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Fachartikel Profi-Werkstatt – April 2017 / Ausgabe 2

Hebeanlagen

Jubiläum: Finkbeiner wird 90

Jubiläen sind ein guter Grund zurückzublicken. In diesem Jahr wird der Hebeanlagenhersteller Finkbeiner aus ­Freudenstadt im Schwarzwald 90 Jahre alt.

„Wir sehen uns als Problem­löser, nicht als Massenhersteller. Unsere ausgewählte Produktpalette deckt bewusst nicht das komplette Spektrum ab. Aber mit unseren Produkten wollen wir technisch die Besten sein“, fasst Gerhard Finkbeiner, geschäftsführender Gesellschafter des gleichnamigen Hebebühnenherstellers, seine Unternehmensphilosophie zusammen. Sein Unternehmen liefert heute mehr als 2.000 Hebebühnen pro Jahr aus, 70 Prozent davon werden exportiert. Bekannt ist Finkbeiner vor allem für seine Radgreifer. Die Standardausführung trägt 7,5 Tonnen pro Radgreifer. Somit sind die Radgreifer prädestiniert für schwere Fahrzeuge. Und bereits die Wurzeln des Unternehmens liegen im Nutzfahrzeuggeschäft, das auch heute noch wichtigster Umsatzbringer ist.

In diesem Jahr feiert das 1927 in Freudenstadt von Georg Finkbeiner gegründete Unternehmen sein 90-jähriges Bestehen. Begonnen hat man als Huf- und Wagenschmiede sowie mit der Herstellung von Autofedern und Anhängern. Die Hebetechnik kam erst nach dem Zweiten Weltkrieg hinzu, als Walter Finkbeiner, der Vater des heutigen Inhabers, quasi für den Eigenbedarf eine pneumatische Hebebühne entwickelte. Dazu nutzte Walter Finkbeiner die Luftfedertechnik, die damals bereits in einigen Lkw zum Einsatz kam. Eigentliches Hauptgeschäft des Betriebes war zu dieser Zeit der Fahrzeugbau und Bremsendienst. Das war im Jahr 1967.

Damals gab es nur wenige Hersteller hierzulande, die etwas Ähnliches gemacht haben – allerdings nicht pneumatisch, sondern mit Spindeltechnik. Das Produkt hieß Universal-Hebebock (UHB) oder auch „hebeboy“ und war ein Unikat auf dem Markt. Das machte die Vermarktung zu jener Zeit nicht so einfach, auch weil Druckluft nicht überall ausreichend vorhanden war.

Seiner Zeit voraus

Nächster Meilenstein war die Erfindung des weltweit ersten hydraulischen Radgreifers im Jahre 1981. Damit nahm Finkbeiner eine Entwicklung voraus, die heute mehr oder weniger Standard im Bereich der Hebetechnik ist – und war seiner Zeit erneut voraus. Die Akzeptanz bei den Kunden für die neue Hydrauliktechnik war nicht sehr ausgeprägt, außerdem war die Hebebühne teurer als die damals weit verbreitete Spindeltechnik. Und natürlich war die Steuerung des Gleichlaufs der verschiedenen Säulen Anfang 1980er Jahre deutlich aufwendiger als heutzutage. Es dauerte weitere zehn Jahre, bis die Hydraulikhebebühnen begannen, sich durchzusetzen. Durch eine Vereinfachung des Antriebskonzepts im Jahre 1991 wurden die Bühnen jetzt preislich interessanter. Dieses damals von Finkbeiner eingeführte Prinzip wird heute von allen bekannten Herstellern verwendet.

1996 übernahm Gerhard Finkbeiner als dritte Generation die Geschäftsleitung. Unter seine Ägide fällt die Erweiterung des 1961 errichteten Gebäudes im Industriegebiet von Freudenstadt. Im Jahr 2000 wurde das Firmengebäude renoviert und erweitert. Damit verdoppelte sich die Fertigungsfläche. 2002 wurde das benachbarte Grundstück erworben und das darauf befindliche Autohausgebäude durch eine Zwischenhalle in den Betrieb integriert. 2011 wurde gegenüber dem Stammhaus eine ehemalige Diskothek erworben. Darin befindet sich seit 2014 ein Showroom, der die Historie des Unternehmens und aktuelle Produkte zeigt. Hier finden auch Schulungen und Produktvorführungen für Kunden statt. Und an der Original-Theke der Disko auch gerne die Betriebsfeier mit den Mitarbeitern, denn die bekommt man locker um die große, hufeisenförmige Theke gruppiert. Knapp 25 Menschen, Chef inklusive, arbeiten bei Finkbeiner.

„Wir sind ein sehr schlanker Betrieb. Unsere Hebebühnen werden hier in Freudenstadt entwickelt und endmontiert, die eigentliche Produktion ist an Zulieferunternehmen ausgelagert. Durch die eigene Montage können wir die Produktqualität sicherstellen. Mit dieser Philosophie bleiben wir flexibel und anpassungsfähig“, erläutert Finkbeiner. Der Geschäftsführer legt dabei Wert auf die Tatsache, dass die einzelnen Komponenten seiner Hebebühnen in Deutschland sowie im nahen europäischen Ausland hergestellt werden. Außerdem bestehe mit den meisten Produzenten, die zum Beispiel die Bleche, Zylinder oder Hydraulikaggregate fertigen, eine Jahrzehnte währende Partnerschaft.

Finkbeiner setzte und setzt immer auf eigene Produkte. Relabeling kommt nicht infrage. Und das wird auch in Zukunft so sein. Und diese Zukunft wird die Welt in etwa zwei Jahren sehen. Dann beginnt die Produktion für Produkte eines neuen Geschäftsfeldes im Bereich Werkstattausrüstung für Nutzfahrzeuge. Die Halle am Stammsitz in Freudenstadt dafür steht bereits.       Thomas Pietsch


 
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