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Datenschutz mit Blockchain

Unternehmen forschen an einer sicheren und automatisierten Datenbank nicht nur für fahrzeugrelevante Daten. Einblick in eine Technologie, die Vertrauen ins Internet-Zeitalter übersetzen will.

Befürworter der Blockchain (dt. Blockkette) versprechen eine transparente und fälschungssichere, weil dezentrale Datenbank. Bild: Fotolia/ Sashkin
Befürworter der Blockchain (dt. Blockkette) versprechen eine transparente und fälschungssichere, weil dezentrale Datenbank. Bild: Fotolia/ Sashkin
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Martin Schachtner

„Blockchain ist eine disruptive Technologie“, befindet Timo Gessmann, Direktor vom Bosch IoT-Lab im Unternehmensblog des Automobilzulieferers. Die Blockchain (zu Deutsch: Blockkette) findet in der Speicherung, dem Management und der Authentifizierung von Daten Anwendung. Bekannt wurde sie zuerst im Bereich der Krypto-Währungen, insbesondere als technische Grundlage von Bitcoin. „Heute, im zunehmenden Internet der Dinge („Internet of Things“ – IoT), wo künftig alles mit allem vernetzt sein wird, braucht es eine Technologie, die Vertrauen in die gesammelten Daten herstellt“, führte der Wissenschaftler aus. Das Bosch IoT-Lab entstammt einer Kooperation zwischen den Universitäten St. Gallen, ETH Zürich und der Robert Bosch GmbH. Mit TÜV Rheinland nutzt man Blockchain aktuell gegen Tachomanipulation.

Sicherer Speicher

Eine Besonderheit an der Speicherung in der Blockkette ist die Datensicherheit aufgrund ihrer dezentralen Struktur: Die gesammelten Informationen zu Kilometerständen (Bosch IoT-Lösung), „Kontobewegungen“ (bei Bitcoin Transaktionen zwischen einzelnen „Wallets“) oder Reparaturen bzw. Wartungen (CarVertical) werden verschlüsselt und in verketteten sowie beliebig verlängerbaren Informationsblöcken digital aufgelistet. Die Datensätze sind auf allen teilnehmenden Computern abgespeichert und werden permanent algorithmisch miteinander abgeglichen. Zwar können Hacker von extern oder kriminelle Teilnehmer Datensätze auf einzelnen Rechnern ändern, fast unmöglich ist dagegen die Manipulation im gesamten Netzwerk. Dieser Eingriff wäre erforderlich, sonst erkennt der Sicherheitsmechanismus lokale Fehler und schließt gehackte Systeme aus.

Das Bosch IoT-Lab stattet Fahrzeuge seit dem Projektstart im Jahr 2016 mit einem Dongle an der OBD-II-Schnittstelle aus. Dieser liest die Kilometerstände aus und sendet sie verschlüsselt an eine Blockchain des Anbieters Ethereum. Der Datentransfer erfolgt entweder durch die im Gerät verbaute Sim-Karte oder über das Smartphone des Nutzers. Parallel sendet der Dongle GPS-Daten. Auf Grundlage dieser Daten lassen sich Kilometerstände einer Plausibilitätskalkulation unterziehen, hieß es. Zum Lesen und Nutzen der in der Blockchain abgelegten Werte erhält der leseberechtigte Nutzer (bzw. von diesem freigeschaltete Anspruchsberechtigte) einen Decodierschlüssel. Mit TÜV Rheinland soll es dann die Möglichkeit eines Gebrauchtwagen-Zertifikats geben – so die Überlegungen für das künftige Geschäftsmodell.

Auch andere Unternehmen sind bestrebt, Fahrzeugdaten in einer Blockchain-Anwendung zusammenzuführen und nutzbar zu machen. CarVertical will sich dabei nicht auf das Thema Tachostände beschränken. Vielmehr will das litauische Start-up alle nutzungs- oder servicerelevanten Daten sammeln. Im Ergebnis werde eine Fahrzeug-Historie mit Angaben von Versicherungen, Verkehrsbehörden, Werkstätten, Auktionsanbietern oder Leasing-Diensten entstehen, erklärte ein Sprecher dem Onlinedienst „gründerszene.de“. Das Unternehmen hat einen Inkubator-Wettbewerb von VW gewonnen und kommt ab September in der Gläsernen Manufaktur in Dresden unter.

Ein weiterer Ansatz mit Herstellerbeteiligung ist die Mobility Open Blockchain Initiative (MOBI). Die Initiative will ein Daten-Ökosystem auf Basis der Blockchain-Technologie aufsetzen. Dahinter stehen den Angaben zufolge unter anderem BMW, Bosch, Ford, General Motors, Renault, ZF, sowie die Toyota-Versicherungstochter Aioi Nissay Dowa mit ihrer US-Dependance. Ziel sei es, die Potenziale der Blockchain für die Automobilbranche auszuloten.

Auch für die Nfz-Branche sind entsprechende Ökosysteme für Datensammlungen und Datenanalysen interessant. Dennoch gibt es auf den ersten Blick einen unterschiedlichen Ansatz – zumindest, wenn man die Bosch-Lösung betrachtet: Im Lkw wurden mit der EU-Verordnung 1266/2009 digitale Tachographen vorgeschrieben. Eine gewisse Überwachung ist also gegeben. Fahrer und Spediteure tricksen auch eher bei Lenk- und Ruhezeiten als beim Tachostand. Dabei bedient man sich gefälschter Fahrerkarten oder Magneten zur Manipulation am Kitas-Sensor.

Datenfusion

Mitte 2019 tritt eine neue Tachographen-Verordnung (165/2014) in Kraft. Zwar weisen neue und verordnungskonforme Tachografen, wie der DTCO 4.0 von Continental eine erweiterte Funktionalität auf. Laut Mathias Dehm, Head of Security & Privacy Research bei Continental, sind die Geräte so konstruiert, „dass Manipulationsversuche elektronische oder mechanische Spuren hinterlassen, die von einer autorisierten Werkstatt oder einem Experten jederzeit identifiziert werden können. Darüber hinaus führen die autorisierten Prüfwerkstätten im Rahmen der alle zwei Jahre stattfindenden periodischen Prüfung Tests durch, mit denen Manipulationen erkannt werden können.“ Dennoch ist der Einsatz einer Blockchain-Lösung auch in diesem Zusammenhang denkbar und dürfte mehr Sicherheit bringen, wenn man der Argumentation der Verantwortlichen von Bosch IoT-Lab oder CarVertical folgt.

Die Technologie ist auch in Zusammenhang mit den aufkommenden Daten-Marktplätzen denkbar. Unabhängige Anbieter, wie Caruso und Carmunication laden zum Austausch von Kilometerständen, Fahrverhalten, Diagnosedaten. Diese seien für TÜVs, GW-Vermarkter, Versicherungen oder Werkstätten im Sinne neuer Geschäftsmodelle interessant. Zum Branchen-Event „Caruso Partner Connect“ hieß es, derzeit nutzten 200 Unternehmen die Plattform als Anbieter oder Konsumenten von Daten. Die Bedeutung der Daten und vor allem das Bewusstsein dafür nimmt zu.

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Integrität im Datenhaufen

 

„Telematikdaten kann man mit ungeschliffenen Diamanten vergleichen. Sie haben großes Potenzial, liegen vielfach allerdings nicht in einer so vertrauenswürdigen und authentisierten Form vor, dass sich darauf Geschäftsbeziehungen aufbauen lassen“, erklärte Lutz Scholten, Leiter des Geschäftsbereichs Tachographs, Telematics and Services bei Continental.

Da kommt die Blockkette ins Spiel: Diese und das Thema Künstliche Intelligenz (KI) gehören zu den wichtigsten Trends unserer Zeit. In der Verknüpfung dieser beiden Technologien bei der Bearbeitung erheblicher Datenmengen – etwa aus dem Bereich Automotive – liegt Potenzial. Denn: Künstliche Intelligenz erweitert die kognitiven Fähigkeiten der Menschen und hilft bei der Analyse neuer Datenquellen. Die Blockchain wiederum gewährleistet Integrität und Fälschungssicherheit. Martin Schachtner

Foto: Foto: Fotolia/ Sashkin; Robert Bosch GmbH

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Artikel Datenschutz mit Blockchain
Seite 46 bis 47 | Rubrik TECHNOLOGIE
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