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Fachartikel Profi-Werkstatt – Februar 2017 / Ausgabe 1

Achsen und Bremsen

Neuer Kurs

Wie der Achsenfabrikant BPW die Zukunft sieht und gestalten will, hat das Unternehmen aus dem Bergischen Land kürzlich dargelegt. Es bahnt sich eine tiefgreifende Veränderung an, deren Grundsteine heute gelegt wurden.

Bevor wir nach vorne blicken, schauen wir kurz zurück: Der Achsenspezialist BPW Bergische Achsen ist bekannt geworden als Hersteller von Fahrwerken und Zulieferer für Fahrzeughersteller. Durch die Übernahme von Idem telematics und Funkwerk eurotelematik vor gut fünf Jahren kam zu der reinen Mechanik auch Elektrotechnik und Softwareentwicklung ins Unternehmen. Auf der IAA Nutzfahrzeuge 2016 zeigte BPW dann mit „eSolutions“ den nächsten Schritt in Richtung Zukunft. Während des Jahrespressegesprächs im Dezember 2016 erläuterten BPW-Manager nun, wie sich das Unternehmen auf die „disruptiven Veränderungen“ einstellt, die der Transportbranche bevorstehen.
Michael Pfeiffer, persönlich haftender geschäftsführender Gesellschafter von BPW, bezeichnete die Entwicklungen, die aktuell in seinem Unternehmen geschehen, als „grundlegende strategische Neuausrichtung.“ Gemeint sind zum einen die beiden Produkte „eTransport“ und „ePower“, aber auch das kürzlich gemeinsam mit Softwaregigant SAP gegründete Innovation Lab in Siegburg, das unter dem Schlagwort „Internet of transport“ neue Lösungen für die gesamte Logistikbranche entwickeln will. Das Ziel dabei sei, Transparenz zu schaffen – vom Versender bis zum Empfänger der Waren. Dazu könnten zum Beispiel Systeme für verknüpfte Telematik zählen, an die auch Warenwirtschaftssysteme angekoppelt wären.

Autonomer Prozess

Marcus Sassenrath ist der Leiter dieser neuen IT-Strategie. Für ihn wird in Zukunft die Bedeutung des Fahrzeugs abnehmen. „Der autonome logistische Prozess steht vor dem autonomen Transport“, sagte er in Wiehl. Im Innovation Lab wolle man gemeinsam mit Kunden konkrete Fälle bearbeiten und Lösungen für reale Probleme entwickeln. Die Trailer-Telematik-Lösung von BPW und die Cloud-Anwendung „SAP Vehicle Insights“ zur Sammlung von Fahrzeugdaten, sollen dabei die Grundlage bilden für optimierte End-to-End-Transportprozesse. BPW wird dazu zusammen mit SAP neue Dienste und Lösungen auf Grundlage von SAP Vehicle Insights entwickeln, um diese mit anderen logistikrelevanten Daten wie zum Beispiel Transportaufträgen, Verkehrsinformationen und weiteren betriebswirtschaftlichen Fakten zu verknüpfen. Neu dabei ist vor allem, dass sich BPW in der Vergangenheit hauptsächlich auf den Spediteur und seine Probleme konzentriert hat. Mit dem Innovation Lab wolle man den Blick erweitern und gemeinsam mit den Kunden lernen. „Für uns ist das ein überschaubares Investment. Wir wollen damit ein Ohr am Markt haben. Hinterher können wir dann schauen, ob das Ergebnis in unser Portfolio passt“, beschrieb Pfeiffer die Hintergründe für diesen Schritt.
Die Achsenprofis meinen es also Ernst mit der Neuaufstellung. Dazu passt auch, dass derzeit die ersten Tests mit der elektrischen Achse eTransport starten. Durch sie wird der Motor Bestandteil des Fahrwerks. Für die über zwei Elektromotoren angetriebene Achse, die 150 kW leistet, spreche unter anderem ihr geringes Gewicht. Das soll nicht über dem einer konventionellen Differenzialachse liegen, zumindest wenn man das Gewicht der Teile abzieht, die durch die Verwendung eines Elektromotors im Fahrzeug nicht mehr benötigt werden. Konkret wiege das Aggregat derzeit 1.150 Kilogramm, wobei 700 Kilogramm auf die Batterie entfallen und 350 Kilogramm auf die Elektromotoren.
Durch das Zwei-Motoren-Konzept könne jedes Rad einzeln angetrieben werden, was hilft, den Wendekreis der Fahrzeuge zu reduzieren. Laut Pfeiffer waren die möglichen Kunden, die das Konzept der E-Achse auf der IAA gesehen haben, davon so angetan, dass das Feedback ermutigt habe, das Konzept weiter zu entwickeln. Derzeit ist eTransport auf Klein-Lkw im Bereich von 7,5 Tonnen ausgelegt. Eine modulare Anwendung je nach Fahrzeugklasse ist zwar denkbar, aber aktuell noch nicht in der Mache.
Ein weiteres Feld, mit dem BPW in Zukunft punkten will, sind sensierte Zulieferteile sowie intelligente Achsen, die zum Beispiel Informationen zum Wartungszustand mittels Sensoren erfassen und diese Daten per Telematik weiterleiten. Dr. Markus Kliffken, Mitglied der BPW-Geschäftsleitung und zuständig für Innovationsmanagement, sagte dazu: „Gerade sind wir dabei auszuprobieren, zu basteln und zu testen. Mitte 2017 wollen wir erste Produkte zeigen, von denen wir meinen, dass sie Zukunft haben.“ Dabei im Fokus stehe immer der Mehrwert, den die Innovation für den Nutzer hat. Das sieht auch Mitinhaber Pfeiffer so: „Der Fahrzeugbetreiber ist bereit, mehr zu bezahlen, wenn er von den Neuerungen einen echten Mehrwert bekommt.“
Thomas Pietsch


 
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