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Fachartikel Profi-Werkstatt – Februar 2017 / Ausgabe 1

Werkstattporträts

Blitzsauber im Kohlenpott

Breuer Truck & Trailer in Duisburg-Beeck zählt zu den größten Scania-Partnerbetrieben in Deutschland. Spätestens mit der Errichtung einer schmucken Verkaufshalle im vergangenen Jahr hat sich das Vorzeigeunternehmen ein modernes, zeitgemäßes Domizil im westlichen Ruhrgebiet geschaffen. Grund für die PROFI Werkstatt zu einem Besuch.

Wie die Lobby im Hotel ist die Kundenannahme beziehungsweise Verkaufshalle in einem Werkstattbetrieb mit Vertriebsgeschäft die Visitenkarte des Unternehmens. Eine besonders ansprechende hat Breuer Truck & Trailer seit Mitte 2016 vorzuweisen. Denn als Anbau an das bestehende Verwaltungsgebäude kam eine 400 Quadratmeter große, hohe und lichtdurchflutete Halle hinzu, die als Auftragsannahme sowie Ausstellungs- und Verkaufsfläche dient. Durch die gläserne Tür tritt der Kunde in eine offene und freundliche Nutzfahrzeugwelt ein.

Hier steht nicht nur das Flaggschiff von Scanias neuer „Next Generation“, ein „S 730 4x2“, sondern auch ein liebevoll und mit hohem finanziellen Einsatz aufgebauter „Scania-Vabis L 76 34 SDR“ aus dem Jahre 1964 mit 195 PS. Der Langhauber mit Holzfahrerhaus entstammte einer Insolvenz in der Schweiz und wurde vom Breuer-Werkstattteam technisch in fahrbereiten Zustand versetzt, während Nutzfahrzeuge Hoffmann in Oberhausen (siehe Werkstattporträt in PROFI Werkstatt 6/2015) die Karosseriearbeiten übernahm. Während Geschäftsführer Jörg Breuer eine solche Kapitalanlage eher zu seinen Hobbys zählt, ist für ihn die 3,5-Millionen-Euro-Investition in den Anbau sowie die gleichzeitige Betriebsrenovierung ein Schlüssel für den zukünftigen Geschäftserfolg.

„Der persönliche Kundenkontakt ist mir sehr wichtig. Deshalb liegt es mir am Herzen, dass unsere Kunden vor Ort einen Eindruck von uns gewinnen. Dabei ist die neue Halle natürlich ein zentrales Element“, betont der gelernte Industriekaufmann. Gleichzeitig wurde die Einrichtung auch dem aktuellen Corporate-Identity-Stil von Scania angepasst.

Professionelle Fahrzeugübergabe

Denn bedeutsam für die Kundenbindung ist die gewissenhafte Fahrzeugübergabe mit Fahrereinweisung in dem neuen repräsentativen Kundenbereich. „Jeder Lkw soll professionell übergeben werden. Das dauert je nach Interesse und Vorkenntnissen der Fahrer zwischen einer halben und anderthalb Stunden“, erklärt der 51-Jährige. Durchgeführt werden diese Übergaben durch die beiden Fahrtrainer des Unternehmens, Elmar Hölscher und Wilfried Peters. Ansonsten sind sie für die Fahreraus- und -weiterbildung im Rahmen des Scania Driver Service zuständig, beispielsweise für BKrFQG-Schulungen zu Themen wie Ladungssicherung, Sozialvorschriften oder Eco-Training.

Einen weiteren wichtigen Grund für den Unternehmenserfolg von Breuer Truck & Trailer mit seinen 75 Mitarbeitern alleine in der Zentrale in Beeck bildet ein starker Vertrieb. Vier Verkäufer in Duisburg und zwei weitere am zweiten Standort in Wuppertal (25 Mitarbeiter) betreuen die Kunden. Das Unternehmen hat die Marktverantwortung für die Marke Scania im Regierungsbezirk Düsseldorf, zu dem neben Duisburg und Wuppertal die Städte Essen, Oberhausen, Düsseldorf, Mönchengladbach, Krefeld, Mühlheim an der Ruhr, Remscheid und Solingen sowie die Kreise Mettmann, Kleve, Neuss, Viersen und Wesel gehören.

Trotz des großen und wirtschaftlich wie strukturell starken Vertriebsgebiets sind 450 bis 500 abgesetzte Lkw im Jahr eine echte Hausnummer, die erst einmal erreicht sein will. Hinzu kommen rund 250 verkaufte Gebrauchtfahrzeuge pro Jahr und ein rund 300 Zugeinheiten und 75 Trailer umfassender Mietfuhrpark. Letzteres Geschäftsfeld ist in der Breuer Truck & Trailer Rent GmbH outgesourct, was der Transparenz des Gesamtunternehmens dient.

Mit einem Marktanteil von 17 bis 18 Prozent in seinem Vertriebsgebiet im Jahr 2016 zählt das Duisburger Unternehmen zu den größten Scania-Händlern in Deutschland. Als Allrounder bildet Breuer das ganze Scania-Portfolio ab, was sich bislang als Erfolgsgarant erwiesen hat. Das reicht vom Verkauf und der Rücknahme über Service- und Fleetmanagementverträge sowie Scania Finance – mit Mitarbeiter vor Ort – bis hin zu Vermietung, Scania Driver Services und natürlich der Reparatur und Wartung. „Es ist zum Beispiel nicht üblich, eigene Fahrtrainer zu beschäftigen“, ist Breuer stolz. „Zu unseren Stärken zählt außerdem der hohe Anteil von 50 Prozent Fleetmanagement- und vor allem 80 Prozent Serviceverträgen.“

Dieser Fakt leitet über zum eigentlichen Grund für unseren Besuch in Duisburg-Beeck, nämlich dem Check der dortigen Werkstatt. Die nimmt auf dem 35.000 Quadratmeter großen Firmengelände entsprechend der rund 2.400 betreuten Fahrzeuge mit 2.500 Quadratmetern natürlich die größte Gebäudefläche ein. Die beiden Haupthallen weisen 15 Bahnen auf, davon drei 25-Meter-Gruben. Während in der ersten, der Haupthalle, vor allem Wartungsarbeiten beispielsweise an Motoren und Getrieben durchgeführt werden, dient die zweite der Unfallschädenbeseitigung, der Fahrzeugaufbereitung, dem Neuwagenaufbau – zum Beispiel Anbau von Ladebordwänden oder Spoilern – oder Elektrikarbeiten.

35 bis 40 Fahrzeuge täglich

Wegen der geringen Anzahl von Gruben – typisch für moderne Betriebe – wird vor allem mit hydraulischen Hebeanlagen gearbeitet, zum Beispiel im Boden versenkbaren Drei-Stempel-Ausführungen. Das beschleunigt in Kombination mit der als Durchfahrwerkstatt angelegten Gebäudestruktur die Abfertigung der Fahrzeuge – was auch vonnöten ist, denn im Schnitt müssen 35 bis 40 Fahrzeugdurchläufe am Tag bewältigt werden. Dafür sind 41 Werkstattmitarbeiter zuständig – vier Meister, 20 Mechatroniker, zwei Elektriker, fünf Lageristen und zehn Azubis.

Betreut werden nur Scania-Fahrzeuge. „Ich sage immer: Schuster bleib’ bei deinen Leisten“, lächelt Breuer. „Will man alles, macht man Fehler. Wir haben genug mit der Scania-Technik zu tun, gerade hinsichtlich der neuen Fahrzeuggeneration.“ Deshalb wird auch die Weiterbildung der Werkstattmitarbeiter groß geschrieben, meist über Präsenzkurse in der Scania-Deutschland-Zentrale in Koblenz oder e-Learning. „Jede Schulung bringt uns weiter“, ist der Geschäftsführer („Ich mache alles außer Ölwechsel“) überzeugt. „Die Entwicklung in der Fahrzeugtechnik ist sehr schnell.“ So ist die „New Generation“ mit einem flexiblen Wartungssystem ausgerüstet, das sich automatisch über einen Communicator mit der Werkstatt verbindet, wenn ein Service ansteht. „Der Kundendienst muss sich dann mit dem Kunden für einen Werkstatttermin in Verbindung setzen. Das sind Herausforderungen, die wir nun kennen lernen müssen“, erklärt Breuer.

Die meisten Reparatur- und Wartungsarbeiten erledigt die Werkstattcrew selber, nur wenige sind an Spezialisten outgesourct. Hinzu kommen Aufträge in der Fahrzeugausrüstung und im Fahrzeugbau. So werden Hydrauliksysteme selbst verbaut, Achsen oder Abgassysteme versetzt als vorbereitende Arbeiten, damit beispielsweise Palfinger-Arbeitsbühnen auf dem Fahrzeug integriert oder Schwing-Betonpumpen auf Scania-Fahrgestelle aufgesetzt werden können. Zudem baut das Werkstattteam Wechselrahmen auf, meist auf vom Spezialisten SDG im Paket gelieferten Modulen.

Zu den Aufträgen, die die Firma Breuer lieber an einen spezialisierten Partner abgibt, zählt die Fahrzeugrichtung. Hierbei arbeitet man meist mit der Johann Raschl GmbH zusammen, die Deutschlands ältestes und wohl leistungsfähigstes Rahmenrichtwerk in Düsseldorf-Rath betreibt (siehe Werkstattporträt in der PROFI Werkstatt 3/2016). Die Reifenlieferung teilen sich der Premio-Reifen-Service Schulte-Kellinghaus in Oberhausen und Autobereifung Max Geise in Duisburg. Den Bereich Scheiben wiederum übernimmt Wintec Autoglas.

Havi ist wichtiger Kunde

Schnelligkeit und gute Preise sind dabei das Gebot für Breuer. Das schätzen auch die Kunden. Zu den größten zählen neben der CI-Gruppe und der Spedition Blüggel in Duisburg vor allem Pape Logistics und die Havi-Gruppe. Letztere betreibt circa 240 Fahrzeuge und ist für die Lebensmittelindustrie tätig. Da Havi meist Verteilerfahrzeuge mit relativ hochwertigen Aufbauten einsetzt, verbleiben deren Einheiten meist bis zu zehn Jahre im Fuhrpark, während Standardsattel in vielen Speditionen üblicherweise bereits nach drei bis vier Jahren ausgetauscht werden.

Um Standzeiten für die Kunden möglichst gering zu halten, wird wochentags im Zwei-Schicht-System gearbeitet, von 8 bis 16 Uhr und 11 bis 19 Uhr. An Samstagen reichen die Servicezeiten von 7 bis 17 Uhr. Wie branchenüblich sind die am stärksten frequentierten Tage der Freitag und der Samstag. Für eine schnelle Teileverfügbarkeit ist das 800 Quadratmeter große Lager mit circa 19.000 Positionen und einem Wert von rund 1,4 Millionen Euro relativ umfangreich.

Es besteht aus zwei räumlich voneinander getrennten Bereichen, wobei in Lager 2 vor allem sperrige Artikel wie Motoren, Karosserieteile oder Reifen zu finden sind. Ebenfalls hoch ist der Werkstattumsatz von Breuer Truck & Trailer: Er betrug 2016 rund 13,5 Millionen Euro, wovon neun Millionen auf die Zentrale in Duisburg und 4,5 Millionen auf den 2003 errichteten Standort Wuppertal mit seinen sechs Bahnen fielen. Dieser wird übrigens aktuell ebenfalls renoviert. Zudem arbeitet Breuer mit den Scania-Servicepartnern Sturm in Kaarst, seit mehr als 30 Jahren im Geschäft, und Newcomer Georg Thissen in Straelen zusammen, beide reine Werkstattbetriebe ohne Verkaufsgeschäft. „Ziel dabei ist natürlich, den Marktanteil im Vertriebsgebiet zu erhöhen, indem ein naher Service angeboten werden kann“, erklärt Breuer.

Warte- und Schlafraum

Apropos Service: Der wird für die Kunden und deren Fahrer möglichst umfassend angeboten. Für Letztere gibt es einen Warte- sowie einen Schlafraum mit Dusche. Zwölf „VW Up“ stehen zudem für den Fahrertransfer bereit. Für die Pannenhilfe setzt das Unternehmen zwei „VW Crafter“ und einen „Amarok“ ein. Die müssen gelegentlich auch nachts zum Einsatz, im Schnitt einmal pro Woche. Für die Fahrzeugreinigung befindet sich im Anschluss an die Werkstatthallen eine Waschhalle mit Kärcher-Portalanlage. Hier sind alleine drei Mitarbeiter beschäftigt.

Wie heißt es so schön: „Der Laden brummt“ bei Breuer trotz oder vielleicht auch wegen des Verzichts auf das Fremdmarkengeschäft. Kaum aktiv ist das Unternehmen dagegen im Bussegment; Der Mannschaftsbus des Drittligisten MSV Duisburg gehört zu den wenigen betreuten Fahrzeugen. Hier gibt es zudem mit Theo Boeckels Nutzfahrzeuge in Willich einen starken und nahen Scania-(Bus-)Partner. Dafür ist man in Duisburg-Beeck stark aufgestellt im Kommunalbereich als Partnerbetrieb von Feuerwehren und Müllentsorgern beispielsweise in Duisburg, Remscheid oder Dinslaken sowie von Betriebsfeuerwehren wie etwa bei Thyssenkrupp. Einer der sechs Breuer-Verkäufer betreut ausschließlich den kommunalen Sektor.

Breuer Truck & Trailer scheint also gut gerüstet zu sein für die Zukunft. Platz zur weiteren Expansion wäre am heutigen, verkehrsgünstig an der A42 gelegenen Standort ebenfalls vorhanden. „Für uns lautet das Motto: Besser sein als andere“, betont Breuer. „Mit der neuen Ausstellungs- und Auslieferhalle können wir eine solche ‚bessere’ Dienstleistung anbieten.“ Demnächst dürfte ein weiteres Schmuckstück diese Halle zieren: Derzeit ist ein „VW T1“, der berühmte Bulli, bei Volkswagen Classic in Wolfsburg zur Generalüberholung. Im Mai soll er fertig werden.
Claus Bünnagel


 
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