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Fachartikel Profi-Werkstatt – Juni 2017 / Ausgabe 3

Messen

Autopromotec in Bologna

Auf der Autopromotec 2017 in Bologna gab es vom 24. bis 28. Mai einige interessante Neuheiten zu entdecken. An den fünf Messetagen kamen rund 114.000 Fachbesucher in die norditalienische Stadt, rund 20 Prozent davon aus dem Ausland.

Der Veranstalter der Autopromotec zeigte sich erfreut über eine steigende Nachfrage seitens der Besucher. Die rund 114.000 Fachbesucher bedeuteten ein Wachstum der Besucherzahlen um über neun Prozent gegenüber der Autopromotec 2015. Davon kamen allein 23.555 aus dem Ausland auf die internationale Fachmesse für Werkstattausrüstung und automobilen Aftermarkt in Bologna, was ein Zuwachs von rund 14 Prozent der nicht italienischen Besucher ist.

Auf einer separaten Demonstrationsfläche in Halle 30 zeigte die Messe unter der Überschrift „Officina 4.0“, wie sich der Werkstattprozess in Zukunft gestalten könnte. Integration und Kommunikation mit Hilfe von Apps, selbstdiagnostizierende Fahrzeuge und Transparenz für den Kunden (Preisunterschied OE- oder IAM-Teil) waren einige der Themen, die dabei angeschnitten wurden.

Autopromotec-Brand Manager Emanuele Vicentini verriet hinterher, worum es der Messe mit dieser Zukunfts-Demo ging: Man wolle aufrütteln und aufzeigen, dass das Internet der Dinge, also die Vernetzung mittels tragbarer Computer, in die Werkstatt kommen wird und die Werkstätten daran partizipieren müssen, um zu überleben.

Aus Deutschland stellten rund 100 Firmen in Bologna aus. Zu ihnen zählte auch der Spezialist für Hebetechnik J.A. Becker & Söhne, kurz JAB. Das in Erlenbach ansässige Unternehmen hatte eine Messeneuheit im Gepäck, die unter dem Arbeitstitel „Rüstzeiten-Killer“ angepriesen wurde. Dahinter verbirgt sich ein Kamerasystem sowie ein motorisch verstellbarer Aufnahmetisch.

Das Problem, das dieses System lösen soll, tritt insbesondere bei Bussen, aber auch bei Lkw auf. Um bei Stempelhebebühnen den korrekten Aufnahmepunkt unter dem Fahrzeug zu finden, müssen die Mechaniker sich auf den kalten, im Winter stark verschmutzten und teilweise nassen Boden legen. Das betrifft Busse aufgrund ihrer weit nach unten gezogenen Karosserie besonders.

Auf der Autopromotec zeigt JAB nun einen Prototyp, bei dem zwei mit Lampen ausgestattete Kameras mit der Lastaufnahme mitfahren und so die richtige Position unter dem Fahrzeug anzeigen. Das zweite Problem, das das neue System beheben soll, ist die nun folgende, nicht ergonomische Verstellung der Lastaufnahmen. Hierfür hat JAB einen Elektromotor in die Lastaufnahme integriert, die die 15 bis 20 Kilogramm schweren Aufnahmen an die richtige Aufnahmeposition unter dem Fahrzeug fährt.

JAB entwickelt das System seit rund 1,5 Jahren. Derzeit befindet es sich im Feldversuch bei einem städtischen Verkehrsbetrieb. Das Feedback daraus wird abgewartet und in die zukünftige Entwicklung einfließen. Etwa ab Oktober, so der aktuelle Plan, könnten damit Rüstzeiten verringert und die Arbeit in den Werkstätten ergonomischer gestaltet werden. Das System ist als Nachrüstlösung konzipiert und soll bis etwa 15 Jahre rückwärtskompatibel sein.

Bei einem anderen Hebeanlagenhersteller und Werkstattausrüster ist man derzeit sehr mit der Eingliederung einer Akquisition beschäftigt. Die Rede ist von BlitzRotary, die im vergangenen Jahr den italienischen Werkstattausrüster Ravaglioli hinzubekommen hat. Erste organisatorische Konsequenz aus der Übernahme: Es werden Stellen für Produktmanager geschaffen, zum Beispiel für die Bereich Reifenmontage oder Hebetechnik. Die Messeauftritte der beiden Unternehmen waren in Bologna noch getrennt.

Traditionell einen großen Stand hatte das italienische Unternehmen Texa. Der Diagnosespezialist zeigte unter anderem sein bereits auf der Automechanika vorgestelltes Ferndiagnosesystem „eTruck“. Das Multi-Marken-System sitzt auf der OBD-Schnittstelle der Lkw und kommuniziert via Bluetooth mit dem Smartphone des Fahrers.

Tauchen Fehlermeldungen auf, wird sowohl der Fahrer auf seinem Handy als auch Werkstatt und Fuhrparkmanager via Webportal informiert. Ab Oktober dieses Jahres soll eTruck erhältlich sein. Neues gab es auch von Alltrucks zu berichten. Das internationale Netz des Mehrmarken-Werkstattsystems wächst. In Italien ist man laut Geschäftsführer Homer Smyrliadis voll im Plan und liegt derzeit bei 55 Werkstattpartnern. In Spanien steht man aktuell bei 23 Partner und im Juli soll die Markteinführung in Polen ­beginnen.

Erstmals präsentierte Haweka auf der Autopromotec seine Mittenzentrierung „DuoMatic“ in einer optimierten Ausführung. Sie ist für alle gängigen Radauswuchtmaschinen mit zylindrischem Anschluss geeignet. Mit ihr lassen sich Räder von Pkw und Nutzfahrzeugen stufenlos zentrieren.

Eine einzige Mittenzentrierung ermögliche das Auswuchten einer Vielzahl unterschiedlicher Rädertypen. Dank des erweiterten Einsatzbereichs können Räder mit einem Mittenlochdurchmesser von 53,5 bis 107,5 Millimeter eingespannt werden. Mit der Mittenzentrierung sei außerdem kein zusätzlicher Kraftaufwand beim Einspannen des Rades erforderlich, da die DuoMatic ohne Federkraft arbeite. Sie sei damit laut Haweka schneller als elektromechanische oder pneumatische Spannvorrichtungen.
Thomas Pietsch


 
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