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Fachartikel Profi-Werkstatt – Juni 2017 / Ausgabe 3

Messen

"Werkstatt der Zukunft" - Interview mit Jens Dahlheimer, Europart

PROFI Werkstatt traf Jens Dahlheimer, Commodity Manager Europart für Werkstattausrüstung und Betriebseinrichtung, auf der Europart-Hausmesse Bestzeit und sprach mit ihm über die „Werkstatt der Zukunft“.

Mit „Uptime“ hat Mercedes-Benz seit kurzem einen neuen Service gestartet, der durch rechtzeitiges Tauschen von Teilen Standzeiten verringern soll. Die anderen Nutzfahrzeughersteller kommen mit vergleichbaren Systemen.  Welche Empfehlung haben Sie für freie Werkstätten, auf diese Entwicklung zu reagieren?
Jens Dahlheimer: In erster Linie müssen sich die freien Werkstätten informieren. Die Vertragswerkstätten versuchen, sich ein Stück weit abzuschirmen. Es gibt aber auch im Bereich Ferndiagnose – genauso wie bei der stationären Fahrzeugdiagnose – einige Multi-Brand-Angebote im Markt, wie zum Beispiel Texa oder AVL.

Halten Sie es für sinnvoll, dass freie Werkstätten ihre Kunden mittels Telematik stärker an sich binden?

Durchaus. Doch um das wirkungsvoll einsetzten zu können, braucht die Werkstatt geschulte Mechaniker, die mit den ausgelesenen Daten auch wirklich etwas anfangen können.

Der Gesetzgeber hat den Werkstätten einige Neuerungen verpasst, die in diesem Jahr (Scheinwerfereinstellplatz) beziehungsweise bis 2020 (Bremsenprüfstand) umgesetzt werden müssen. Wozu raten Sie den Werkstätten?

Da sollte man am Ball bleiben, um zu wissen, was es für Möglichkeiten gibt. Einige Bremsenprüfstände können zum Beispiel mit Zusatzgeräten aktualisiert werden, damit sie auf dem neuesten Stand sind. Dadurch kann ich das Leben eines Bremsenprüfstands verlängern. In Sachen Scheinwerfereinstellplatz sollte man sich mit seiner örtlichen Prüforganisation auseinandersetzen, wie Dekra oder TÜV, um zu sehen, ob der Werkstattboden die geforderten Parameter erfüllt. Die Scheinwerfereinstellgeräte, die heute im Feld vorhanden sind, sind alle einsetzbar, das Problem ist der Arbeitsplatz. Doch darüber entscheidet letztendlich der Prüfer.

Kommen wir zum Thema Elektromobilität. Was sollten Werkstätten heute schon machen, um den Anschluss nicht zu verpassen?

Sich damit auseinandersetzen. Das ist erstmal das A und O. Viele schieben das noch weit von sich weg, weil es noch nicht sehr viele Fahrzeuge in diesem Bereich gibt. Aber das ist der falsche Ansatz. Sie sollten heute schon wissen, was demnächst auf sie und auf ihre Mechaniker zukommen wird.

Was meinen Sie damit?
Beim Thema Elektromobilität ist der Umgang mit Starkstrom ganz zentral. Nutzfahrzeugwerkstätten sind heute Öl und Fette gewöhnt, Starkstrom ist ein anderes Element. Das birgt viele Gefährdungen in sich. Wenn man an die falsche Stelle fasst, kann das dramatische Folgen haben. Was hingegen beim Umgang mit Öl passieren kann, ist überschaubar. Es ist momentan sicherlich noch ein Stück weit Zukunftsmusik, doch die Entscheidungen bei den Bus- und Lkw-Herstellern sind getroffen: Die Elektromobilität kommt. Es geht hierbei nur noch um das Wann.

Braucht man in den Werkstätten spezielle Arbeitsplätze für die Arbeiten an Elektrofahrzeugen?
Öl und Fette am Boden können durch ihre Leitfähigkeit durchaus für Probleme sorgen. Deshalb sollte man sich über den separaten Arbeitsplatz für Elektrofahrzeuge definitiv Gedanken machen.

Gibt es dazu bereits gesetzliche ­Vorschriften?
Nein, bis dato noch nicht.

Herr Dahlheimer, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Thomas Pietsch, Chefredakteur PROFI Werkstatt.


 
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