Continental: Neues Luftdrucküberwachungssystem für Nfz-Reifen ermöglicht frühzeitige Erkennung von Druckverlusten: Damit dem Reifen nicht die Luft ausgeht

Luftdrucküberwachungssysteme für Nfz-Reifen sind im Kommen. Denn sie ermitteln Druckverluste schon lange vor einem kritischen Zeitpunkt. Wir haben den Einbau eines brandneuen Systems von Continental in der Werkstatt begleitet.

Das Handlesegerät zeigt einen aktivierten Sensor am Reifen an. | Fotos: C. Bünnagel
Das Handlesegerät zeigt einen aktivierten Sensor am Reifen an. | Fotos: C. Bünnagel
Redaktion (allg.)

Laut ADAC-Lkw-Pannenstatistik für das erste Halbjahr 2013 nehmen Reifenschäden mit 35,9 Prozent aller Pannenfälle die einsame, negative Spitzenstellung vor Elektrik- und Motordefekten ein. Soweit müsste es gar nicht kommen. Denn Luftdrucküberwachungssysteme können das Liegenbleiben von vornherein verhindern. Sie entdecken schleichende und schnelle Luftdruckverluste sofort. Neben der Vorwarnfunktion bieten sie den Vorteil, dass dem Fahrer ermöglicht wird, den Luftdruck jedes einzelnen Pneus stets im Auge zu behalten. Außerdem: Das Fahren mit stets optimalem Reifendruck reduziert auf Dauer Dieselkosten und kommt der Langlebigkeit der Bereifung zugute. Und bei ADR-Transporten und in der Personenbeförderung ist der Schutz vor Defekten ein echtes Sicherheitsplus.

Doch ist der Einbau des Systems nicht mit erheblichem Aufwand verbunden? Das wollten wir vor Ort erfahren und besuchten die Fritz Sieckendiek GmbH in Versmold südlich des Teutoburger Waldes. Das Busunternehmen betreibt als MAN- sowie Solaris-Servicepartner eine Nutzfahrzeugwerkstatt und ist 2011 bei einem MAN-Wettbewerb als zweitbeste Werkstatt Deutschlands ausgezeichnet worden und unter den besten 20 von mehr als 400 teilnehmenden Werkstätten aus Europa, Afrika, dem Mittleren Osten und den GUS-Staaten gelandet. Sie gab nun Einblick in den Einbauprozess des neuen Systems „Conti-Pressure-Check“ (CPC).

Als Vorführfahrzeug stand ein zweiachsiger MAN Lion’s Coach bereit. Erster Arbeitsschritt war das Verlegen der Kabelbäume. Denn neben dem in der Steuereinheit (CCU = Central Control Unit) integrierten Empfänger – in diesem Fall im Kofferraum nahe der Zentralelektrik untergebracht – kommt im Bus sowie bei Anhängern und Aufliegern ein Zusatzempfänger zum Einsatz, der die Signale der in den hinteren Reifen eingebauten Reifensensoren empfängt. Auch dieses Gerät fand seinen Platz im Kofferraum, allerdings weiter rückwärtig, um eine gute Verbindung zu den Sendern an den Reifen der Hinterachse zu gewährleisten. Gleichzeitig besaß es wie die CCU eine direkte Verbindung zur Zentralelektrik.

Viele Platzierungsmöglichkeiten

 

Der freien Platzierung des Zusatzempfängers sind jedoch keine Grenzen gesetzt. So berichtete Mike Lehmann-Janson, Conti-Verkaufsleiter für das Nfz-Ersatzgeschäft in Deutschland, dass ein Kunde das Gerät bei einem Stadtbus in einem Bereich hinter der Wand- und Deckenverkleidung verschwinden ließ – mit dennoch sehr guter Empfangsleistung. Eingezogen wurden die Kabel in den Reserveschächten, sodass keine separaten Löcher gebohrt werden mussten. Sieckendiek-Geschäftsführer und -Werkstattleiter Stefan Rinker empfiehlt, für diesen Vorgang etwas mehr Zeit einzukalkulieren, denn die Kabel sollen schließlich dauerhaft im Fahrzeug verbleiben und dementsprechend sauber verlegt sein. So muss man für diesen Prozess etwa zwei Stunden veranschlagen.


Deutlich einfacher und schneller ist die Montage von Steuereinheit, Zusatzempfänger und Kabeln im Lkw. Hier wird der Zusatzempfänger hinter der Sattelkupplungsplatte mittig am Rahmen per Halterung angebracht, die die nötige Lochung besitzt. Diese kann aber bei Bedarf angepasst werden. Die Halterung für die CCU hat keine Lochung für den Fahrzeugrahmen. Diese muss individuell den Lochungen des Rahmens angepasst werden. Letzterer Vorgang ist im mitgelieferten Handbuch erklärt.

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Dementsprechend dauert der gesamte Prozess maximal eine bis anderthalb Stunden – „wenn das Werkstattteam gut mit der individuellen Fahrzeug­elektronik vertraut ist“, so Lehmann-Janson. Solo-Lkw mit einem Radstand bis maximal sechs Meter kommen ohne Zusatzempfänger aus, was die Einbauzeit deutlich verkürzt.

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Nach den Arbeiten am Fahrzeug folgt im zweiten Schritt die Anbringung der Reifensensoren in den einzelnen Pneus. Dabei wird die vorgesehene Stelle an der Reifeninnenseite zunächst mit einem Liquid Buffer gereinigt, dann der im von Conti gelieferten Kid vorhandene Kleber aufgebracht, schließlich der in einem kleinen Gummicontainer versenkte Sensor auf die Klebefläche gebracht, wo er circa 45 Sekunden bis eine Minute lang angedrückt werden muss. Insgesamt ist für den kompletten Vorgang pro Pneu eine Zeit von neun bis zehn Minuten zu veranschlagen, bei sechs Reifen also rund eine Stunde bis maximal anderthalb Stunden, wie Mechatroniker Nils Wrobbel von Sieckendiek erläuterte.
 

 

Im Gegensatz zum fahrzeugseitigen Arbeitsgang muss Schritt 2 natürlich immer dann wiederholt werden, wenn neue Pneus aufgezogen werden – etwa beim Wechsel auf Winterreifen. Werkstätten, die die Montage ihres schwarzen Rollmaterials outgesourct haben, müssen das Anbringen der Sensoren entsprechend an den Reifenpartner delegieren. Ein Tipp hielt Conti-Mann Lehmann-Janson bereit: Um mit dem mitgelieferten Handlesegerät der italienischen Firma Tecnomotor – die Software hat Conti selbst entwickelt – die einzelnen Sensoren leichter zu aktivieren, empfiehlt er, sie nahe des Ventils zu platzieren. Dann nämlich kann man das Handlesegerät punktgenau zum Sender führen, was gerade bei Zwillingsbereifung eine Arbeitserleichterung darstellt. Letzter Schritt ist das Anbringen eines separaten Displays im Cockpit inklusive Verkabelung und mit seiner Hilfe die Überprüfung der Systemfunktionen.

Akustische Warnsignale
Dabei lassen sich die einzelnen Luftdruckzustände für jeden Pneu ablesen. Ab einem Druckverlust von zehn Prozent eines Reifens warnen ein Piepton und eine optische Anzeige. Bei starkem Minderdruck wird der akustische Hinweis nach einer bestimmten Zeit wiederholt. Bei plötzlichem, schnellen Luftdruckverlust warnt das Gerät bereits vor der Zehn-Prozent-Schwelle mit einem Piepton, der ebenfalls nach einer bestimmten Zeit wiederholt wird.

Fazit: Eine Werkstatt mit gut ausgebildetem Personal dürfte der Einbau des CPC kaum vor große Herausforderungen stellen. Nach der ersten von Conti-Technikern begleiteten Montage gewinnt sie womöglich rasch so viel Erfahrung, dass sie die Abläufe noch schneller als oben beschrieben durchführen kann. Geliefert wird das System jedoch ausschließlich an Endkunden, nicht an reine Werkstätten.
Claus Bünnagel

 

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