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Fachartikel Profi-Werkstatt – Februar 2018 / Ausgabe 1

Werkstattausrüstung

„Wir beobachten den Markt für R744-Klimaservice.“

Fragen an Olaf Henning, Geschäftsführer der Mahle Aftermarket GmbH, zu den Herausforderungen im Werkstattgeschäft. Er steht einem erfolgreichen Bereich vor, der laut Geschäftsbericht 2016 weltweit 1.550 Mitarbeiter umfasste und einen Umsatz von 899 Millionen Euro beisteuerte.

PROFI Werkstatt: Ihren Angaben zufolge möchte Mahle sowohl den Kolben für den letzten Verbrennungsmotor liefern als auch an der Weiterentwicklung der Elektromobilität beteiligt sein. Wie stellt sich diese Strategie im Aftermarket-Geschäft dar?

Olaf Henning: Beim Aftermarket ist es per se so, dass die Produkte aus dem OE-Bereich dann dort ankommen, wenn sie in Großserie gegangen sind und mit zeitlichem Verzug die ersten Verschleißthemen auftreten. Das gilt auch mit Blick auf die Produkte der dualen Strategie, die der Konzern gerade verfolgt.

Darf man die Zukäufe der letzten Jahre, beispielsweise RTI Technologies, Behr, die Thermomanagement-Sparte von Delphi Automotive sowie den Einstieg bei Brain Bee als Weiterentwicklung vom Produkthersteller zum Lösungsanbieter interpretieren?

Unsere Entwicklung hin zu einem Lösungsanbieter für Werkstätten verfolgen wir bei Mahle Aftermarket schon seit einigen Jahren mit großem Einsatz und stellen uns hier strategisch entsprechend auf. Mit der Übernahme von RTI Technologies und der Beteiligung an Brain Bee treiben wir diese Entwicklung weiter voran. Die Übernahmen von Behr und der Thermomanagement-Sparte von Delphi folgen in erster Linie der OE-Strategie des Konzerns; davon profitiert jedoch auch der Aftermarket – beispielsweise durch die Einführung der Klimakompressoren bei Mahle Aftermarket im September 2017.

Wie ist der Geschäftsbereich aktuell aufgestellt? Wie viele Standorte, Mitarbeiter, Produkte umfasst Mahle Aftermarket?

In Deutschland beschäftigt Mahle Aftermarket etwa 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Standorten Stuttgart und Schorndorf. Unser Produktspektrum umfasst Ersatzteile und Lösungen aus den Bereichen Motorsysteme und Motorkomponenten, Filtration und Motorperipherie, Turbolader und Thermomanagement sowie unsere Werkstattausrüstungen von Mahle Service Solutions.

Wie ist die Einordnung von Mahle Service Solutions?

Wir bieten Werkstätten Komplettlösungen für die Werkstattausrüstung mit den Schwerpunkten Motor und Thermomanagement. Bereits 1988 haben wir als Erster ein Werkstatt-Klimaservicegerät für einen OEM entwickelt. Bei Mahle Service Solutions vereinen wir Kompetenzen aus zahlreichen Unternehmenssparten: Im Bereich Fahrzeugklimatisierung sind wir mit Mahle Behr seit über 25 Jahren Entwicklungspartner und Erstausrüstungslieferant verschiedenster OEM weltweit. Der Bereich Mahle Powertrain fertigt Prüf- und Diagnosesysteme für die Automobilindustrie. Die in den Konzern integrierte US-amerikanische RTI Technologies Inc. ist auf Klimaservicegeräte und Systeme zum Flüssigkeitsaustausch spezialisiert. Dieses umfassende Know-how und die langjährige Expertise fließen in das Produktportfolio von Mahle Service Solutions ein. Wie entwickelt sich der Umsatz in Deutschland und Europa? Im vergangenen Geschäftsjahr hat sich der Umsatz bisher sowohl in Deutschland als auch in Europa positiv entwickelt. Wie viel der Umsatzsteigerungen gründet auf erwähnten Akquisitionen? Ein Beispiel auf Konzernebene ist das Thermomanagement: Es hat sich zum größten Geschäftsfeld von Mahle entwickelt. Wie viele Positionen führt der Ersatzteilkatalog im Bereich Nutzfahrzeuge? Unser Produktprogramm umfasst ein sehr breites Spektrum an Ersatzteilen für verschiedene Nutzfahrzeuge. Ein Beispiel: Im Mahle-Online-Katalog für Europa zeigen wir momentan ca. 55.000 Produkte, davon etwa ein Drittel für Nutzfahrzeuge.

Wie gelingt der Wissenstransfer in die Nfz-Werkstatt? Welche Rolle nehmen die Formate „Praxis live“ und „Theorie kompakt“ ein? Was erhofft man sich bei Mahle vom neuen Print- und Online-Magazin „MPulse“?

Unsere Schulungen und Trainings richten sich an unterschiedlichste Teilnehmergruppen, darunter selbstverständlich auch Mitarbeiter von Werkstätten für Landmaschinen und Nutzfahrzeuge. Da wir die Praxisschulungen in kleinen Gruppen durchführen, können wir auf die Bedürfnisse und den Wissensstand unserer Teilnehmer individuell eingehen. Mit unserem neuen Kundenmagazin MPulse kommen wir noch näher an unsere Kunden und informieren über Neuheiten bei Mahle Aftermarket. Werkstätten müssen sich mit immer komplexer werdenden Fahrzeugtechnologien auseinandersetzen – wir liefern Know-how direkt in die Werkstätten. MPulse bietet z. B. Unterstützung beim Einbau und der Inbetriebnahme von Ersatzteilen, auch in Form von Video-Tutorials – der Fokus liegt also auf der Technik. Darüber hinaus behandeln wir interessante Themen zu Motorsport, Tuning oder Oldtimern.

Eine Besonderheit des Klimaservicegeräts „Arctic PRO ACX 255“ ist die Möglichkeit einer Ferndiagnose. Wie läuft der technische Support für die Werkstätten üblicherweise ab? An wen wendet sich der Servicemechatroniker, wenn er nicht weiterkommt?

Wenn in der Werkstatt ein Problem mit dem Klimaservicegerät auftritt, wird der Servicetechniker kontaktiert. Er kann sofort eine Ferndiagnose zum Gerät aufbauen und das Problem aus der Distanz bewerten. Bei einem Bedienerfehler oder einer Fehlfunktion kann das Problem über die Fernsteuerung behoben werden. Falls eine Reparatur vor Ort notwendig sein sollte, ist schon vorab offensichtlich, welches Ersatzteil benötigt wird. Das reduziert die Ausfallzeit sowie mehrfache Montage- und Fahrtkosten für die Werkstatt.

Was ist das Besondere an der E³-Technologie im Bereich der Arctic PRO-Klimaserviceserie?

Die E³-Technologie ist ein Konzept, das uns als Basis der Produktentwicklung für umweltverträgliche, wirtschaftliche und effiziente Werkstattausrüstungen dient. E³ steht für economical, ecological and efficient. Bezogen auf den Klimaservice bieten wir im Rahmen von E³ folgende Funktionen an: Mit dem Prozess E³-Fill ist das erfolgreiche Befüllen des Klimasystems unabhängig von Fahrzeug- und Umgebungstemperatur sichergestellt. Diese Funktion trägt zur Effizienz bei. Mit E³-Pump, dem internen Reinigungsprozess der Vakuumpumpe, können Ölwechselintervalle auf bis zu 1.000 Betriebsstunden – d.h. bis auf das Fünfzehnfache – verlängert werden, der jährliche Ölwechsel entfällt. Der Vorteil: geringere Wartungszeiten und -kosten. Hiermit erhöhen wir also die Wirtschaftlichkeit. Zudem lässt sich mit E³-Connect-Kupplungen das Kältemittel aus Schläuchen und Servicekupplungen restlos zurückgewinnen – eine Funktion für die Umweltverträglichkeit, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit.

Derzeit ist kein Gerät für das Kältemittel R744 von Mahle Service Solutions auf dem Markt. Gerade im Hinblick auf die Elektromobilität nimmt die Bedeutung dieses Klimagases jedoch zu. Im Konzeptfahrzeug „MEET“ ist bezeichnenderweise die Klimaanlage mit CO2 befüllt. Wann gibt es das erste Werkstattequipment für R744-Anlagen von Mahle?

Im OE-Bereich statten wir einen Premiumhersteller bereits mit unserer R744-Klimaanlage aus. Wir bieten momentan kein Klimaservicegerät für R744 an, das ist richtig. Jedoch beobachten wir die Entwicklung des Marktes für R744-Klimaanlagen genau.

Die neuen Klimakompressoren für den Ersatzteilmarkt betreffen Pkw, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Plant Mahle Aftermarket auch eine Belieferung der Nutzfahrzeugwerkstätten?

Klimakompressoren sind ein noch sehr junger Produktbereich bei Mahle Aftermarket. Dennoch decken wir schon mit unserem Startprogramm in Europa, Afrika und dem Mittleren Osten bereits ein Drittel der Nutzfahrzeuganwendungen ab. Im Vergleich zu anderen Kompressoren-Herstellern im IAM nehmen wir eine führende Position in Bezug auf die Fahrzeugabdeckung ein.


Das Interview führte Martin Schachtner


 
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