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Das größte Filterwerk der Welt

Der Hersteller Mann + Hummel produziert im niederbayerischen Marklkofen 175 Millionen Filter pro Jahr. PROFI Werkstatt war für Sie vor Ort, um sich diese gigantischen Dimensionen anzusehen.

Kraftstofffilter zuckeln über zwei Förderbänder. | Fotos: T. Pietsch
Kraftstofffilter zuckeln über zwei Förderbänder. | Fotos: T. Pietsch
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Thomas Pietsch

Im beschaulichen und idyllischen Marklkofen, circa zehn Kilometer südlich vom großen BMW-Produktionsstandort Dingolfing entfernt, steht das größte Filterwerk der Welt. Zumindest die Mann + Hummel-Verantwortlichen Bernhard Wimmer, Werksleiter und Vice President, sowie Hansjörg Herrmann, Chief Operations Officer (COO), kennen kein größeres Werk in ihrer Branche. Auf dem 1962 erworbenen Gelände einer ehemaligen Nudelfabrik laufen werktäglich 180.000 Filter von den Bändern. Wenn man die leicht unterschiedlichen Filter für die verschiedenen Hersteller mit berücksichtigt, werden 10.000 Filtertypen hergestellt.

Das Werk beschäftigt 3.000 Mitarbeiter im Drei-Schicht-Betrieb, davon 800 in Teilzeit. Denn hier kommt gleich eine weitere Besonderheit des Werks: Die Frauenquote beträgt 70 Prozent. Um darauf angemessen zu reagieren, hat Mann + Hummel mittlerweile 120 Teilzeitmodelle für den Standort entwickelt, damit die Frauen Beruf und Familie unter einen Hut bringen können. Erstaunliches leisten die Verantwortlichen im Werk auch bei der Ausgestaltung der Arbeit für die Beschäftigten. Nach einer Stunde Arbeit wechseln diese ihre Tätigkeit. Das hat in erster Linie zur Folge, dass die Arbeiter nicht einseitig belastet werden und stellt somit eine Gesundheitsfördermaßnahme dar. Und natürlich macht es die Arbeitszeit für die Werktätigen interessanter. „Das machen wir schon seit mehr als 15 Jahren so. Anfangs war es allerdings etwas schwierig, weil es durchaus Widerstände in der Belegschaft gab. Seit gut zwei Jahren arbeiten wir außerdem mit Physiotherapeuten zusammen, die genau bestimmen, welche Tätigkeit auf eine andere nachfolgt“, erzählt Bernhard Wimmer.

Mann + Hummel betreibt allein in Europa 44 Standorte, weltweit werden über drei Milliarden Filter im Jahr hergestellt. In diesem Universum ist Marklkofen das Aushängeschild. „In keinem unserer Werke ist der Automatisierungsgrad höher und es ist eines der innovativ stärksten Werke, die wir haben“, weiß Hansjörg Herrmann. Und Automatisierung steht dabei nicht nur für Rationalisierung gegenüber manuellen Tätigkeiten. Es bedeutet auch eine geringere Fehlerquote.

Wenn man durch die hellen und sauberen Produktionshallen läuft, kommt man vorbei an jeder Menge Fördertechnik, Falt- und Prägemaschinen sowie Robotern in unterschiedlichen Größen. Erstaunlich ist, mit welch irrer Geschwindigkeit die Roboter zu Werke gehen. Keine Spur von Behäbigkeit. Werksleiter Wimmer klärt auf: „Die Roboter werden von einer eigenen Abteilung hier im Haus selbst programmiert.“ Natürlich.

Um die Vielfalt, die in Marklkofen hergestellt wird, umzusetzen, liegen die Losgrößen pro Filtertyp bei circa 8.000 bis 10.000 Stück pro Produktionslinie. Das entspricht in etwa einem Tag. Dann wird umgerüstet. Das Umrüsten der Roboter erfolgt teilweise vollautomatisch, sie müssen aber immerhin vor Produktionsstart noch nachjustiert werden – damit nichts schief geht.

Da das Werk zu den Innovationsführern bei Mann + Hummel gehört, werden natürlich auch modernste Technologien eingesetzt. Zum Beispiel seit einigen Jahren der 3D-Druck. Der kommt insbesondere beim Werkzeuge-Musterbau für die Produktion zum Einsatz. „Das geht dramatisch schneller als wenn wir das irgendwo bestellen“, nennt Herrmann den Hauptvorteil dieses Verfahrens. Bisher wird 3D-Druck nur bei Kunststoffteilen eingesetzt. Zukünftig werde es aber auch Metall-3D-Druck geben. Es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis diese Geräte erschwinglich werden.
Auch in der Werkslogistik zeigt sich die Freude an modernen Lösungen. So werden die Staplerfahrer bei der Lkw-Beladung von einem Leitsystem zu den einzelnen Positionen geschickt. Auch mit der Folge, dass mehrere Lkw parallel beladen werden. Das Ziel ist es dabei, dass die Lkw maximal 30 Minuten an der Rampe stehen. Das ist auch deshalb wichtig, weil täglich circa 130 Lkw das Werk anfahren. Thomas Pietsch

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