwickler Paul Passau die Lösung überall dort ein, wo Fahrzeuge von Kundenhand in die Obhut des Unternehmens (oder umgekehrt) übergehen – also sowohl im Kfz-Service wie im Vermietgeschäft. Zur Kooperation mit Amazon am Standort Bochum-Riemke erklärt Marcel Nölle: Lueg unterstütze die für Amazon tätigen Logistikunternehmer. „Daher ist unser Leistungsportfolio am Standort Bochum sehr auf die KEP-Branche zugeschnitten. Die Services setzen sich aus den groben Grundmodulen Ladeinfrastruktur, Schadenmonitoring, Fuhrparkbetreuung, -steuerung und Gesamtmobilität zusammen.“ Auf dem sogenannten BaseCamp stelle der Anbieter eine vollumfängliche und prozessgestützte Mobilitätsgesamtlösung. „Grundsätzlich kann man das Konzept auch auf größere Fahrzeugflotten anwenden, ohne eine bestimmte Branche als Zielmarkt zu haben“, fügt der 23-Jährige hinzu.

150 Jahre Fahrzeug- und Reparaturwerk

Ein ganz besonderes Jubiläum stand im Fokus des Lueg-Marketingsjahres 2018. Auf der Webseite findet sich eine digitale Rückschau der 150-jährigen Unternehmensgeschichte, die Darstellung lässt aber auch die Geschichte der Mobilität im 19. und 20. Jahrhundert Revue passieren. Zu finden sind umfangreiche Archivmaterialien, Fotos, Dokumente, Tonaufnahmen sowie Kurzvideos. Im Gründungsjahr 1868 fokussierte sich der Unternehmer Friedrich Lueg noch auf das Kutschen- und Stellmachereigeschäft. Inspiriert von den Eindrücken der Expo am Rhein, entschloss sich dessen Sohn Friedrich Oscar Lueg Anfang des 20. Jahrhunderts schließlich zum Einstieg in das Automobilgeschäft. Seit 1914 gibt es die Partnerschaft mit Mercedes-Benz, damals noch als Benz & Cie., der von Carl Benz gegründeten Mannheimer Automobil- und Motorenfabrik. Die Vermarktung bezog sich in der Folge sowohl auf den Pkw- als auch den Nfz-Bereich. Das ist noch heute so, wenngleich die Markenvielfalt zugenommen hat. Die Fahrzeug-Werke Lueg AG vertreibt und betreut neben den Daimler-Marken auch Maserati und Ferrari (Lueg Sportivo GmbH) sowie mit der Volvo Centrum Rhein Ruhr GmbH auch die schwedische Premiummarke.

Jedes Fahrzeug sei ein Unikat, gefertigt nach Wünschen des Käufers von Spezialisten verschiedener Handwerke, hieß es 1940, als aus der Friedr. Lueg Wagenfabrik die Fahrzeug-Werke Lueg wurde. Diese USP gilt bis heute, wie Stefan Jansen, Vertriebsdirektor Nutzfahrzeuge bei Lueg, ausführt: „Wir vermarkten keine Stangenware, sondern Maßfertigungen. Das ist eine Philosophie, mit der wir auch heute sehr gut fahren.“ Mit diesem Alleinstellungsmerkmal schafften es die Bochumer erstmals 1908 zur Internationalen Automobil-Ausstellung. Dieser Anspruch ist aktueller denn je, auch wenn bis 1954 der eigene Fahrzeugbau zurückgefahren wurde und sich das Unternehmen seither insbesondere auf Vertrieb und Service konzentriert – nur der Firmenname blieb, als Reminiszenz an die Tradition als Fahrzeugbauer und weil das Unternehmen auch nach 150 Jahren noch in Familienhand ist, heißt es bei Lueg.

Nfz-Kompetenz in Wattenscheid

Im März 1968 entstand das Nfz-Center in Bochum-Wattenscheid. Auch der Lkw-Service feierte also im vergangenen Jahr sein (vergleichsweise bescheidenes) Jubiläum: Schon Ende der 1960er waren die Dimensionen des „Reparatur-Werks“, wie es genannt wurde, gewaltig: 35.000 Quadratmeter Fläche, 64 Standplätze für Lkw und Busse, drei Hallenschiffe von je 72 Metern Länge – Wattenscheid zählte gemäß eigenem Bekunden zu den größten Werkstätten der Republik. Heute umfasst der Standort eine vergleichbare Grundfläche, die Werkstattfläche misst 5.400 Quadratmeter und das Lager hat eine Kapazität von circa 6.000 Quadratmetern. Im Teilebereich finden sich etwa 11.750 Lagerpositionen. „Als Nutzfahrzeug-Kompetenzcenter ist der Standort Wattenscheid bis heute von zentraler Bedeutung für Lueg“, betont der Vorstandsvorsitzende Jürgen Tauscher anlässlich des Doppeljubiläums im vergangenen Jahr. Neben dem größten Nfz-Center in Wattenscheid bietet die Fahrzeug-Werke Lueg AG Nfz-Services in Essen, Mühlheim, Witten und Recklinghausen.

Neben dem größten Nfz-Center in Wattenscheid bietet die Fahrzeug-Werke Lueg AG Nfz-Services in Essen, Mühlheim, Witten und Recklinghausen. Hinzu kommen die Standorte Zwickau und Bernsdorf der sächsischen Autohaus Lueg GmbH. 2017 verzeichnete das Unternehmen insgesamt im Nfz-Bereich 25.348 Werkstattdurchläufe und beschäftigte 66 Monteure im Nfz-Bereich (bei einer Gesamtzahl von 238 Kfz-Technikern und 185.000 WS-Durchläufen). In Wattenscheid kam man auf fast 10.000 Servicedurchgänge, hieß es. Umsatzseitig trägt der Nfz-Service etwa ein Viertel zum Gesamt-Werkstattumsatz bei. Die Hälfte davon erwirtschaften die Nfz-Profis unter Leitung von Werkstattleiter Sören Rehberg in Bochum-Wattenscheid. Neben 24 Kfz-Mechatronikern, zwei Kfz-Meistern und zwei Karosseriebauern nutzen acht Evobus-Spezialisten die 15 Gruben auf dem Betriebsgelände an der Berliner Straße. Das Bussegment betreuen die Bochumer übrigens exklusiv.

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Mobilität sicherstellen

Nfz-Servicechef Andreas Daube zufolge arbeiten die Kfz-Techniker im Dreischichtbetrieb. „Wir sind von morgens Viertel vor acht bis abends 22 Uhr hier. Das sind die offiziellen Zeiten. Letztlich gilt jedoch: Feierabend ist dann, wenn das Fahrzeug fertig ist“, betont er. Es sei denn, es fehlten Ersatzteile oder es lägen vergleichbare Unabänderlichkeiten vor. Die Servicephilosophie bei Lueg unterstreicht diese Kundenorientierung: „Wir sind frühestens dann zufrieden, wenn unsere Kunden zufrieden sind. Wir gehen auf die Wünsche und Ansprüche unserer Kunden individuell ein. Jeder einzelne soll sich bei uns rundum wohlfühlen, bestens informiert, individuell beraten und optimal bedient werden. Ist er von uns als Team sowie von unseren Leistungen überzeugt, kommt er wieder und empfiehlt uns weiter. Dann wissen wir, dass wir einen guten Job machen“, stellt Andreas Daube klar.

Der Service-Profi wechselte vor zwei Jahren von der damaligen Lueg-Tochter van Eupen nach Wattenscheid und damit vom Pkw- ins Nfz-Segment. Beim Opel-Partner war der Manager zuvor über 25 Jahre im Dienst. Ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden Segmenten liegt seiner Ansicht nach im Grad der Vorausplanung. Während die Vormeldequote im Pkw-Bereich sehr hoch ist, was sich vorteilhaft auf Werkstattplanung und Teilebevorratung auswirkt, sei dieser Spielraum im Nutzfahrzeuggeschäft begrenzt. Damit geht eine erhebliche organisatorische Herausforderung einher. Aber die Umstellung hielt sich insgesamt in Grenzen, wie er sich erinnert. Technisch kann er sich immer auf die jeweilige Werkstatt-Crew verlassen. Zudem sei er beim Start selbst nicht ganz unbedarft im Lkw-Bereich gewesen, fügt er hinzu: Sein Vater war nach der Lehre bei van Eupen in den 70er-Jahren als Werkstattleiter zum Coop-Fuhrpark gewechselt. Der Bezug zu Nutzfahrzeugen war also stets gegeben. Die Führungsverantwortung unterliegt freilich eigenen Zwängen: „Letztendlich macht es für mich keinen Unterschied, ob mit großen Lkw oder kleinen Pkw gearbeitet wird, denn in erster Linie bekommt man es in meiner Position mit Menschen zu tun, egal ob Kunde oder Mitarbeiter.

In puncto Vorausplanung verspricht übrigens erneut die Digital-Technologie Abhilfe: Ein mittels Mercedes-Benz Uptime und Fleetboard-Plattform vernetzter Lkw gibt im Vorfeld Aufschluss über den Wartungsbedarf. Durch frühzeitiges Erkennen von kritischen Zuständen könne der Lkw präventiv repariert und Pannen sowie Ausfallzeiten verhindert werden, wie es bei Daimler heißt. Laut Stefan Jansen forciere die eigene Verkaufsmannschaft das Thema, mit der Folge, dass die Verbauquote in der eigenen Vertriebsregion äußerst zufriedenstellend sei. „Wir glauben, dass wir den Service morgen nur noch dann wirtschaftlich betreiben, wenn wir auch die Vernetzung nutzen und den Kundendienst besser steuern.“ Und damit schließt sich wieder der Kreis zwischen digitalem Helferlein und Lueg-Kernkompetenz: Durch effizientes Managen von Reparaturen und Wartungen lässt sich der Kundenkontakt optimieren. Martin Schachtner

Foto: Fahrzeug-Werke Lueg AG; Martin Schachnter

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Artikel Innovatives Reparatur-Werk
Seite 10 bis 15 | Rubrik WERKSTATT-PORTRÄT
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