Das klimaneutrale Truckcenter

In nur neuneinhalb Monaten Bauzeit realisierte der Generalunternehmer Borgers GmbH in Euskirchen einen hochmodernen und energieeffizienten Vorzeigebetrieb für die Volvo Group Trucks Service GmbH.

Drei Fahrspuren, davon zwei mit Grube, stehen in der Werkstatt zur Verfügung. Bild: Dieter Väthröder
Drei Fahrspuren, davon zwei mit Grube, stehen in der Werkstatt zur Verfügung. Bild: Dieter Väthröder
Redaktion (allg.)

Erfolg braucht Platz. Die Lkw-Sparte der Volvo Group mit den Marken Volvo Trucks und Renault Trucks verbuchte zuletzt große Erfolge im Lkw-Verkauf. So auch am Standort Euskirchen, wo die Volvo Group Truck Service GmbH eine der Werkstätten unter Eigenregie betreibt. Doch gerade dieser Erfolg brachte den bisherigen Standort an seine Grenzen. Rico Kleinpeter, Aftermarket Manager der Volvo Group Trucks Service GmbH in Frechen und verantwortlich für den Betrieb, schildert die Situation: „Der bisherige Standort war nicht mehr zeitgemäß und bot keine Möglichkeit zur Expansion, weder räumlich noch in der Mitarbeiterzahl. Dazu konnten wir unsere eigenen Vorgaben bezüglich CI, Qualitäts- und ISO-Standards nicht mehr umsetzen. Das alles führte zu dem Entschluss, einen neuen Standort für unsere Marken Volvo Trucks und Renault Trucks zu errichten“. Das neue Gewerbegebiet IPAS am Stadtrand Euskirchens bot dafür genügend Platz und eine Top-Lage mit Anbindung an die Autobahnen A1 und A61. Weiterer Vorteil: die Anfahrtstrecke für die Stammkunden ändert sich kaum, ist jetzt aber deutlich einfacher. So reservierte sich die Volvo Group frühzeitig ein 10.500 Quadratmeter großes Grundstück.

Mit diesem reservierten Grundstück sowie einem konzerneigenen Konzepttyp für Servicebetriebe im Gepäck kam es im Herbst 2018 zu ersten Gesprächen mit der Borgers GmbH. Jürgen Schönewolf, Manager Network Development und zuständig für die Netzentwicklung sowie Ola Hanell von Volvo Real Estate, formulierten dabei die Anforderungen. Auf Basis des Volvo-Konzeptes wünschte man sich einen schlüsselfertigen Bau, der neben Sicherheit und Qualität auch Umweltaspekte berücksichtigen musste. „Da die Borgers GmbH auf Kfz-Betriebe spezialisiert ist, konnten wir schnell eine Kostenschätzung und eine erste Entwurfszeichnung unter Berücksichtigung der Volvo-Vorgaben vorlegen“, so Pascal Gewing, Projektentwickler bei Borgers. Ganz im Sinne der Volvo Group war die weitere Planung nach den Kriterien für ein KfW-Energieeffizienzhaus (KfW 55), aus Umweltaspekten, aber auch um entsprechende Fördermittel nutzen zu können. Darüber hinaus überzeugte der Vorschlag einer großflächigen Nutzung der Dachfläche für eine Photovoltaik-Anlage mit 99 kWp sowie ein nachhaltiges Pflanzkonzept. So konnte Borgers schließlich ein Angebot für schlüsselfertige Leistungen vom Bauantrag bis zur Fertigstellung einreichen. In den folgenden Investorengesprächen mit der Investmentgesellschaft Borgers TCI GmbH wurde das Finanzierungskonzept festgelegt. Diese kaufte das reservierte Grundstück, ließ durch die Borgers GmbH als Generalunternehmer die Baumaßnahmen durchführen und vermietet seit Fertigstellung im Juni 2020 das Objekt an die Volvo Group Truck Service GmbH.

Nachhaltiges Energiekonzept

Nach nur neuneinhalb Monaten Bauzeit konnte das Projekt bereits früher als geplant schlüsselfertig übergeben werden, auch weil man aufgrund einer Teilbaugenehmigung bereits Mitte August 2019, statt wie geplant im Oktober, mit den Erdarbeiten beginnen konnte. Ein im Rahmen der Planung von Borgers eingeholtes Bodengutachten ergab die Notwendigkeit einer Sondergründung, um die Tragfähigkeit des Untergrundes sicherzustellen. Auf dem 10.500 Quadratmeter großen Grundstück entstand in der Folge ein hochmodernes, 1.675 Quadratmeter großes Werkstattgebäude mit Verwaltungstrakt. Dieser wird mittels Luft-Luft-Wärmepumpe regenerativ beheizt, den Strom liefert die Photovoltaikanlage auf dem Dach. Im Lager und im Werkstattbereich kommt eine Gas-Brennwert-Therme mit Deckenlufterhitzern zum Einsatz. In Verbindung mit der Dämmung der Außenwände in Sandwich-Bauweise und der modernen Haustechnik, wie der kompletten LED-Beleuchtung innen und außen, konnten so die Kriterien für das „KfW-Energieeffizienzhaus“ erfüllt werden. Den verbleibenden Energieverbrauch kompensiert die Photovoltaik-Anlage durch die Spitzenleistung von 99 kWp. Somit ermöglicht das Konzept einen klima- bzw. CO2-neutralen Betrieb des Gebäudes. Darüber hinaus werden in der nächsten Pflanzperiode nicht nur 23 Bäume und 300 Sträucher gepflanzt, sondern auch eine ca. 1.800 Quadratmeter große Wildwiese als Teil des Nachhaltigkeitskonzepts angelegt.

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Für die Zukunft gerüstet

In der Werkstatt stehen drei Fahrspuren, davon zwei mit Grube, für Reparaturen zur Verfügung. Hebebühnen waren aufgrund der vorgegebenen maximalen Bauhöhe nicht umsetzbar, hatten aber auch keine Priorität. „Gruben sind immer noch die beste Lösung im Lkw-Bereich. Darin befinden sich frei verfahrbare Achsheber, die bei Nichtgebrauch platzsparend „geparkt“ werden können“, erklärt Rico Kleinpeter. Da Volvo auch gasbetriebene Trucks im Einsatz hat, wurde ein spezieller Arbeitsplatz mit Absaugung und sensorgesteuerter Dachluke eingerichtet. Eine Waschhalle und ein Aufbereitungsplatz für Neufahrzeuge schließt sich an die Werkstattspuren an. Beim Bau wurde auch die zukünftige Entwicklung berücksichtigt. So lässt sich die Werkstatt bei Bedarf problemlos um eine weitere Spur erweitern.

Ein entsprechendes Gebäudesegment kann einfach seitlich angebaut werden, ohne den Ablauf zu stören. Sowie es fertig ist, wird einfach die Zwischenwand entnommen und der Betrieb kann nahtlos weiterlaufen. Dieter Väthröder

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Seite 46 bis 47 | Rubrik UNTERNEHMEN
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