Winter-Tipps für den Lkw

Die kalte Jahreszeit hält ganz eigene Herausforderungen für Nutzfahrzeuge bereit. Schnee und Eis machen es den Fahrern schwer und die Kälte strapaziert die Technik.

Lkw müssen auch bei harten Minusgraden zuverlässig ihren Dienst vollbringen. Bild: Daimler Truck
Lkw müssen auch bei harten Minusgraden zuverlässig ihren Dienst vollbringen. Bild: Daimler Truck
Tobias Schweikl

Werden draußen die Tage wieder kürzer, beginnt für Nutzfahrzeuge und deren Fahrer eine mühsame Jahreszeit. Schwierige Sicht- und Straßenverhältnisse machen das Fahren riskanter und mit fallenden Temperaturen steigen die Chancen, dass die Technik einen Defekt erleidet. Doch man kann sich vorbereiten.

Das größte Sicherheitsplus im Winter ist die richtige Bereifung. Seit dem 1. Juli 2020 brauchen Lkw und Busse nicht nur auf den Antriebsachsen, sondern auch auf den Lenkachsen wintertaugliche Bereifung bei Glätte, Schnee oder Matsch. Wintertaugliche Reifen, die nach dem 31. Dezember 2017 hergestellt wurden, müssen ein Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke) aufweisen. Die M+S-Kennzeichnung genügt nicht mehr. Für ältere Reifen gilt eine Übergangsfrist bis zum 30. September 2024.

Die gesetzlich vorgeschriebene Profiltiefe liegt bei nur 1,6 Millimetern. Den Wert legt § 36 Abs. 2 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung fest. Dabei wird nicht unterschieden zwischen der Art des Kraftfahrzeugs oder ob es sich um Sommer- oder Winterreifen handelt. Der Wert ist als absolute Untergrenze zu verstehen. Wird diese unterschritten, darf man mit den Reifen nicht mehr im öffentlichen Straßenverkehr fahren.

Profiltiefe und Reifendruck

Weil ein Reifen bei einer Profiltiefe von 1,6 mm in den Augen vieler Experten jedoch schon erheblich an Haftung verliert, empfehlen viele Reifenhersteller und Automobilclubs eine größere Tiefe. Winterreifen von Lkw sollten demnach eine Profiltiefe von mindestens 6 bis 8 Millimetern haben. Außerdem ist es ratsam, die Schneeketten zu kontrollieren und das Anlegen der Ketten zu trainieren.

Neben dem Profil und der Gummimischung ist für einen guten Grip auch der Reifendruck entscheidend. Ist er zu hoch oder zu gering, setzt sich das Profil schneller zu, der Bremsweg verlängert sich und das Fahrzeug kommt leichter ins Rutschen. Zudem steigt der Spritverbrauch, die Reifen verschleißen schneller oder platzen sogar.

Der Lkw-Bußgeldkatalog für Reifen sieht aktuell Strafen zwischen 60 und 120 Euro für eine nicht angepasste Bereifung vor. 60 Euro werden fällig, werden Lkw ohne vorgegebene wintertaugliche Reifen gefahren. Kommt eine Verkehrsbehinderung dazu, steigt die Geldstrafe auf 80 Euro. Bei Gefährdung sind es dann bereits 100 Euro, mit Unfallfolge sind es 120 Euro; jeweils zuzüglich eines Punkts in Flensburg.

Eine unzureichende Profiltiefe wird mit 60 Euro und einem Punkt geahndet. Ein Fahrzeughalter, der die Benutzung eines Lkw oder Anhängers ohne ausreichende Profiltiefe angeordnet beziehungsweise zugelassen hat, ist mit 75 Euro und einem Punkt dabei.

Wer im Ausland unterwegs ist, sollte sich zudem über die Rechtsvorschriften bezüglich Winterreifen und Schneeketten auf der Route schlau machen. Diese unterscheiden sich in Europa teils erheblich. Ebenso wie das Strafmaß. So sind zum Beispiel Spikereifen in Belgien oder Bulgarien verboten, in Finnland oder Großbritannien bei winterlichen Verhältnissen erlaubt.

Batterie, Licht, Bremse

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Kommt es im Winter zur Lkw-Panne, ist die Ursache meist immer noch bei den Klassikern zu finden: schwache Batterien, Defekte an der Beleuchtung und eingefrorene Bremsventile. Pannen infolge von kältebedingt tiefentladenen Batterien gehören laut ADAC TruckService zu den häufigsten Einsätzen während der kalten Jahreszeit. Die vielen elektrischen Verbraucher im Fahrzeug und die höhere Belastung beim Anlassen eines kalten Dieselmotors fordern die Batterie zusätzlich. Meist zeige sich schon am ersten richtig kalten Tag, ob die Batterie noch genügend Kraft habe, so der Pannendienstleister. Stimme die Säuredichte, könnten selbst hohe Minusgrade der Batterie nichts anhaben.

Um ein Versagen der Bremse zu verhindern, müssen der Frostschutz im Bremssystem geprüft und die Entwässerungsventile an Druckluftkesseln proaktiv betätigt werden. Ist eine Bremsanlage erst einmal eingefroren, ist der Pannendienst gefragt. Die Profis arbeiten mit speziellen Schlauchadaptern, über die heiße Auspuffgase auf die gefrorene Stelle geleitet werden, damit das Fahrzeug schnell wieder flott ist.

Anfällig für Korrosion infolge von Nässe und Salz sind alle Verbindungsteile aus Metall. Kabel mit Scheuerstellen, Batterieübergabepunkte oder Anhängersteckdosen sollten zur Vorbeugung regelmäßig gecheckt und gereinigt werden. Der Fahrer sollte zudem auf gesplittertes Plastik oder poröse Dichtungen achten, durch die Feuchtigkeit in Lampen eindringen und einen Kurzschluss verursachen kann.

Außerdem gilt: Wenn man die Klimaanlage auch im Winter ab und zu einschaltet, hält das die Dichtungen geschmeidig. Türgummis können mit Hirschtalg behandeln werden, um ein Einfrieren der Tür zu verhindern. ts

Winter-Checkliste des ADAC TruckService

1. Auf Winterreifen wechseln: 1,6 mm Profiltiefe sind gesetzlich vorgeschrieben, besser sind mindestens vier bis sechs Millimeter.

2. Luftdruck checken: Der richtige Reifendruck sorgt für Grip und verhindert, dass sich das Profil zusetzt.

3. Schneeketten prüfen: Bei Bedarf mit Rostlöser oder Diesel behandeln und probehalber anlegen.

4. Batterieleistung und Batterieübergabepunkte testen.

5. Für Kühler-Frostschutz bis -30 Grad sorgen.

6. Frostschutz im Bremssystem prüfen und Entwässerungsventile an Druckluftkesseln proaktiv betätigen.

7. Wischwasser mit Scheibenklar befüllen (Nachfüllpack mitführen).

8. Gehäuse, Dichtungen und Leuchtmittel von Scheinwerfern und Positionslichtern prüfen.

9. Anhängersteckdosen auf Beschädigungen prüfen.

10. Lkw-Unterbodenkonservierung prüfen.

11. Türgummi mit Hirschtalg behandeln, um ein Zufrieren zu verhindern.

12. Türschlossenteiser ins Handgepäck legen (nicht ins Fahrzeug).

13. Lappen griffbereit halten, um Lampen, Spiegel und Scheiben zu säubern.

14. Warme Kleidung und Decke mitführen.

15. Klimaanlage auch im Winter gelegentlich einschalten, damit Dichtungen nicht austrocknen.

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Seite 42 bis 43 | Rubrik SERVICE